Morde in Minnesota: Weiter auf der Flucht
Der mutmaßliche Attentäter von Minnesota führte eine „Kill List“, auf der 70 weitere Namen standen, darunter auch Ärzte aus Abtreibungskliniken.
Der mutmaßliche Täter, der in der Nacht von Freitag auf Samstag im US-Bundesstaat Minnesota zwei Menschen getötet und zwei weitere schwer verletzt haben soll, ist weiter auf der Flucht. Minnesotas Gouverneur Tim Walz sagte, dass es sich bei den Vorfällen wahrscheinlich um politisch motivierte Taten handle. Bei zwei der vier Opfer handelt es sich um demokratische Landespolitiker, die im Parlament von Minnesota dienten.
Die örtlichen Behörden identifizierten den möglichen Täter als Vance Boelter. Der 57-Jährige soll zusammen mit seiner Frau eine Sicherheitsfirma geführt haben. Laut seinem LinkedIn-Profil soll er auch Geschäftsbeziehungen nach Afrika und in den Nahen Osten gehabt haben. Wo sich Boelter aktuell aufhält, ist ungewiss, doch die Bundespolizei FBI geht davon aus, dass er versuche, Minnesota zu verlassen. Zur Ergreifung des Täters wurde eine Belohnung von 50.000 Dollar ausgesetzt.
Die Attentate, die sich in den frühen Morgenstunden am Samstag ereigneten, haben das gesamte Land schockiert. Im Verlauf des Tages wurden weitere Details bekannt, unter anderem, dass Boelter laut US-Medien eine sogenannte „Kill-List“ mit etwa 70 Namen und Örtlichkeiten verfasst hatte. Darunter sollen sich neben weiteren Politikern auch Abtreibungskliniken und Ärzte befinden. Die Medien beziehen sich dabei auf Polizeiquellen.
„Als wir das Fahrzeug durchsuchten, fanden wir ein Manifest, auf dem zahlreiche Abgeordnete und andere Beamte genannt wurden“, sagte Mark Bruley, Chef der Polizeibehörde der Stadt Brooklyn Park, in der eines der Attentate geschah, während einer Pressekonferenz.
„Vermutlich bin ich bald tot“
Laut Behörden gilt Boelter als bewaffnet und gefährlich. Zuletzt wurde er am Samstagvormittag in der Landeshauptstadt Minneapolis gesehen. Die Aufnahme einer Überwachungskamera zeigte ihn in normaler Straßenkleidung mit einem Cowboyhut.
Die Morde haben eine bereits angespannte Sicherheitslage im Land noch weiter verschärft. Auch wurden mehrere Proteste, die sich gegen US-Präsident Donald Trump und dessen Politik richten, abgesagt. Lokale Behörden sagten aus Sicherheitsgründen die „No Kings“-Kundgebungen, die an mehreren Standorten im Bundesstaat hätten abgehalten werden sollen, ab.
Boelter, der in der knapp 90 Kilometer entfernten Kleinstadt Green Isle lebte, mietete zusätzlich ein Zimmer in Minneapolis, um näher an seiner Arbeitsstelle zu sein. Einer seiner Mitbewohner erklärte im Interview mit The Minnesota Star Tribune, dass Boelter einer der nettesten Typen überhaupt gewesen sei.
In einem Video, welches die lokale Zeitung auf ihrem Social-Media-Kanal veröffentlichte, berichtet Mitbewohner David Carlson von einer Textnachricht von Boelter: „Ich liebe euch, Leute. Ich habe einige Entscheidungen getroffen […] Ich werde eine Weile weg sein. Vielleicht bin ich bald tot“, schrieb der mutmaßliche Täter kurz nach seinen Taten.
Als Polizist verkleidet
Boelter soll sich als falscher Polizeibeamter ausgegeben haben, als er seine beiden Taten beging. Wie eine weitere Videoaufnahme zeigte, hat er während seiner Vergehen möglicherweise auch eine Maske getragen.
Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um Melissa Hortman und ihren Ehemann Mark Hortman. Melissa Hortman war eine Abgeordnete im Repräsentantenhaus des Bundesstaates. Beide wurden in ihrem Zuhause in Brooklyn Park von mehreren Schüssen getötet. Auch der demokratische Senator John Hoffman und seine Ehefrau Yvette Hoffman fielen dem Schützen zu Opfer. Sie wurden notoperiert, befinden sich jedoch weiterhin in kritischem Zustand.
Auch wenn beide Vorfälle einen politischen Hintergrund haben dürften, die genauen Hintergründe werden noch untersucht, erklärte Drew Evens, Leiter des Büros für kriminelle Festnahmen in Minnesota.
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