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Ein Fest für die Nachbarn: Straßentheater gehört zur Identität der Hafenstadt Cádiz Foto: Daniel Vazquez

Massentourismus in SpanienCarnaval oder McFiesta?

Im spanischen Cádiz gehört der Karneval mit seinem Musiktheater zur Identität der Stadt. Doch der touristische Ausverkauf bedroht seine Beonderheit.

Edith Kresta

Aus Cádiz

Edith Kresta

A tlantiktief Leonardo mit tagelangem stürmischem Regen und seine nicht weniger rabiate Nachfolgerin Marta sind überstanden, vom darauffolgenden Atlantiktief Oriana sind noch vereinzelte Windböen zu spüren. Andalusien steht nach wochenlagem Regen unter Wasser, doch der Rathausplatz in Cádiz ist wieder touristengerecht sonnendurchflutet.

Ein Glück für den nun beginnenden Straßenkarnaval. Ganz in der Nähe des Rathauses spielen, umringt von einer Menschentraube, die Matacharis, benannt nach der berühmten Spionin Mata Hari und im hiesigen Dialekt gesprochen. Maria, Marta, Lucia, Sara, Aurora sind Freundinnen und eine eingeschworene Chirigoto-Gruppe. Sie nehmen wie viele andere nach monatlangen Proben und Vorbereitungen am Straßenkarneval teil.

Chirigotas sind Gesangsgruppen, die normalerweise aus bis zu 15 Personen bestehen. In ihren satirischen, selbstverfassten Texten geht es um Alltagsfragen, Politik und Gesellschaft. Der Straßenkarneval von Cádiz hat seine eigenen, freien Regeln. Im Gegensatz zum offiziellen Karnevals-Gesangswettbewerb im Gran Teatro de Falla, wo alles strengstens geregelt ist.

Die Matacharis mit selbstgebastelten Kostümen und fantasievollen Instrumenten, wie Küchenreibe und Schlagstock, nehmen den aufgepeppten Lifestyle am ehemals wilden, hippiesken Strand von La Palmyra ins Visier. Kilometerlange Sandstrände, eine Insel-Altstadt und jede Menge Historie – das ist hier, an der spanischen Südküste, zwangsläufig eine gefährliche Mischung.

Ballermann-Alarm

Die Folgen sind zubetonierte Buchten, Partytourismus und Billiggastronomie von der schlimmsten Sorte. Cádiz, lange Zeit weit weg von den großen, spanischen Orten mit ihren sommerlichen Strömen von Strandurlaubern und nicht so einfach mit dem Flugzeug zu erreichen, steht an der Schwelle zum touristischen Ausverkauf.

Mit Investitionen und Luxussanierungen wird Cádiz für den Tourismus mit seinen Begehrlichkeiten herausgeputzt. Die Stadt am Atlantik, eine der ältesten Europas mit einer gut erhaltenen Altstadt, verliert dadurch immer mehr Einwohner: Vor allem, weil sie sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können und Wohnraum zum Spekulationsobjekt wird.

Maria, Marta, Lucia, Sara und Aurora haben monatlang für ihre Auftritte auf dem Karneval geprobt Foto: Daniel Vazquez

110.000 Einwohner hat Cádiz, vor 20 Jahren waren es noch 150.000. Dafür steigt die Zahl der touristischen Unterkünfte kontinuierlich. Cádiz gehört hat selbst für andalusische Verhältnisse eine sehr hohe Dichte an Ferienwohnungen, rund 21 touristisch genutzte Wohnungen kommen auf 1.000 Einwohner. Und auch die Anzahl der Kreuzfahrttouristen steigt kontinuierlich: Zwischen Januar und Oktober 2025 wurden im Hafen über 526.000 Kreuzfahrtpassagiere registriert.

Die Matacharis haben mittlerweile zu Ende gespielt, sie verbeugen sich und ziehen unter Applaus weiter, die nächste Gruppe hat bereits die Gitarren gestimmt. Beim Kaffee in der Spielpause erzählen die fünf Frauen, was sie als „Eingeborene“, wie sie sich selbst nennen, am Tourimus nervt. „Die Kreuzfahrttouristen bringen den Geschäften in der Stadt fast nichts. Sie überfluten den Fischmarkt und andere Sehenswürdigkeiten, aber sie konsumieren kaum“, sagt Maria, die ehrenamtlich in der Mieterberatung arbeitet und Mitglied von Cádiz resiste (zu deutsch: Cádiz leistet Widerstand) ist, eine Protestgruppe gegen den touristischen Ausverkauf der Stadt.

