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Nationalspielerin Sjoeke NüskenDie Verlässliche

Nach dem Ausfall von Lena Oberdorf wird Sjoeke Nüsken eine der wichtigsten Kräfte im DFB-Team. Gegen Frankreich soll sie in der Zentrale glänzen.

Eines weiß Sjoeke Nüsken schon heute: Das entfesselte Drama vom 19. Juli 2025 wird bei ihr „immer in Erinnerung bleiben“. Zu aufwühlend war das EM-Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich (6:5 i. E.), als sich die Ereignisse in Basel überschlugen. Die denkwürdige Trotzreaktion nach Roter Karte und Rückstand, die sagenhafte Rettungstat von Ann-Katrin Berger – und Vorderleute, die in einer verschworenen Gemeinschaft alles an Kampf aufboten.

„Es ist immer noch Gänsehaut pur, wenn man sich das anschaut“, so die Mittelfeldspielerin vom FC Chelsea vor der Neuauflage im Nations-League-Halbfinale in Düsseldorf (Freitag 17.45 Uhr/ARD). „So ein emotionales Hoch und Tief hatte ich in meiner bisherigen Karriere noch nicht.“ Die in Hamm geborene 24-Jährige hatte im St.-Jakob-Park per Kopfball getroffen, in der zweiten Hälfte einen Strafstoß verschossen, ehe sie im Elfmeterschießen zum 6:5 verwandelte.

Dass zwei Tore der Gegnerinnen wegen Abseits aberkannt worden seien, habe sie beispielsweise in dem wahnwitzigen Verlauf gar nicht richtig mitbekommen. Nun glaubt sie erneut an „ein cooles Spiel“ der DFB-Frauen gegen die Französinnen. Mehr als 35.000 Tickets sind dafür bereits verkauft.

Der erste Auftritt seit der EM-Endrunde ist gleichzeitig ein harter Prüfstein. Im Finale der Nations League standen die auf dem fünften Platz der Fifa-Weltrangliste geführten DFB-Frauen noch nie. Im Februar 2024 gab es im Zuge der Olympia-Qualifikation gegen Frankreich im Halbfinale in Lyon eine 1:2-Niederlage. Die Entscheidung über den Endspieleinzug fällt erst im Rückspiel im nordfranzösischen Caen (Dienstag 21.10 Uhr/ZDF). Danach folgt ein Finale oder ein Spiel um Platz drei. Mögliche Gegnerinnen: Spanien oder Schweden. Also die zwei Kontrahentinnen, die den Deutschen bei der EM die beiden Niederlagen zufügten.

„Wir brauchen mehr Stabilität“

Nüsken weiß, woran es gehapert hat. Genau wie Bundestrainer Christian Wück macht sie einen spielerischen Steigerungsbedarf aus: „Wir müssen uns trauen, mutig Fußball zu spielen, auch gegen Topnationen wie Spanien oder Frankreich. Auch wenn die Umstände zuletzt ungünstig waren, wissen wir, dass wir fußballerisch mehr können.“ Ihr kommt im neuen 4-3-3-System eine Schlüsselrolle zu. „Klar ist, dass wir mehr Stabilität brauchen, auch mit Ball. Dass wir kreativer werden und mehr Anspielmöglichkeiten haben.“

Obwohl die formschwache Laura Freigang und die nachnominierte Linda Dallmann erneut im Kader stehen, wird die Zehnerposition vom Bundestrainer aufgelöst. Bei der EM habe keine der beiden Spielmacherinnen funktioniert, kritisierte Wück deutlich. Nur auf Nüsken war immer Verlass, die deshalb auch nach dem Ausfall von Giulia Gwinn zur Vizekapitänin hinter Janina Minge aufstieg, weil sie auf mehr Verantwortung drängte.

In zentraler Rolle gesetzt

Durch den abermaligen Langzeitausfall von Lena Oberdorf ist die Nummer neun in zentraler Rolle gesetzt. Als spiel- und zweikampfstarkes Scharnier zwischen Abwehr und Angriff. Als Impulsgeberin, die noch mehr vorangehen muss. Wück bedauert es, dass die Schlüsselspielerin zuletzt bei Chelsea häufiger auf der Bank saß. Klar, dass auch Nüsken dieser Umstand in London gerade nicht gefällt. „Ich versuche im Training, mein Bestes zu geben, Druck zu machen, um mehr Spielzeit zu bekommen.“ Dass sie ihren auslaufenden Vertrag bei den Blues kürzlich um ein Jahr bis Sommer 2027 verlängert hat, sei eine Grundsatzentscheidung gewesen.

Sie wolle solch „ein Abenteuer“ nicht einfach abbrechen. Seit ihrem Wechsel von Eintracht Frankfurt 2023 gewann sie mit dem Klub zweimal die Meisterschaft sowie je einmal den FA Cup und den Ligapokal. Auf der To-do-Liste steht noch der Gewinn der Champions League, den Nüsken explizit als Ziel erwähnte. Dieser Tage will sie wieder alles fürs Nationalteam geben: „Wir wissen um unsere Qualität, aber auch um die der Französinnen. Es wird ein tolles Spiel, auf das wir uns sehr freuen, hoffentlich mit einer guten Stimmung.“ Es muss ja kein entfesseltes Drama werden.

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