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Neuer Krieg in Äthiopien Flächenbrand in Afrika

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Der Krieg in Äthiopien droht sich zum Regionalkrieg im gesamten Nordosten Afrikas auszuweiten. Es gäbe Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun.

I n der internationalen Politik äußern sich viele Diplomaten über viele Dauerkrisen „tief besorgt“. Die Krisen am Horn von Afrika gehören dazu, von Somalia bis Sudan. Nun droht im Nordosten Afrikas ein länderübergreifender Krieg. Sehr vereinfacht ausgedrückt, haben sich die Regierungen von Ägypten, Sudan, Eritrea und Somalia unabhängig voneinander gegen die Regierung von Äthiopien gestellt. Alle habe eigene Gründe: Ägypten streitet mit Äthiopien um die Kontrolle des Nils, Sudan wirft Äthiopien Unterstützung der aufständischen RSF-Miliz vor, Eritrea unterstellt Äthiopien Expansionswünsche hin zum Roten Meer. Und Somalia moniert Äthiopiens Unterstützung der Abspaltung Somalilands.

Gegen Äthiopiens Regierung kämpft neuerdings im eigenen Land eine neue Rebellenallianz rund um die Tigray-Volksbefreiungsarmee TPLF. Die Guerillagruppe beherrschte Äthiopien jahrzehntelang, wurde aber zuletzt marginalisiert und wehrt sich dagegen mit allen Mitteln. Nicht nur in Tigray toben jetzt heftige Kämpfe, der Krieg droht auch Eritrea zu erfassen. Dass am Sonntag die Präsidenten der vier Länder in Ägyptens Hauptstadt Kairo zu einem Gipfel zusammenkamen, könnte sich als Startschuss für einen Krieg erweisen, der den gesamten Nordosten Afrikas mit seinen rund 285 Millionen Einwohnern in den Abgrund reißt.

Sofern er sich dort nicht schon befindet. In Sudan tobt der aktuell blutigste Krieg der Welt, in Eritrea herrscht seit Jahrzehnten eine brutale Militärdiktatur, Somalia ist seit Jahrzehnten von Bürgerkrieg zerrissen. Direkt gegenüber liegt der Brandherd Jemen, dessen Kontrolle über das Schicksal des Welthandels mitbestimmt.

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Kurios ist, dass mittendrin der Kleinstaat Dschibuti die größte Ansammlung internationaler Militärkontingente in der gesamten Region beherbergt, mit Militärbasen der USA, Frankreichs, Chinas, Japans, Italiens. Könnten sie nicht auch gegen die aufflammenden Kriege rings um sie herum etwas tun? Leider bleibt es wohl dabei, dass alle Welt „tief besorgt“ ist – und ratlos.

Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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5 Kommentare

  • Machiavelli

    Äthiopien hat mit seinen Drohungen gegen Eritrea, seiner involvierung im sudanesischen Bürgerkrieg viel beigetragen damit die Nachbarn Milizen in Äthiopien unterstützen.

  • *Sabine*

    "Es gäbe Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun."



    Das klingt für mich hoffnungsvoll,mir fehlen in dem Artikel leider die Details,wer was dagegen tun könnte.

    Ist der nachfolgende Hinweis



    "Kurios ist,dass mittendrin der Kleinstaat Dschibuti die größte Ansammlung internationaler Militärkontingente in der gesamten Region beherbergt,mit Militärbasen der USA,Frankreich,China,Japan,Italien."

    so gedacht,dass diese Armeen die Region über ein UN-Mandat befrieden sollten?Falls ja, kann das gelingen?

    Dass Äthiopien Somaliland unterstützt,finde ich insofern gut,da Somaliland,zumindest vordergründig,politisch stabil wirkt und Schritte zur Demokratisierung unternommen hat. Bedauerlich, dass sich Somalia nicht stärker an Somaliland orientieren kann. Die Gründe für den Bürgerkrieg in Somalia sind mir teilweise bekannt, aber nicht, weshalb sich Somalia nicht Somaliland als Vorbild nehmen kann oder will.

    Auch die Unterstützung der RSF im Sudan durch Äthiopien schätze ich mehr, als die Unterstützung der SAF u.a. vom Iran. Ich mag an Äthiopien, dass es sich als säkularer Staat ohne offizielle Staatsreligion versteht.

    Hoffentlich finden alle Beteiligten eine friedliche Lösung.

    • Marvienkäfer

      @*Sabine*:

      Beim Somaliland bin ich auf Ihrer Seite. Irgendwann muss ein Land, dass seit Jahrzehnten im Bürgerkrieg zerfallen ist, anerkennen, dass Teile sich abgespalten haben; insbesondere wenn diese stabiler und vlt sogar demokratischer sind als das eigentliche Somalia und sich soweit ich weiß aus dem sonstigen Bürgerkrieg raushalten. Gleiches hätte für Rojava gegolten.



      Die RSF-Miliz kenne ich nur aus Berichten über fürchterliche Kriegsverbrechen. Sie kämpft wegen Unstimmigkeiten in der Führung des zusammengesetzten Militärs einfach um mehr Macht. Es gibt keinen populären Grund für diese Miliz, der mir bekannt ist. Und auch die Armee ist nicht viel besser, aber wenn es literally keinen objektiven Grund gibt, weswegen die RSF für irgendjemanden eine legitime Vertretung darstellt, dann ist es absolut verabscheuenswürdig, sie zu unterstützen. Mir egal wenn die reguläre Armee dem Iran zugewandt ist. Dutzende Millionen Menschen leiden unter diesem äußerst sinnlosen Krieg.

      • *Sabine*

        @Marvienkäfer:

        Danke für Ihre Ausführungen über die RSF. Sie haben sicherlich recht. Ich kenne mich mit den Gegebenheiten im Sudan nicht aus und habe mich nur oberflächlich eingelesen. RSF erschien mir "sympathischer", da sie weniger islamistisch unterwandert zu sein scheinen. Andererseits kämpfen in der SAF auch Frauen, in der RSF anscheinend nicht. Ich muss mir in dem Bereich mehr Sachkenntnis aneignen. Danke für Ihre Anregung hierzu.

  • Nisse

    "Es gäbe Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun." Jetzt sollte der Autor aber auch die Möglichkeiten benennen, die ihm anscheinend vorschweben: Militäreinsätze? Diplomatie?