Mehr für kritische Infrastruktur: Prepperiert Euch!
Anschläge, Winter, Naturkatastrophen – Gefahr lauert überall. Da ist es gut, zu Hause ein bisschen was gebunkert zu haben.
E s muss kein militärischer Angriff sein, um ganze Ecken einer Großstadt lahmzulegen. Es genügt schon ein Anschlag auf die Stromversorgung wie Anfang Januar im Süden Berlins, als 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe, Läden, Supermärkte tagelang keinen Strom hatten. Selbst ein harter Wintereinbruch kann dafür sorgen, dass Menschen nicht ins Büro, in die Fabrikhalle, ins Krankenhaus kommen. Weil keine einzige Bahn und kein einziger Bus fährt. So war es jedenfalls vor wenigen Tagen – und wieder in Berlin, diesmal im Norden.
Die Folgen sind hinlänglich bekannt, die Ursachen auch: Die sogenannte kritische Infrastruktur ist nicht ausreichend geschützt. Zu den sensiblen Bereichen einer modernen Gesellschaft gehören nicht nur Energie- und Wasserbetriebe sowie Internet und Mobilfunk, sondern ebenso Lebensmittelhändler, Getränkeproduzenten, Bäckereien. Das hat jetzt auch die Bundesregierung erkannt und will mit einer „Agenda für Resilienz und mehr Souveränität“ die Sicherheit empfindlicher Bereiche aufpeppen.
Das ist komplett richtig und sollte prioritär behandelt werden. Nicht allein deshalb, weil Menschen, Büros und Supermärkte nicht tagelang ohne Strom sein können. Sondern weil die Bedrohungen stärker aus dem Ausland kommen. Das Abwehren von Cyberangriffen, Drohnenspionage, Social Engineering ist mittlerweile ein sehr aufwendiges Tagesgeschäft der Sicherheitsorgane. Die Tricks, mit denen feindliche Geheimdienste Bahntrassen, Stromleitungen, Flughäfen, Wasserreservoirs und selbst Brücken ausspionieren, werden ausgefeilter und perfider. Überall dort, wo von außen angegriffen werden kann, muss mehr Schutz hin.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Nun kann man nicht an jedem Stromkasten einen Sicherheitsdienst postieren und um jede Atomanlage herum Bundespolizisten. Es würde aber helfen, wenn beispielsweise Energieleitungen künftig ausschließlich unterirdisch verlaufen. Ein solcher Umbau kostet enorm viel Geld – wie Sicherheit grundsätzlich. Trotzdem wird es immer Bereiche geben, die Angriffsmöglichkeiten bieten. Bahnstrecken etwa liegen offen da.
Jenseits von staatlichen Sicherheitsvorkehrungen stellt sich die Frage, ob Menschen nicht ein bisschen mehr preppen sollten. Man muss sich keinen Luftschutzbunker im Keller bauen, um bei einem Angriff einigermaßen sicher zu sein. Schon ein kleiner Vorrat hilft, wenn der Supermarkt dicht ist und keine Bahn mehr fährt. Nudeln, Tomatensauce, Taschenlampen, Kerzen, Wasser, so was. Sicherheit ist nun mal ein Thema, für das sich zuvorderst die Behörden, aber auch jede und jeder Einzelne zuständig fühlen sollten.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert