Neue temproräre Infrastruktur in Berlin: Radspuren mit Corona-Antrieb

Jetzt bekommt auch die Kantstraße eine Pop-up-Bikelane. Friedrichshain-Kreuzberg hat die Nase vorn, Pankow und Tempelhof-Schöneberg ziehen nach.

Schön breit und ansteckungssicher: Radspur auf der Zossener Straße in Kreuzberg Foto: imago images / Klaus Martin Höfer

BERLIN taz | Jetzt also doch: Um in Corona-Zeiten ansteckungssicheres Radfahren zu ermöglichen, bekommt die Charlottenburger Kantstraße aller Voraussicht nach ab Montag eine temporäre Radspur. Das bestätigte Stadrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) der taz. Es ist quasi ein Vorgeschmack auf das, was RadaktivistInnen seit dem tödlichen Unfall auf dem Savignyplatz Anfang Februar fordern – bis zum aktuellen Demonstrationsverbot mit einer Kundgebung an jedem Montagmorgen.

Ganz ohne ist so eine Maßnahme auf einer Verkehrsader wie der Kantstraße nicht: „Es wird über die ganze Länge ungefähr zehn verschiedene Varianten geben“, so Schruoffeneger. „Die Grundlinie ist aber immer: Es gibt eine Fahrspur für das Fahrrad.“ Die von der Senatsverkehrsverwaltung angeordnete Umgestaltung hat allerdings ein Verfallsdatum: Sie ist bis zum 31. Mai befristet und ausschließlich mit der epidemiologischen Situation begründet.

„Wie es danach weitergeht, muss man schauen“, sagt Schruoffeneger. Er hatte der Senatsverwaltung eine Liste von insgesamt sechs Straßenzügen vorgelegt. „Liebend gerne“ hätte der Stadtrat zum Beispiel die Anordnung einer temporären Radspur auf der Kaiser-Friedrich-Straße zwischen Schlossstraße und Ku'damm. „Damit ergäbe sich eine halbwegs gesicherte Radinfrastruktur in der Bezirksmitte.“

Bei den „Pop-up-Bikelanes“ beziehungsweise der „pandemieresilienten temporären Radinfrastruktur“, die dem ansteckungsfreien Radeln dienen soll, hat aber weiterhin Friedrichshain-Kreuzberg die Nase vorn. Ab kommendem Dienstag sollen dort schon die nächsten 4,5 Kilometer ausgewiesen werden.

Vollrad Kuhn, Stadtrat Pankow

„Wir hoffen, dass das dann auch auf Dauer so bleiben kann.“

Wie der Leiter des Straßen- und Grünflächenamts Felix Weisbrich der taz bestätigte, geht es nun auf Möckernstraße, Kottbusser Damm / Kottbusser Straße und Tempelhofer Ufer weiter. Letzteres wird manche RadaktvistInnen besänftigen: Sie hatten kritisiert, dass nördlich des Landwehrkanals auf dem Halleschen Ufer schon Ende März eine breite und geschützte Radspur angelegt wurde – südlich davon aber nicht.

De-facto-Parkspur wird legalisiert

Bei der Spur auf dem Kottbusser Damm handelt es sich laut Weisbrich wie bei den meisten neuen Anlagen um „Planungen, die wir ohnehin in diesem Jahr umgesetzt hätten“. Die rechte Fahrspur, die schon jetzt schon de facto als Parkspur genutzt wird, soll künftig als Haltespur für den Lieferverkehr „legalisiert“ werden. „Dort, wo jetzt noch Parkplätze sind, wird sich dann der geschützte Radstreifen befinden“, erklärt Weisbrich.

Da somit etliche Parkplätze wegfallen, soll den AnwohnerInnen mit Pkw zumindest der Übergang erleichtert werden: Das Parkhaus am Hermannplatz bietet ihnen in den kommenden drei Monaten an, einen Stellplatz für monatlich 15 Euro zu mieten – ein deutlicher Rabatt. „Es werden jetzt gerade Flugblätter an die Windschutzscheiben geklemmt“, sagt Weisbrich. Die Hälfte der Differenz zum Normalpreis übernehme der Bezirk.

