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Neues Album von ZackiBoyDen elektronischen Schepper-Pop wiederbeleben

Der Berliner Künstler ZackiBoy liefert Ohrwürmer als Antidepressiva für Millenials und alle, die es gerne wären. Warum sein Album „Softy“ funktioniert.

Müde von Politik, Trennungen, Depressionen und dem eigenen Nervenkostüm, das immer dünner zu werden scheint. Thorben Kaiser alias ZackiBoy ist zwar müde, aber selten klang Kummer bisher so tanzbar wie auf dem neuen Album „Softy“ des Berliner Künstlers. Die Musik von ZackiBoy kommt einer kleinen Scharade gleich. Akustisch ist vom Verdruss wenig zu hören, denn „Softy“ hüllt sich in fröhliche, teils puristische, aber immer eingängige und poppig anmutende, elektronisch grundierte Melodien.

Kontraste schaffen Charakter und das zeigt bereits der Auftaktsong „Venlafaxin“, dessen trübseliger Text über Alltagstrott im düsteren Habitat eines Depressiven sich vom Ambiente her in den Nuller- und Zehnerjahren in einem Klangbad zwischen Deichkind und Audiolith wieder findet. „Venlafaxin“ ist eine Hymne auf Antidepressiva als Lebensretter und als krasser Einstieg des Albums äußerst gelungen. Der monotone Sprechgesang verbindet sich mit Synthpop und elektronischen Beats, die sich gegen Ende immer mehr verdichten und Musik erzeugen, die Potenzial zum Ohrwurm hat.

Vor allem Millennials aus der linkspolitischen Blase müssten sich bei ZackiBoy in eine Zeit versetzt fühlen, in der das Hamburger Festival „Dockville“ noch klein und die Indieband Frittenbude beliebt waren. Eine unschuldige Zeit, in der man in seinem 10.000-Seelen-Dorf von der weiten Welt geträumt hat, die Skinny-Jeans so eng wie möglich wählte, fernab der Realität der Erwachsenen und dafür mittendrin in der Adoleszenz und ihren Tücken. ZackiBoy ist aber kein nostalgisches Sinnbild dieser Phase, er hat Anfang der Zehner bereits ein erstes Album veröffentlicht.

Vom Duft der Großstadt handelt „Ich geh online“, eine Ballade von einem, der ausbrechen und ins urbane Gewirr eintauchen will. Sein Arrangement ist eine virtuelle Erkundungstour, die ZackiBoys feines Gespür für Melodien unterstreicht.

Bei manchen Songs tritt der 44-Jährige auf die Bremse und schafft kleine Atempausen vom hibbeligen Speed, stattdessen zerfließt die Musik, klingt dadurch lässiger und schlichter. ZackiBoy sinniert in „Die Welt ist meine Scheibe“ nicht etwa über Querdenker und krude Weltanschauungen, sondern träumt einfach weiter in seiner eigenen kleinen Blase, ohne gleich auf jede Frage eine Antwort zu finden. Also echot er sich selbst ohne großen Widerhall zu.

ZackiBoy Album und Konzert

ZackiBoy: „Softy“ (Misitunes/Broken Silence)

live: 13. Juni 2026 „Salon Wellenmaschine“ Berlin

Die Stärke von „Softy“ liegt im Kontrast. Und so klingt auch „Immer Ehrlich“ lustig und tragisch zugleich. Neue-Deutsche-Welle-Star Andreas Dorau hilft hier mit beim Tauziehen der Gefühle, im Duett besingen beide dystopisch kosmopolitische Aussichten, den nahenden Winter, fehlenden Schnee, weinende Kinder und die drohende Apokalypse, während eine Flöte erklingt, als würden die Künstler betrunken im Auenland tanzen. „Ich bin ehrlich fertig“. Ja, das Gefühl können alle verstehen.

Am besten nachvollziehbar ist die Ambivalenz des Albums beim Song „Only Positive Vibes“. Im Feature mit dem Chemnitzer Rapper Augenringemann erschafft ZackiBoy einen düsteren Popsong, der ironischerweise gar nicht nach positiven Gefühlen klingt. Stattdessen ahmt er brachialen Gangstarap nach und tut seine Abneigung gegenüber einer ominösen „only positive vibes“-Bewegung kund. Die Musik inszeniert eine Welt, in der Probleme zu Chancen werden und schlechte Tage keine Alternative sind; in der Botox nicht gebraucht wird, weil es keinen Ärger gibt, der Zornesfalten verursachen könnte. Damit gelingt ZackiBoy hübsch verpackte Gesellschaftskritik, die sogar noch einen Tick schärfer hätte formuliert sein können. Wo ist der wummernde Beat, wenn man ihn braucht?

Schon der lachende und der weinende Smiley auf dem Albumcover deuten an, dass „Softy“ eine bewusst ambivalent gehaltene Angelegenheit ist. Klanglich vielseitig wechseln die Songs zwischen Indiepop-Gitarrenintros und Beats, die an 80er-Jahre Aerobic-Videos erinnern. An manchen Stellen vielleicht etwas flach produziert, aber DiY-Pop ist halt so. ZackiBoy nimmt keine Umwege auf seinem Album und nutzt die Gute-Laune-Akustik als Camouflage, um den „Blues“, in dem er steckt, zu vertuschen.

Der linkspolitische elektronische Schepperpop der Nuller- und Zehnerjahre ist eigentlich Geschichte. Wirkten diese eckigen Soundlandschaften zuletzt eher abgegrast, lässt ZackiBoy – wenn auch weniger provokant als damals – auf den Ruinen wieder frisches Gras wachsen.

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