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Nachdenken über das FeuilletonDie Rolle des Verrisses in der Karriereplanung

Jonathan Guggenbergers Text in der taz zeitigt interessante Reaktionen. So fragt Daniel Stähr, ob Feuilletons überhaupt noch Hypes erzeugen können.

Der Artikel unseres Autors Jonathan Guggenberger neulich in dieser Zeitung hat viele, teils interessante Reaktionen hervorgerufen. Eine differenzierte Antwort darauf von Daniel Stähr – teils Erwiderung, teils Zustimmung – findet sich auf dem Blog The Sad Millenials. Und zwar bietet Stähr eine Erklärung dafür an, warum derzeit leidenschaftlich geschriebene Verrisse, die Jonathan Guggenberger derzeit vermisst, fehlen: „Jeder Verriss beinhaltet implizit auch einen persönlichen Angriff […] Der gute Verriss wird durch potenzielle neue Feindschaften erkauft.“ Solche Feindschaften aber mit Fans und Verlagsmitarbeiter*innen, so Stähr weiter, könne sich angesichts allgemein geringer finanzieller Entlohnung niemand mehr leisten.

Das mit der Entlohnung ist ein wichtiger Punkt. Darüber hinaus ist ein Nachdenken über die Rolle des Verrisses in der Karriereplanung auch literaturhistorisch fruchtbar. Einst war der Generalverriss ein eingeführtes Mittel, um eine Karriere im Literaturbetrieb zu starten. Handke in Princeton, Goetz in Klagenfurt, solche Angriffe verschafften Aufmerksamkeit und kulturelles Kapital.

Tut es das nicht mehr? Warum nicht? Sind die Beteiligten des Literaturbetriebs nachtragend geworden? Oder ist diese Form des Generalverrisses, der Aspekte von Vatermord und Genie-Habitus transportiert, längst auch trivial geworden – wofür Caroline Wahls Betriebs-Bashing, nachdem sie bei ernsthaften Literaturpreisen unberücksichtigt blieb, spricht? Auf jeden Fall: viel Material für die Literatursoziologie.

Durchlauferhitzer und Reflexionsort

Daniel Stähr regt außerdem dazu an, darüber nachzudenken, ob das Feuilleton überhaupt noch Bücher bekannt und Au­to­r*in­nen groß machen kann. Für ihn „gibt es aktuell nur eine Institution der klassischen Kulturkritik, die unbekannte Au­to­r*in­nen ins Rampenlicht heben kann: Preise, und da insbesondere der Deutsche Buchpreis“.

Wozu sich anmerken lässt, dass das Feuilleton nie eine in sich abgeschlossene Institution war, sondern immer auch Durchlauferhitzer und Reflexionsort anderer Instanzen, mit denen im Austausch es wiederum allein Wirkung entfalten konnte. So gibt es derzeit eine Art Pingpongspiel.

Klar verteilen die Preise Rampenlicht, aber für die jeweiligen Motivationen, Vertiefungen und Verstetigungen braucht es die Feuilletons (es reicht für einen Hype ja nicht zu sagen, eine literarische Stimme sei „neu“, man muss auch beschreiben, worin das Neue besteht). Aber auch hier: Nichts gegen Grundsatzdebatten und feuilletonistische Selbstreflexionen. Immer wichtig, sich über die Bedingungen des eigenen Tuns auszutauschen.

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