Straßen für Kinder

Weisbrichs Amt hat aber noch mehr in petto: Es bastelt gerade an bis zu 30 temporären verkehrsberuhigten Straßen im Bezirk, vor allem in besonders dicht besiedelten Bereichen wie SO 36 oder dem Samariterkiez. Solange die Kontaktsperre gilt, passiert aber noch nichts: „Es sind Überlegungen für ein künftiges Lockerungsszenario“, so Weisbrich. „Es geht uns darum, mehr Bewegungsmöglichkeiten für die EinwohnerInnen herzustellen.“ In jedem Fall soll die Verkehrsberuhigung temporär sein, nämlich stunden- oder tageweise.

In Pankow steht dagegen gerade die erste temporäre Radspur vor der Umsetzung: Auf 850 Metern Länge der Danziger Straße soll dann jeweils die rechte Kfz-Spur für RadlerInnen umgewidmet werden. Dafür lägen bereits die Grundlagen der Bauplanung vor, so Vollrad Kuhn, grüner Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung: „Wir hoffen, dass das dann auch auf Dauer so bleiben kann.“

Die Anhörungsfrist für das Projekt läuft noch bis kommenden Donnerstag; er rechne dann mit einer Umsetzung bis zum Ende des Monats. Dass es nicht ganz so schnell gehe wie etwa in Kreuzberg, liege daran, dass es sich bei der Danziger um eine große Hauptverkehrsstraße mit vielen Ampelanlagen handele, sagt Kuhn.

Radspur nur für die halbe Schönhauser

Das zweite Projekt, das Anfang Mai zustande kommen könnte, ist die Umwidmung einer Fahrspur auf der unteren Schönhauser Allee zwischen Schwedter und Torstraße. Mit dem von AktivistInnen geforderten Abschnitt zwischen Eberswalder und Wichertstraße, insbesondere im Bereich der Schönhauser Allee Arcaden, gehe das leider nicht, so Kuhn: „Der ist zu komplex und zu umfangreich für eine schnelle temporäre Lösung.“

Auch an der Prenzlauer Promenade, die im Gespräch war, geschieht erst einmal nichts, dort gibt es dem Stadtrat zufolge aber bei weitem nicht so viel Radverkehr.

Ragnhild Sørensen, Changing Cities

„Es geht also, wenn der Wille da ist!“

Beim Verein Changing Cities ist man insgesamt ziemlich begeistert von der Entwicklung: „Da werden gerade ordentlich Kilometer gemacht. Es geht also, wenn der Wille da ist!“, findet Sprecherin Ragnhild Sørensen. Friedrichshain-Kreuzberg habe gezeigt, wie es funktioniert. Somit gebe es für die anderen Bezirke nun „keine Ausreden mehr, diese Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu verweigern“.

Wenn bald wieder SchülerInnen unterwegs seien, müssten sich aber StadträtInnen vieler Bezirke den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles für die Gesundheit der Menschen zu tun, weil sie die Einrichtung pandemietauglicher Infrastruktur weiter „mit fadenscheinigen Argumenten verzögerten oder gar ablehnten“, ergänzt Denis Petri vom Changing-Cities-Vorstand. Das betreffe PolitikerInnen von der CDU wie in Marzahn-Hellersdorf bis zu den Grünen in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg.

Allerdings geht es in Tempelhof-Schöneberg mittlerweile voran: Sie habe am Freitag die Finanzierungszusagen für temporäre Radinfrastruktur von der Senatsverwaltung erhalten, sagte Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) zur taz. Welche Straßen nun genau umgebaut werden, werde aber noch abgestimmt.

Die Grünen in der BVV hatten zuletzt öffentlich drei Straßenabschnitte benannt. „Für die Schöneberger Straße in Tempelhof sehe ich ganz gute Chancen“, so Heiß, „dagegen sieht es für den Innsbrucker Platz nicht so gut aus. Es ist nun mal einer der verkehrsreichsten Plätze dieser Stadt. Die Unfallkommission diskutiert bereits über eine mögliche Umgestaltung, da sollten wir nicht dazwischengrätschen.“

Grundsätzlich finde sie die Ad-hoc-Maßnahmen zur Gefahrenabwehr gut, sagt Heiß. „Sie lösen allerdings das zentrale Ressourcenproblem beim Radverkehr nicht.“ Die Planung im Bezirksamt, aber auch in den beauftragten Planungsbüros müsse schlanker organisiert werden. „Da bin ich auch sehr engagiert mit der Koordinierungsstelle Radverkehr in der Senatsverwaltung im Gespräch.“

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Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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