Nach dem Tod des Langzeitherrschers: Generäle lockern etwas die Zügel

Im Tschad soll jetzt eine zivile Übergangsregierung den herrschenden Militärrat begleiten. Dabei sind auch regierungskritische Gesichter.

Menschen stehen um ein Grab.

Am 1. Mai wurde Yannick Djickoloum, ein vier Tage zuvor erschossener Demonstrant, beerdigt Foto: Foto: Sunday Alamba/ap

BERLIN taz | Zwei Wochen nach dem Tod des tschadischen Langzeitherrschers Idriss Déby geht sein Sohn und Nachfolger Mahamat Idriss Déby auf die zivile Opposition des Landes zu. Der von ihm geführte Militärrat CMT (Conseil Militaire de Transition), der zunächst für 18 Monate bis zu Neuwahlen regieren sollte, ernannte in der Nacht zum Montag eine zivile Übergangsregierung. Tschads wichtigster Oppositionsführer Saleh Kebzabo erklärte daraufhin, er erkenne „die Autorität des CMT an“.

Am 20. April hatte Tschads Armeespitze den Tod des seit 1990 regierenden Déby bei einem Truppenbesuch an der Front gegen die aus Libyen einmarschierte Rebellenbewegung FACT (Front für Wandel und Eintracht in Tschad) vermeldet. Dass die Macht bruchlos auf dessen Sohn an der Spitze einer Militärjunta übergegangen war, hatten Oppositionelle als Verfassungsbruch kritisiert und als Zeichen einer von langer Hand vorbereiteten Machtübernahme durch das Militär gewertet.

Es zirkulierten Gerüchte, Idriss Déby sei von seinen eigenen Soldaten erschossen worden. Die FACT-Rebellen kündigten im Zuge dieser Wirren an, die Hauptstadt Ndjamena erobern zu wollen – von der aus die ­ehemalige Kolonialmacht Frankreich ihre Antiterroreinsätze in der Sahelregion kommandiert.

Gefestigt wurde Mahamat Idriss Déby erst durch die Trauerfeier für seinen Vater am 25. April, bei der zahlreiche afrikanische Präsidenten sowie Emmanuel Macron aus Frankreich anreisten und sich demonstrativ zu Gesprächen mit dem 37-Jährigen trafen.

Vormals entmachteter Premierminister wird zurückgeholt

Der junge Präsident holte daraufhin den letzten zivilen Premierminister seines Vaters, Albert Pahimi Padacké, zurück in das Amt. Das hatte dieser im Jahr 2018 bei der Abschaffung des Postens verloren, doch wurde er nun mit der Bildung einer „Regierung der nationalen Versöhnung“ beauftragt.

Opposition, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen hatten zuvor scharf gegen den „Militärputsch“ protestiert. Am vergangenen Dienstag hatte es in Ndjamena und anderen Städten Demonstrationen gegeben. Bei deren Niederschlagung wurden mindestens 6 Menschen getötet und 653 festgenommen.

Nun könnten die Spannungen etwas sinken. Die neue Regierung enthält zahlreiche bekannte Politiker und auch einige Überraschungen – so geht das Justizministerium an den zivilen Oppositionellen Mahamat Ahmat Alhabo. Er gehört zu den schärfsten Kritikern der Machtübernahme des Militärs. Und ein neugeschaffenes Ministerium für Nationale Versöhnung und Dialog führt der alte ehemalige Rebellenchef Acheikh Ibn Oumar. Er hat sich erst vor wenigen Jahren amnestieren lassen und kennt die meisten Guerillaführer Tschads.

Zur Entspannung trägt sicherlich auch bei, dass Tschads Armee mit französischer Hilfe die FACT-Rebellen zurückgedrängt hat, nachdem sie bis rund 200 Kilometer vor Ndjamena vorgestoßen waren. Bei Luftangriffen und Kämpfen seien „mehrere hundert Rebellen neutralisiert“ worden, sagte Armeesprecher Azem Bermandoa am Freitagabend.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de