Merz bei Trump, Wolfram Weimer, Iran: Offensichtlich brutaler Blödsinn
Die USA führen völkerrechtswidrig Krieg gegen Iran, doch Merz gibt sich beim Trump-Besuch als Mitläufer. Wolfram Weimer versagt bei der Meinungsfreiheit.
t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht in dieser Woche?
Friedrich Küppersbusch: Rhetorik gegen das Völkerrecht.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Völkerrecht gegen Rhetorik.
taz: Friedrich Merz’ Besuch bei Donald Trump wird kontrovers diskutiert. Hätte er, statt nur zu lächeln, dem Donald auch mal auf die Knie hauen sollen?
Küppersbusch: Trump würdigte Merz’ „großartige“ und „fantastische“ Rolle, Starts und Landungen für seinen völkerrechtswidrigen Krieg zu erlauben, Merz’ Politik bei Migration und überhaupt, dass er nicht „Angela“ ist. Merz agierte wie jemand, der bei den Prozessen nach dem Krieg als Mitläufer eingestuft werden möchte. Hat früher oft geklappt.
taz: Sollte Baden-Württemberg zukünftig eine wichtigere Rolle spielen?
Küppersbusch: Özdemirs Wort von den Grünen als „unsere Schwesterpartei“ deutet an, dass die Grünen die Wahl verlieren, wenn er sie gewinnt. Das hat was von Lose-lose-Situation.
taz: Sind die Verlierer des israelischen-amerikanischen Angriffs auf den Iran die Iraner?
Küppersbusch: Die Luftkriegslogik für einen Regime Change ist offensichtlich brutaler Blödsinn. Außer, mal wieder, wie immer: Deutschland 45.
taz: Für den Kölner Dom muss künftig Eintritt gezahlt werden. Kaufen Sie eine Dauerkarte?
Küppersbusch: Auf seiner Homepage weist der Dom ein jährliches Minus von 240.000 Euro aus, bei rund 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr. Daraus errechnet sich ein Eintrittspreis von knapp 2 Cent pro Gast, und wir alle sind voller Gottvertrauen, dass die katholische Kirche da nichts draufschlägt.
taz: Paralympics wegen Russland, ESC wegen Israel, Fußball-WM wegen Trump – das politische Drohmittel der Stunde scheint derzeit der Boykott. Besteht der politische Zeitgeist nur noch aus Kindergartengezänk?
Küppersbusch: Verschiedene Indizes stimmen überein, dass es rund 25 bis 30 liberale Demokratien weltweit gibt. Tendenz fallend. Wenn nur noch die miteinander egal was feiern, wird’s trübe. Warum nicht einfach mal aushalten, dass es knirscht?
taz: Der Kultur- und Medienstaatsminister Weimer hat wieder zugeschlagen: Diesmal hat er drei Buchhandlungen von einer Preisliste streichen lassen. Für welche Freiheitslobby betreibt dieser Mann Kulturpolitik?
Küppersbusch: Der „Deutsche Buchhandlungspreis“ ist mindestens auch ein Umwegsubventiönchen für die maximal 118 Überlebenden Überlesenden der Thalia- und Mayersche-Marktbeherrschung. Kleine Selbstausbeuterixe, die weniger als 1 Million Euro Umsatz schaffen und neben Veranstaltungen und Lesungen auch kleine Verlage, seltene Titel, lange Backlist anbieten. Vulgo – abgefahrenes Zeug, wie man es etwa in einem „linken“ Buchladen findet. Dieser Gedanke hat sich dem zuständigen Minister offenbar gar nicht erschlossen. Worin man nach seiner Berlinale-Stümperei „bereits den zweiten schweren Unfall auf dem Gebiet der Meinungsfreiheit“ sehen kann, wenn man die FAZ ist, deren Geduld mit Weimer erstaunlich erschöpft scheint. Wer wollte ihr widersprechen.
taz: Die Volksinitiative „200 Franken sind genug!“ stimmt am Sonntag über eine drastische Reduktion der Radio- und Fernsehgebühren für die SRG ab. Vorbild für den ÖRR?
Küppersbusch: Mach mal Radio, Fernsehen, Internet für ungefähr so viele Einwohner wie Baden-Württemberg, aber in vier Sprachen: Das kostet. Vor acht Jahren lehnten über 70 Prozent eine Initiative zur Abschaffung des ÖRR – „No billag“ – deutlich ab. Diesmal versucht’s die rechtspopulistische SVP mit einer „Halbierungsinitiative“. Und wirtschaftsliberalem Geschenkpapier um die stets gleichen inhaltlichen Anliegen. Im Ergebnis steigt der politische Druck auf Redaktionen und sinkt die Finanzierung. Diese Abstimmung also können die Rechten gar nicht verlieren, so oder so.
taz: Die Kanäle ARD alpha, tagesschau24 und ONE sollen zum 31. Dezember 2026 abgeschaltet werden. Braucht eh keiner?
Küppersbusch: ONE hatte zuletzt vor allem die Funktion, abgeschaltet zu werden, wenn’s eng wird. ARD-interne Vorratsbratenspeicherung, kaum mehr Eigenproduktionen, Marktanteil im Promillebereich. Alpha wird mit Wetter- und Weltraumbildern assoziiert, barg jedoch auch Schul- und Wissensfernsehen. Ein Politikum ist vor allem das Ende von Tagesschau24, ein Herzenswunsch der kommerziellen Wettbewerber WeltTV, also Springer, und ntv, also Bertelsmann. Viele Inhalte von Tagesschau24 werden bei ARD aktuell sowieso produziert, mit 12 Millionen Euro Jahresetat ist der Sender ein Schnäppchen bzw. ungefähr sechs Tatorte. Tendenziell tendenziösen Portalen – Bild, Nius, und vielen Netzfunkern – fehlt nun ein Widerlager.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Spiel bei Hoffenheim II gedreht, 4 zu 2 gewonnen, in einem bis auf mitgereiste Essener Fans leeren Stadion. Heimsieg! Fragen: dakr
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und Frühlingsbote.
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