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Nahostkonflikt und die LinkeWie sich ein autonomes Jugend­haus am Rande Berlins zerlegt

Uta Schleiermacher

Kommentar von

Uta Schleiermacher

Im und um das Hausprojekt La Casa in Berlin-Hellersdorf kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen zwei linken Gruppen. Anlass war der Nahostkonflikt.

A ngriffe von Nazis kennt das autonome Jugendzentrum und Hausprojekt La Casa am östlichen Berliner Stadtrand. Doch vergangene Woche waren es zwei linke Gruppen, die dort in Hellersdorf gewaltsam aufeinanderprallten. Ein Video zeigt Vermummte mit Holzlatten, Steinen und Pfefferspray vor dem Gebäude. Zu sehen ist, wie sie Barrikaden aus Holzstämmen, Gittern und Bänken errichten.

Eskaliert war zuvor eine Art Zwangsräumung, mit der eine israelsolidarische Gruppe versucht hatte, eine Person aus dem Hausprojekt gewaltsam rauszuwerfen. Sie wollten damit gegen „Antisemiten“ und eine aus ihrer Sicht antisemitische Vereinnahmung des La Casa vorgehen. Un­ter­stüt­ze­r*in­nen der herausgeworfenen Person wiederum hatten die erste Gruppe daraufhin massiv belagert und attackiert. Sie prangerten an, dass alteingesessene Menschen im Hausprojekt junge, queere, migrantische und palästinasolidarische Menschen vertrieben und ausgebremst hätten.

Das La Casa verstünden sie als einen Ort „antikolonialer, internationalistischer, palästinasolidarischer Bewegungen“. Die Ressourcen und Räume dort wollten sie dafür zur Verfügung stellen. Als „New Casa“ kündigten sie für das Wochenende erste Veranstaltungen an.

Seitdem reiht sich ein Statement an das andere, in dem die jeweilige Gruppe die Gewalt und die Ereignisse einordnet und zu legitimieren sucht und die andere der Lüge bezichtigt. Mehrere Antifa-Gruppen drückten jeweils ihre Solidarität mit der einen oder anderen Seite aus und riefen zur Unterstützung auf. Einige verurteilen deutlich die Gewalt.

Grundrauschen der Debatte

Die war heftig und hinterlässt einen Schock. Vor dem Grundrauschen der Debatte über den Israel-Palästina-Konflikt in Berlin haben Ak­teu­r*in­nen Menschen gewalttätig bedroht und attackiert oder etwa Räume wie die israelsolidarische Kneipe Bajszel markiert und angegriffen. Doch diese massive körperliche Gewalt in der Auseinandersetzung ist neu.

Sie zeigt gleichzeitig, wie scharf und unerbittlich die Linke die Debatte über Solidarität mit Israel oder mit Palästina inzwischen führt. An dieser Frage entscheiden sich Zugehörigkeiten und Loyalitäten. Räume, in denen Fragen ergebnissoffen zur Sprache kommen, sind immer schwerer herzustellen und zu halten, wenn schon von vornherein klar ist, dass die eigene Position die moralisch richtige ist und Ak­teu­r*inn­nen sich entschieden schon im Heute „auf der richtigen Seite der Geschichte“ verorten. Die Frage, wie die jeweils andere Person oder Seite es mit Palästina/Israel hält, überschattet damit längst viele andere, konkret in Berlin zu verhandelnde Themen, Konflikte und linke Anliegen.

Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und der Schoah ist es richtig und wichtig, auch Debatten über Israel/Palästina mitzubehandeln und eine eigene Position dazu zu finden. Es ist klar, dass Ak­teu­r*in­nen hier in Deutschland und in Berlin eine Verantwortung tragen, im jetzigen politischen Handeln vergangene und aktuelle Verbrechen und Genozide anzuprangern. Doch gelöst werden muss der Konflikt woanders – nicht in einem Berliner Jugendzentrum und Hausprojekt.

Wenn dort die beiden Gruppierungen den Konflikt um den Konflikt dermaßen eskalieren, nehmen sie auch in Kauf, dass dieser das Jugendzentrum und Hausprojekt selbst zerstören könnte.

Hellersdorf ist Teil eines Bezirks im Berliner Osten und grenzt an Brandenburg. Im Bezirk ist die rechtsextreme Kleinstpartei Der Dritte Weg aktiv, die AfD war dort bei den vergangenen Wahlen auf Landes- und Bundesebene stärkste Kraft. Das La Casa dort ist wichtig, vor allem für den Kampf vor der eigenen Tür.

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Uta Schleiermacher

Uta Schleiermacher

Redakteurin für Bildung und Feminismus in der taz-Berlin-Redaktion
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