Ranger laufen durch einen Park Video: Alexis Huguet

Militarisierter Naturschutz in Afrika

Das koloniale Erbe der Nationalparks

Viele Konzepte des Artenschutzes wurzeln auf dem Rassismus der alten Kolonialmächte. Der Umgang mit der Bevölkerung ist bis heute ein Dilemma.

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24.3.2020, 13:41 UHR

Die meisten afrikanischen Schutzgebiete sind ähnlich wie die afrikanischen Nationalgrenzen während der Kolonialzeit in Europas Hauptstädten am Reißbrett entworfen worden. Eine Legende, welche Touristenführer in Tansania bis heute gerne erzählen, besagt, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II. das erste Wildtierschutzgebiet im damaligen Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) zu Beginn des 20. Jahrhunderts seiner Frau zum Geschenk machte: das heutige Selous-Reservat. Im Volksmund wird das Gebiet in der lokalen Sprache Kisuaheli nach wie vor als „Shamba la bibi“ (dt. „Feld der Dame“) bezeichnet.

Die Errichtung von Nationalparks als Teil der Kolonialherrschaft lag voll im Trend. Europäische Siedler hatten zuvor in Amerika die ersten Schutzreservate gegründet: den Yosemite- und den Yellowstone-Park in Kalifornien. Mit dem Goldrausch kamen die weißen, bewaffneten Siedler, welche die indigene Bevölkerung gewaltsam vertrieben, sie in Reservate einpferchten und die Parks per Gesetz 1864 zu einem quasi menschenleeren Raum erklärten.

Nach diesem Vorbild betrieb der 1909 in München von deutschen und österreichischen Naturliebhabern und Jägern gegründete Verein Naturschutzpark e. V. Lobbyarbeit bei der Kolonialverwaltung in Berlin für die Etablierung von Nationalparks nach US-amerikanischen Vorbild. Die Kolonie als eine Art zoologischer Garten – das war die Idee. In Berlin gab es 1912 die Überlegung, den Ngorongoro-Krater in der Serengeti in Deutsch-Ostafrika zum Naturschutzgebiet auszurufen. Die Umsetzung scheiterte damals nicht daran, dass die dort lebende Massai-Bevölkerung gewaltsam hätte vertrieben werden müssen, sondern an lukrativen Pachtverträgen deutscher Siedler, die zu hohe Kompensationszahlungen forderten.

Viele deutsche Afrikareisende prägten zu jener Zeit in Briefen, Bilder und Erzählungen die Fantasie der Savannenlandschaften Deutsch-Ostafrikas als „Paradies“, als eine vom Menschen unberührte Natur. Diese „unberührte Wildnis“ als Vorstellungsraum ist bis heute in zahlreichen Naturschutzkonzepten dominant. Doch diese Idee deckte sich schon damals nicht mit der Wirklichkeit. All diese Gebiete waren niemals menschenleer und sind es auch heute nicht. In den meisten Nationalparks gibt es nach wie vor Dörfer und Siedlungen von Menschen, die sich nicht vertreiben lassen wollen.

Eine Kopie eines alten Vertrages

Ein Kolonialvertrag definiert 1948 die Schaffung eines Schutzgebietes auf Gemeindeland, welches heute zum Virunga-Park gehört Foto: Simone Schlindwein

Belege dafür, dass der deutsche Kaiser das Selous-Reservat seiner Frau schenkte, gibt es in deutschen Archiven zwar nicht, dokumentiert ist hingegen die Errichtung eines ersten kleinen Schutzgebiets im Jahr 1896 südlich des Rufiji-Flusses im Osten des Landes durch den Kolonialgouverneur Hermann von Wissmann. Bei seiner ersten Erkundungsreise 1881 berichtete er von Ackerbau entlang des Flusses durch die lokale Bevölkerung. Das Gebiet war also bewohnt. Es wurde jedoch im Zuge des Aufstands der örtlichen Bevölkerung gegen die Kolonialmacht (Maji-Maji-Aufstand 1905–1907) und dessen Niederschlagung durch die deutsche Schutztruppe „entvölkert“, wie dieses Vorgehen damals unverblümt genannt wurde.

EIn Mann schieb ein mit Ästen beladenes Fahrrad, ein Kind läuft hinter ihm

Der Umgang mit der lokalen Bevölkerung in und um den Parks ist bis heute ein Dilemma Foto: Alexis Huguet

Laut internationalen Standards sollen heute Schutzgebiete nur mit freier, vorheriger und informierter Zustimmung (free, prior and informed consent – FPIC) der dort ansässigen Menschen errichtet werden. Dies ist bei den meisten Schutzgebieten, die in der Kolonialzeit oder auch später unter den autoritären Regimen Afrikas gegründet wurden, nie der Fall gewesen.

Der Umgang mit der lokalen Bevölkerung in und um die Parks ist daher bis heute ein Dilemma. Dies zeigt sich derzeit erneut an der umstrittenen Gründung des Messok-Dja-Nationalparks im Norden der Republik Kongo als Teil eines trinationalen Schutzgebiets mit den Nachbarländern Kamerun und Gabun, das vom WWF verwaltet und von der Europäischen Union (EU) finanziert werden soll. In ihm leben rund 24.000 Menschen in 67 Dörfern, die meisten von der Ethnie der Baka, also traditionelle Urwaldbewohner, so ein WWF-Evaluationsbericht. Sie ernähren sich von der Landwirtschaft, vom Fischen und von der Jagd. Das Problem laut WWF ist, dass die Baka im Wald nicht nur Heilkräuter sammeln, sondern auch Elefanten jagen würden. Deswegen müsse mit ihnen ein Konsens gefunden werden, wie sie in einem Teil des Waldes ihrem traditionellen Lebensstil nachgehen können, ohne die Gründung des Parks generell abzulehnen, so die Empfehlung.

Die Baka in den Wäldern des Messok-Dja haben sich gegen die Errichtung eines Parks ausgesprochen. Dies belegen Briefe, die Dorfbewohner 2018 an die EU geschrieben haben. Sie beschreiben Menschenrechtsverletzungen der Wildhüter, wie systematische Vertreibungen und gewaltsame Übergriffe, die es bereits vor der Parkgründung gegeben habe. „Wenn sie uns verbieten, in den Wald zu gehen, wo sollen wir dann leben?“, fragen die Baka in den Briefen. „Wir wollen frei sein und in unserem Dorf in Frieden leben, wir wollen nicht jeden Tag geschlagen werden.“

Eine Frau guckt in die Kamera

Aus dem Umfeld vieler Nationalparks häufen sich die Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Korruption. NGOs und Medien sammeln seit Jahren Belege für systematische Verstöße paramilitärischer Ranger und von Parkleitungen gegen jegliche rechtlichen und moralischen Standards. Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber zumindest punktuell unabhängige Dokumentationen.

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Diese Beschwerden sind offenbar auch dem WWF bekannt gewesen. In einem vertraulichen Bericht an die EU 2018 seien diese Passagen jedoch absichtlich gestrichen worden, um finanzielle Zusagen von einer Million Euro zu sichern, so die Recherchen des US-Onlinemagazins BuzzFeed, deren Reporter eine Kopie dieses Berichts erhielten. Dabei widerspricht dieses Vorgehen der Menschenrechtspolitik, zu der sich die NGO selbst verpflichtet.

Weiße Jäger – Schwarze Wilderer

Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Kolonie Deutsch-Ostafrika als Tanganjika in britische Hände überging, wurde das deutsche Reservat, das der Kaiser seiner Frau geschenkt haben soll, nach dem britischen Großwildjäger Frederick Courteney Selous benannt. Der wurde in den 1870er Jahren dafür gerühmt, rund 550 Elefanten erlegt zu haben.

Westliche Kolonialbeamte finanzierten in der Regel die Verwaltung ihrer afrikanischen Kolonien durch Mineralienausbeute und Elfenbeinhandel, weil sie aus Europa keine Gelder erhielten. So kam es, dass die meisten damals gegründeten Schutzgebiete als Jagdgründe der europäischen Herrscher betrachtet wurden. So werden sie oft bis heute noch von Afrikanern wahrgenommen, da sie meist von weißen Touristen besucht werden oder dort gar noch immer Throphäenjagd betrieben wird.

Naturschutz muss wehrhaft werden. Dieses Paradigma, geboren aus dem Kampf gegen Wilderei und illegalen Handel mit Tieren, hat besonders auf dem afrikanischen Kontinent dramatische Folgen. Immer wieder gibt es Zusammenstöße zwischen lokaler Bevölkerung und schwer be­waffneten Rangern. Menschenrechtsgruppen sprechen von systematischen Repressionen. Naturschützer und Geldgeber, darunter deutsche Behörden, tun die Exzesse als bedauerliche Einzelfälle ab. Mehr unter taz.de/GrüneArmee

Dieses taz-Rechercheprojekt will das Bild über die Militarisierung des Naturschutzes vervollständigen – über Vorortrecherchen und die Untersuchung der Geldflüsse im internationalen Artenschutz.

Gefördert vom Netzwerk Recherche, der Olin gGmbH und mit dem Kartographen-Stipendium des Vereins „Fleiß und Mut“.

In seinem 1881 erschienenen Buch beschuldigt Selous hingegen die afrikanischen Einheimischen, die Zahl der Elefanten so sehr dezimiert zu haben, sodass es nun nötig sei, sie unter Schutz zu stellen.

Bereits im Jahr 1900 war in London die erste internationale Konferenz zum Schutz der afrikanischen Wildtiere abgehalten und die sogenannte Londoner Konvention unterzeichnet worden. Sie legte den Grundstein für das westliche Naturschutzengagement in Afrika und stellte unter anderem die Gorillas unter strikten Schutz vor jeglicher Jagd, ebenso Elefanten mit Stoßzähnen unter fünf Kilo. Es versteht sich von selbst, dass keine Vertreter der unter der Kolonialherrschaft lebenden Menschen in Afrika an dieser Entscheidung beteiligt waren.

In fast allen Kolonien wurden daraufhin im Laufe des 20. Jahrhunderts restriktive Jagdgesetze zum Schutz des Wildtierbestands eingeführt. Von Anfang an wurde dabei mit zweierlei Maß gemessen. Die von Kolonialisten betriebene Großwildhatz zum Erwerb von Trophäen und Elfenbein wurde erlaubt, die Jagd zur Ernährung durch die Afrikaner wurde unter Androhung hoher Strafen verboten.

Die Monopolisierung und die Herrschaft über den lukrativen Elfenbeinhandel, der in vorkolonialer Zeit allein den afrikanischen Königen und Clanchefs vorbehalten war, war ein wichtiger Schritt für die Kolonialherren, um die Wirtschafts- und Finanzströme auf dem Kontinent zu dominieren. Die Kontrolle über Afrikas Wildtiere – vor allem über die Elefanten und deren Lebensräume – wurde zu einer tragenden Machtsäule des Kolonialismus. Der Naturschutz in Afrika war so von Beginn an eine Methode, den Kontinent, dessen Gesetze, Regeln und Werte von außen formen und beeinflussen zu können, und war somit immer schon durch Rassismus gekennzeichnet.

Zwei Männer stehen hinter dem toten Löwn Cecil

Der US-amerikanische Zahnarzt Walter Palmer, links, posiert mit dem von ihm erlegten Löwen Cecil, 2015 Foto: Zuma Press/imago

Diese Grundhaltung, die bis heute in zahlreichen Jagdgesetzen afrikanischer Regierungen festgeschrieben ist, setzte sich auch nach der Kolonialzeit in den Ansätzen westlicher Naturschutzpolitiken fort. In zahlreichen Ländern finanzieren sich Schutzgebiete nach wie vor über die Großwildjagd gegen hohe Lizenzgebühren. Dabei wird gerade diese Trophäenjagd nicht nur von Afrikanern kritisch beäugt.

Berühmt wurde 2015 der simbabwische Löwe Cecil, der von einem US-amerikanischen Zahnarzt gegen eine Gebühr von rund 46.000 Euro mit Pfeil und Bogen angeschossen wurde und erst nach zwölf qualvollen Stunden seinen Verletzungen erlag. Die Bilder des sterbenden Tieres, hinter dem der weiße Jäger stolz posierte, wurden über die sozialen Medien weltweit millionenfach geteilt und hatten einen Aufschrei zur Folge.

Umstritten ist in Afrika bis heute ebenso die Aneignung großer Ländereien durch weiße Siedler oder Investoren, um Wildtiere zur Jagd oder für den Safaritourismus zu halten. Beispielhaft dafür steht der ehemalige Chef des deutschen Sportartikelherstellers Puma und leidenschaftlicher Hobbypilot und -jäger Jochen Zeitz, der 2005 am Fuße des Mount Kenyas eine 200 Quadratkilometer große Ranch erwarb, auf welcher er Wildtiere hält und jagt.

Wildhüter sitzen in einem Auto

Suchen Wilderer: Wildhüter patrouillieren am Virunga. Per Gesetz ist das Betreten des Parks verboten Foto: Alexis Huguet

Gleichzeitig setzen sich westliche NGOs wie der WWF stetig für eine Verschärfung der Jagdgesetze in Afrika ein. In Kenia wird derzeit debattiert, ob bei Wilderei zur Abschreckung die Todesstrafe angewendet werden soll. In Uganda wurde im Juli 2019 ein neues Wildtierschutzgesetz verabschiedet, das lebenslange Haftstrafen für Wilderei vorsieht.

Die koloniale Idee der menschenleeren Naturräume und die Kriminalisierung der afrikanischen Jäger erkläre zahlreiche „Geburtsfehler“ der meisten afrikanischen Schutzgebiete, die bis heute immanent sind, erklärt Linda Poppe von Survival International in Deutschland. Die NGO, die sich für die Rechte indigener Völker einsetzt, kritisiert: Eine Dekolonialisierung dieser Naturschutzansätze habe bis heute nicht wirklich stattgefunden. Im Gegenteil, bis heute werden weiße Tierforscher als die eigentlichen Helden des Naturschutzes verehrt.

Grzimeks Erben

Wer heute die Serengeti-Savanne in Tansania mit dem Safarijeep durchquert, fährt im Ngorongoro-Krater an einer steinernen Pyramide mit zwei deutschen Grabinschriften vorbei: Deutschlands berühmtester Tierforscher Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael sind dort beerdigt. Nach wie vor fliegen die Piloten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) mit einem schwarz-weiß-gestreiften Propellerflugzeug über die Savanne, einem Nachbau des zebra-ähnlichen Flugzeugs, in welchem Michael Grzimek 1959 bei einer Tierzählung aus der Luft abgestürzt war.

Der Zoologe Bernhard Grzimek wurde vor allem durch seinen 1960 oscarprämierten Film „Die Serengeti darf nicht sterben“ sowie die Fernsehserie „Ein Platz für Tiere“ berühmt. Der damalige Direktor des Frankfurter Zoos, einst Veterinär in der Wehrmacht, bereiste nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs regelmäßig Afrika, um Elefanten, Löwen und Giraffen nach Europa zu verschiffen. Der Zoo diente in der Nachkriegszeit den traumatisierten Frankfurter Großstädtern als Vergnügungsort. Regelmäßig brachte Grzimek Schimpansen mit in seine TV-Sendung.

Bis heute ist das Afrikabild in den deutschen Medien geprägt von Tiersendungen in der Tradition Grzimeks. Afrikaner spielen darin, wenn überhaupt, nur als „Eingeborene“ oder „wild lebende Stämme“ eine Rolle. Weiße Tierforscher werden dagegen als Helden porträtiert. Diese mediale Konstruktion der ehrenwerten Naturschützer wird bis heute unkritisch fortgeführt. Bekannte Beispiele sind die biografische Verfilmung der Gorillaforscherin Dian Fossey 1988 mit „Gorillas im Nebel“ und der oscarnominierte Netflix-Film „Virunga“ aus dem Jahr 2014. Gemein ist diesen populärkulturellen Erzählungen, dass die Gefahren für die Wildtiere stets von afrikanischen Wilderern oder Rebellen ausgehen.

Ein Bericht der Vereinten Nationen (UN) über den Zustand der Biodiversität vom Mai 2019 warnt vor dem rasanten Rückgang der Artenvielfalt. Die UN stellt aber auch fest, dass die Biodiversität in den Gebieten, die von einheimischen Bevölkerungsgruppen betreut werden, weniger rasch zurückgehe als in den übrigen Regionen. Afrikanische, traditionelle Naturschutzkonzepte finden trotz dieser Tatsache in den meisten aktuellen Debatten um nachhaltigen Naturschutz kaum Beachtung, kritisieren die kenianischen Autoren John Mbaria und Mordecai Ogada in ihrem 2017 erschienen Buch „The Big Conservation Lie“.

Dabei seien der afrikanische Alltag und die afrikanische Folklore reich an Wertschätzung gegenüber der Natur: „Njogu“ (dt. Elefant) ist bis heute ein beliebter Name in Kenia. In Uganda tragen die Clans und Könige nach wie vor Löwen, Elefanten oder Gorillas als Totem. In vielen afrikanischen Kulturen und Traditionen leben Ahnen, Vorfahren oder ehemalige Könige und Herrscher als Geister in den Totems fort. Diese Tiere und deren Lebensräume gelten schon allein deshalb als besonders schützenswert und unantastbar.

All diese Traditionen fänden in den heutigen Sensibilisierungsmethoden westlicher NGOs jedoch kaum Gehör, im Gegenteil. Was heute vom Naturerbe in Afrika noch übrig sei, so die Autoren, „existiert aufgrund unserer [der afrikanischen] Verwaltung und nicht aufgrund derer, die es vier Jahrhunderte lang zerstört haben und sich nun seit vier Jahrzehnten darum bemühen, es zu konservieren“.

Die kenianischen Autoren spielen auf die Scheinheiligkeit an, die aus afrikanischer Sicht in der Naturschutzdebatte mitschwingt. Ein Dorn im Auge ist für sie vor allem der WWF, einer der einflussreichsten internationalen Akteure im Naturschutz. So thematisiert auch das 2012 erschienene „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann die dunkle Geburtsstunde der weltweit größten Naturschutzorganisation. Sie wurde nicht zufällig 1961 gegründet – just in der Zeit, als zahlreiche Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden.

Viele der heute exisiterenden Schutzgebiete wurden, wie beschrieben, bereits in der Kolonialzeit als Jagdreservate gegründet. Ihre Umwidmung in Nationalparks und die Ausweisung vieler weiterer Flächen zum Artenschutz fand auf dem ganzen Kontinent in mehreren Schüben statt, einer der größten rund um die Jahre der antikolonialen Befreiungsbewegungen.

Menschen auf einem Acker, hinten ein Berg mit Bäumen

Hier im Vordergrund: vom Menschen geprägte Kulturlandschaft, hinten der Virunga-Nationalpark Foto: Alexis Huguet

Seit der Jahrtausendwende und der zunehmenden westlichen Aufmerksamkeit für Biodiversität ist erneut eine deutliche Zunahme von Parkgründungen zu beobachten. Noch immer steht dabei der Gedanke einer unberührten, leeren Natur, die im Gegensatz zur vom Menschen geprägten Kulturlandschaft steht, im Vordergrund. Dabei gehen ökonomische Interessen sowohl der früheren Kolonien als auch der ehemaligen Kolonialmächte nicht selten Hand in Hand. Die über Jahrhunderte teils mit offener Gewalt, teils mit wirtschaftlichem Druck geschaffenen Abhängigkeiten werden so weiterhin verstärkt.

Mithilfe des WWF konnten nach der Unabhängigkeit die ehemaligen Kolonialmächte weiterhin gewisse Bereiche und territoriale Gebiete der „freien“ Staaten kontrollieren und fortgesetzt Macht ausüben. Der Naturschutz in Afrika wird bis heute unter dem Panda-Logo von den einstigen Kolonialherren fortgesetzt. Weiße Großwildjäger wie der ehemalige König von Spanien und langjährige WWF-Ehrenpräsident Juan Carlos, Prinz Philip und Herzog von Edinburgh oder WWF-Gründer Prinz Bernhard der Niederlande, die früher alle gern auf Elefantenjagd gingen, werden als einstige WWF-Präsidenten bis heute als große Naturschützer gefeiert. Ihre Rolle bei der Schaffung neokolonialer Brückenköpfe auf dem afrikanischen Kontinent hingegen bleibt weiterhin weitestgehend unbeachtet.

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