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Neues Buch von Maggie NelsonChoose your battles

Die Schriftstellerin Maggie Nelson widmet sich in ihrem neuen Buch „The Slicks“ dem Popstar Taylor Swift und der Dichterin Sylvia Plath. Warum bloß?

Was haben Sylvia Plath und Taylor Swift gemein? Während Erstere virtuose Lyrik (und einen Roman) verfasste, veröffentlicht die andere eingängige Popsongs. Hatte Plath zeitlebens wenig Geld, so besitzt Swift obszön viel davon. Sylvia Plath einen tortured poet zu nennen, der durch Selbstmord aus dem Leben schied, ist sicher nicht ganz verkehrt, während Swift sich weiterhin bester Gesundheit erfreut.

Kurzum: Viel teilen die beiden auf den ersten Blick nicht, bis auf das Geschlecht natürlich. Dem großen, alle Unterschiede nivellierenden Genus des Femininums unterstellt ihre Überlegungen auch Maggie Nelson, die den beiden Künstlerinnen mit „The Slicks“ eine eigene schmale Abhandlung widmet.

Dabei fokussiert sich die US-amerikanische Schriftstellerin auf die Rezeption, die zuvorderst männliche Kritik an Swift und Plath. Nelson führt die antike Tugend der Sophrosyne ins Feld, die mit Mäßigung, Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung umschrieben wird und somit im krassen Gegensatz zur Überfülle, der überbordenden Schaffenskraft steht, die Plath wie Swift insbesondere unter ökonomischen Gesichtspunkten selbstredend zugestanden werden kann.

Das Buch

Maggie Nelson: „The Slicks. Über Sylvia Plath und Taylor Swift“. Aus dem Englischen von Cornelius Reiber. Hanser Berlin, Berlin 2026. 64 Seiten, 16 Euro

Dass Frauen Ehrgeiz schlecht zu Gesicht steht, ist beinahe eine Binse. Nelson zufolge ist es jedoch vor allem Plaths wie Swifts Bearbeitung des Persönlichen als „politisch, ästhetisch und ethisch verdorbener Quelle von Kunst“, die ihr Werk als Ganzes abwerte. Zu hören war der Vorwurf, „ihre Verletzlichkeit sei unecht oder nur eine manipulative Marketingstrategie“. Die Verhöhnung des Persönlichen in der Kunst tauche dabei seit Jahrzehnten in immer neuem Gewand auf. Heute, so Nelson, habe die Klage auch mit der Omnipräsenz des Präfixes auto- zu tun.

Vertreterin der Autotheorie

Maggie Nelson weiß, wovon sie spricht, verknüpft sie als prominente Vertreterin der sogenannten Autotheorie doch seit über 20 Jahren in ihren Büchern auf normalerweise äußerst anregende Weise eigenes Erleben mit Theorie, setzt denken und leben innovativ in eins. In „Die Argonauten“, ihrem bekanntesten Werk, schreibt sie über die Transition ihres Lebensgefährten und darüber, den Versuch, ein freies Leben zu leben, ernst zu nehmen.

Dabei gilt weiterhin, was Monique Wittig in den 1980ern über das „straighte Denken“ festhielt: dass nämlich Texte von Mi­no­ri­tä­ten­au­to­r:in­nen – und Minoritäten sind Frauen im realen Machtgefüge weiterhin –, so sie darin Minoritätenperspektiven einnehmen, Gefahr laufen, „dass das Thema als formales Element“ die Bedeutung des Texts als Kunstwerk übersteigert. Womit wir wieder bei der weiblichen Verletzlichkeit wären. Doch: Welche Bedeutung wird im Falle Swifts überhaupt überschattet? Die der generischen Popsongs? Des gigantischen PR-Apparats dahinter?

„The Slicks“ ist ein Ärgernis. Es fügt der extensiv in internationalen wie deutschen Medien geführten Debatte über das Leben und Wirken der Persona Taylor Swift, wie übrigens auch der über Sylvia Plath, nichts Neues hinzu. Heather Clark schreibt in ihrer monumentalen, leider noch nicht übersetzten Biografie der Dichterin, „Red Comet“ von 2020, wie Plath regelrecht zum Marker geworden ist. Liest eine junge Frau oder ein Mädchen in einem Roman oder Film Bücher von Sylvia Plath, so könne man sicher sein, dass sie später Ärger machen wird, so Clark. Taylor Swift taugt indes kaum zur Distinktion, denn dass Teenagermädchen die Musik der erfolgreichsten Musikerin unserer Zeit hören, ist ähnlich wahrscheinlich wie, dass sie morgens Cornflakes frühstücken: sehr.

Der Zugang zum Selbst ist ein angenommener

„The Slicks“ lässt überdies den typischen Maggie-Nelson-Sound vermissen. Zwar gibt es einige theoretische Einsprengsel, doch der Zugang zum Selbst, zum eigenen Leben, der sonst Nelsons Poetologie eingeschrieben ist, ist hier eher ein angenommener, um nicht zu sagen offensichtlicher: Nelsons Sohn ist mittlerweile im Teenageralter, und Sylvia Plath war Sujet ihrer Bachelorarbeit.

Überhaupt: In welche Debatte klinkt sich Nelson hier ein? Natürlich kann und sollte man kritisieren, dass über Frauen härter geurteilt wird als über Männer, das gilt für Megastars genauso wie für Diktatorinnen. Aber: „Choose your battles“, sang schon Swifts Kollegin Katy Perry. Die Frage, warum es die milliardenschwere, weiße Popprinzessin sein muss, der vor allem Sympathie und Beachtung in Buchform entgegengebracht wird, muss man sich dann halt trotzdem gefallen lassen. Vor allem, wenn man in ebendiesem Buch ausdrücklich seine Sorgen über das Versagen der Linken kundtut, sich angemessen zu kollektivieren.

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