Max Slevogt als Illustrator in Berlin: Nicht zuletzt ein Kräftemessen
In der Liebermann-Villa in Berlin wird Max Slevogt als Illustrator vorgestellt. Bruno Cassirer war sein Verleger, der ihn forderte und förderte.
Foto: © GDKE – Landesmuseum Mainz, Foto: A. Garth, Bilddetail
Autsch. Das tut weh. Der Mann in Frack und Zylinder hat die Schere angesetzt am langen Schwanz des gehörnten Faun, der bockig nach vorne zieht. Diese Szene entwarf Max Slevogt als Werbeanzeige für die erste Ausgabe der Zeitschrift „Kunst und Künstler“, die der Verleger Bruno Cassirer 1902 gegründet hatte. Das Tauziehen am langen Schwanz habe sich dabei, so erklärt es die Kuratorin Viktoria Bernadette Krieger, auf einen Konflikt zwischen Verleger und Künstler bezogen: Der Künstler wollte gerne immer ein wenig mehr Platz auf der Seite, als der Verleger und Mappengestalter für angemessen hielt.
Dem produktiven, aber nicht immer spannungsfreien Verhältnis von Max Slevogt als Illustrator und Bruno Cassirer als Verleger ist eine Sonderausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee gewidmet. An mehr als 51 Illustrations- und Mappenwerken arbeiteten sie zusammen, seit Slevogt 1901 nach Berlin gekommen war. Max Liebermann hatte den Malerfreund aus München für die Secession in Berlin gewonnen; der Galerist Paul Cassirer hatte ihm einen guten Vertrag angeboten, dessen Vetter Bruno Cassirer war als Verleger an ihm interessiert.
Ein Forschungsprojekt zum Nachlass von Max Slevogt (1872–1932), unter anderem vom Landesmuseum Mainz und dem Saarlandmuseum, hat die Korrespondenz zwischen Slevogt und seinem Verleger untersucht. Darauf beruht die Ausstellung in der Villa Liebermann: Sie skizziert Slevogt als durchaus eigenwilligen und kapriziösen Menschen, den der Verleger immer wieder mahnen und motivieren musste.
Die Ausstellung
„Auf zu neuen Werken! Max Slevogt, Bruno Cassirer und Max Liebermann“: Liebermann-Villa am Wannsee, bis 18. Januar 2027
Slevogt liebte Dramatik, Witz und das Skurrile. Bei Ali Baba wurde der Kopf eines Enthaupteten auf einer Platte, über den beschwingt mit Messer und Tambourin eine Figur tanzt, zur Titelvignette. Die Bremer Stadtmusikanten sitzen in einer Tuschzeichnung schwer beschäftigt am Tisch, der Hund leckt den Teller aus, der Esel hantiert mit Besteck, die Katze steht auf den Hinterbeinen, um gründlich an den Rest im Topf zu kommen.
Foto: © Saarlandmuseum Saarbrücken – Moderne Galerie, aus der Sammlung Kohl-Weigand, Foto: Tom Gundelwein
Von Bruno Cassirer ist ein fotografisches Porträt zu sehen, das ihn auf der Trabrennbahn zeigt. Er war auch erfolgreich als Importeur amerikanischer Pferde und hatte eine eigene Zucht. Slevogts Skizzenbücher belegen sein großes Interesse an Tierstudien, Pferden, Affen, Katzen. Das Spontane und Flüchtige, mit dem die Impressionisten die Malfläche aufbrachen, fand hier ein ideales Motiv.
Sozialgeschichte der Kunst
Die ausgestellten Grafiken, für die man seine Lesebrille dabeihaben sollte, so fein ist oft der Strich, so klein die Formate, werden um wenige Gemälde ergänzt, etwa einem Porträt, das Liebermann von Slevogt gemalt hat in warmen Rottönen.
Auch Liebermann arbeitete mit Bruno Cassirer, er illustrierte etwa Goethes Novelle „Der Mann von fünfzig Jahren“. Der wird, verliebt in die Freundin seines Sohnes, von neuer Eitelkeit gepackt und arbeitet hart an seiner Verjüngung. Eine durchaus ironische Geschichte, die Liebermann intim mit Interieurs aus seinem Haus und Modellen der Familie in fein gestrichelten Zeichnungen besetzte.
Die Ausstellung „Auf zu neuen Werken“ ermöglicht so einen, wenn auch nicht umfangreichen, Blick auf die grafischen Arbeiten von Slevogt und Liebermann. Mit der Zusammenarbeit von Verleger und Künstler schlägt sie zudem ein weiteres Kapitel der Sozialgeschichte der Kunst und der Produktionsbedingungen der klassischen Moderne auf, das wesentlich zu deren Erfolg beigetragen hat.
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