piwik no script img

Nabu-Referent zur Stunde der Wintervögel„Seidenschwänze wären toll“

Jedes Jahr ruft der Nabu dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu zählen. In Bremen wartet der Vogelschutzreferent auf interessante Wintergäste.

Schafft eine Verbindung zur Natur: Vogelzählung Foto: Sebastian Willnow/dpa
Eiken Bruhn

Interview von

Eiken Bruhn

taz: Herr Scheiba, gibt es eine Art, auf die Sie selbst besonders gespannt sind?

Florian Scheiba: Seidenschwänze habe ich noch nicht gesehen. Die ziehen in manchen Jahren invasionsartig aus ihren Brutgebieten im Norden Skandinaviens und Russlands im Winter zu uns, abhängig von Nahrungsangebot und Witterung.

taz: Auch nach Bremen?

Scheiba: Ja, sie fliegen von Osten ein und kommen dann durchaus nach Norddeutschland. In Berlin ist schon einiges los, es kann gut sein, dass die Seidenschwänze weiterziehen.

Die Stunde der Wintervögel des Nabu findet bundesweit zwischen dem 9. und 11. Januar statt.

taz: Woher wissen Sie das?

Scheiba: Es gibt ein Onlineportal, bei dem man diese Daten abrufen kann.

taz: Erwarten Sie Überraschungen?

Scheiba: Man kann das nie voraussagen, weil man ja vorher nie weiß, wann und wo gezählt wird. Letztes Jahr war zum Beispiel die Graugans unter den ersten fünf – die Bedingungen waren gut für Vogelzug, nehme ich an. Man kann ja auch das zählen, was einem über den Kopf fliegt.

taz: Wo zählen Sie?

Scheiba: Zu Hause an der Futterstelle im Garten, das ist aber im Landkreis Ganderkesee. Da kann es den einen oder anderen Erlenzeisig geben.

taz: Gibt es Unterschiede zwischen den Stadtteilen?

Scheiba: Das lässt sich leider nicht auswerten, dafür wären auch die Datenmengen zu klein. In Parks oder am Waldrand wird es andere Arten geben als mitten in der Stadt, zum Beispiel Kleiber, Waldbaumläufer, Eichelhäher.

taz: Ich habe zweimal an der Weser einen Eisvogel gesehen, danach leider nie wieder …

Bild: Sabrina Cohrs/Nabu
Im Interview: Florian Scheiba

40, leitet beim Nabu-Bremen das Projekt „Urbane Arten Hot- Spots – Vögeln und Amphibien auf der Spur“

Scheiba: Ja, die kann man in Bremen ab und zu beobachten, im Winter gut an Gewässern, die nicht zufrieren, zum Beispiel am Torfkanal.

taz: Lassen sich die Daten aus der Wintervogelzählung auch wissenschaftlich nutzen oder geht es in erster Linie darum, die Leute für Vögel zu begeistern?

Scheiba: Es gibt bessere Daten. Es geht vor allem darum, Menschen in Kontakt mit der Natur zu bringen. Dazu eignet sich die Vogelbeobachtung besonders, finde ich, weil das relativ leicht ist, die sind überall zu finden. Ich persönlich komme dabei auch gut runter, gerade nach den Feiertagen.

taz: Wie viele Menschen beteiligen sich in Bremen?

Scheiba: Es sind zwischen 500 und 800 Personen. Während der Pandemie waren es 1.000 bis 1.400.

taz: Und wissen Sie, wer das vor allem macht?

Scheiba: Nein, ich nehme an, dass es auch eher diejenigen sind, die zu unseren Führungen kommen, also Menschen im Alter 50plus.

taz: Die ab diesem Jahr alle erstmals online melden müssen und nicht mehr per Telefon oder Post.

Scheiba: Ja, aber das wird dauern, bis sich das herumgesprochen hat, und wir werden die vereinzelten Einsendungen per Post dann nachtragen.

taz: Gab es mal Meldungen, die Ihnen unglaubwürdig vorkamen?

Scheiba: Nee, da kann ich mich nicht dran erinnern, es ist in der Vogelwelt auch wenig ausgeschlossen.

taz: Ich habe mal einen Uhu am Bahnhof Altona in Hamburg gesehen.

Scheiba: Solche Überraschungen gibt es immer wieder mal. Es können auch immer Exemplare aus Gefangenschaft irgendwo auftauchen.

taz: Und was war Ihr persönliches Highlight? Über welche Art haben Sie sich am meisten gefreut, unabhängig von der Zählung?

Scheiba: Wahrscheinlich über die Wanderfalken. Das ist etwa zehn Jahre her. Das ist der schnellste Vogel der Welt und war 1971 der erste Vogel des Jahres, den der Nabu ausgerufen hat, weil er damals stark gefährdet war. Mittlerweile haben sich viele Populationen erholt.

taz: Und es gibt ihn in Bremen?

Scheiba: Ja, es gibt in der Stadt fünf bis sechs Brutplätze, die wir betreuen, viel mehr Platz wäre hier auch gar nicht.

taz: Wo sind die Plätze?

Scheiba: Es hängen Kästen unter anderem am Fallturm an der Universität oder am Funkturm in Walle.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare