Mexikos Kampf gegen Drogenkartelle : Schüsse statt Umarmungen
Dass Mexikos Präsidentin militärisch gegen die Kartelle durchgreift, ist richtig. Sie sollte auch gegen die Politiker vorgehen, die davon profitieren.
Foto: Raquel Cunha/reuters
U marmungen statt Schüsse“ – diese Leitlinie des ehemaligen mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, der zufolge man kriminelle Kartelle einbinden statt militärisch bekämpfen soll, hat zu nichts geführt. Die Gewalt hat in seiner Amtszeit zwischen 2018 und 2024 jedenfalls weiter zugenommen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die unter dem Terror der Mafia leidet, ist folglich angestiegen. Das bekommt insbesondere seine Nachfolgerin, Parteifreundin und amtierende Staatschefin Claudia Sheinbaum zu spüren.
Zudem steht die Präsidentin unter permanentem Druck ihres US-Kollegen Donald Trump. Angeblich um den Drogenkonsum in den USA einzudämmen, droht er regelmäßig damit, die Kriminellen auf mexikanischem Boden militärisch anzugreifen und Importzölle zu erhöhen. Ausnahmsweise verfolgen Trump und Sheinbaum hier dieselben Interessen: Für beide sind Erfolge im Kampf gegen die Mafia von zentraler Bedeutung.
Während Trump jedoch in erster Linie die positiven Meldungen interessieren, muss Sheinbaum nachhaltige Veränderung vorweisen. Im Gegensatz zu López Obrador hat die Staatschefin deshalb zu Recht entschieden, militärisch konsequenter gegen die Kriminellen vorzugehen. Die jetzige Militäraktion gegen den Chef des Jalisco-Kartells Nemesio Oseguera, El Mencho, ist Ausdruck dieses Vorgehens.
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Dennoch bleibt die Frage: Wird das Ausschalten eines Kopfes die Macht eines Kartells eindämmen? Kriminelle Organisationen wie El Menchos Truppe funktionieren wie moderne Firmen. Jeder ist ersetzbar. Über die Nachfolge wird jedoch nicht zivilisiert in Chefetagen entschieden, sondern vor allem in blutigen Kämpfen auf den Straßen großer Städte und abgelegener Gemeinden.
Wer die Mafia bekämpfen will, wird diese Konsequenzen vorübergehend nicht vermeiden können. Allerdings werden auch diese Maßnahmen nur nachhaltig helfen, wenn die mexikanische Regierung endlich gegen jene vorgeht, die von diesem Terror profitieren: korrupte Politiker, Juristen und Sicherheitsbeamten ebenso wie jene, die Drogengelder weltweit in ganz legalen Firmen waschen.
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