Kein Wohnraum mehr für Nachbarn

Wie in anderen touristischen Hotspots Spaniens hat sich auch hier eine Bürgerplattform und Protestbewegung zusammengeschlossen, die Forderungen und Aktionen gegen die sogenannte „Touristifizierung“ und die Wohnungsnot organisiert. Ihr Engagement konzentriert sich auf die sozialen und städtischen Folgen eines massiven, unregulierten Modells sowie auf die steigenden Mieten und den Verlust von bezahlbarem Wohnraum für Einheimische. Mit Demonstrationen und Kundgebungen unter dem Motto „Ein Tourist mehr, ein Nachbar weniger“, fordert Cádiz resiste mehr politische Regulierung.

Die Stadt hat reagiert und versucht inzwischen den Massentourismus über rechtliche Beschränkungen von Ferienwohnungen und Planungsvorhaben zu steuern. Die Registrierung neuer touristischer Wohnungen wurde vorübergehend ausgesetzt, Hunderte von Wohnungen wurden aus dem offiziellen Tourismusverzeichnis gestrichen.

Jeder Tourist, der sich einmietet, ist ein Nachbar weniger. Und unser Karneval lebt von der Nachbarschaft

Maria von Cádiz resiste

„Wir wollen kein touristischer Themenpark sein“, sagt Maria. „Wir haben allein durch Airbnb ungefähr 1.600 Kurzzeitvermietungen in der Stadt. Jeder Tourist, der sich einmietet, ist ein Nachbar weniger. Und unser Karneval lebt von der Nachbarschaft.“ Aber er lockt jährlich eben zusätzlich Tausende von Besuchern an.

Die Touristifizierung ist zunehmend Thema bei den Karnevalsauftritten. „Wir sind die Ratten“, lautete etwa die Präsentation der Comparsa Truppe von Jesús Bienvenido über die Verdrängung der Einwohner. Er war einer der Gewinner des Gesangswettbewerb 2025 im Gran Teatro Falla. Auch dieses Jahr hat Bienvenidos Truppe den ersten Preis der Kategorie Comparsa geholt.

„Hey Penis, Du kommst spät“

Am diesjährigen Sängerstreit im Gran Teatro Falla nahmen in der Erwachsenen-Kategorie 123 Gruppen teil – 18 Chöre, 53 Comparsas, 45 Chirigotas und sieben Quartette – sowie 38 in der Kinder-Kategorie und 18 in der Jugend-Kategorie. Die Gruppen kommen auch aus anderen Regionen Spaniens.

Täglich berichtete die Zeitung Diario de Cádiz auf zehn Sonderseiten vom Wettstreit im Theater. Dort ist alles streng geregelt, die Länge der Darbietungen und die Anzahl der Personen: Ein Chor hat 45 Personen, ein Orchester zehn, eine Comparsa 15, eine Chirigota 15. Die Gesangsdarbietung Chrigota ist die humorvollste, spielerischste Form mit ihren Verkleidungen, ihrer Darstellung und den zugespitzten Texten.

Lange Tradition: Seit etwa 500 Jahren gehört der Karneval zu Cádiz Foto: Daniel Vazquez

Die Comparsa ist die ernstere Kategorie. Eine Jury entscheidet über die Darbietungen. Die Gewinner bekommen Ruhm und Ehre und ein Preisgeld. Den diesjährigen Chirigota-Wettbewerb gewann zum ersten Mal keine Gruppe aus Cadiz, sondern die sevillianische Chririgota-Gruppe Bizchocho mit „Schschsch…“

„Du bist spät, pisha“, beschwert sich Javier Osuna. Er wohnt im siebten Stock eines der Hochhäuser an der „Playa Victoria“. Ein echter Gaitano, wie sich die Stadtbewohner von Cádiz nennen. Pisha heißt eigentlich Penis und wird für Mann und Frau alltäglich gebraucht. Will man gendern, nimmt man für die Frau das weibliche Geschlechtsteil, Chocho. Man hört es im Supermarkt, in der Bahn, von jung und alt.

Fiesta seit 500 Jahren

Osuna, Produzent und Radiomoderator, moderierte lange Zeit die Übertragungen aus dem Gran Teatro Falla zum Karneval. Privat beschäftigt er sich mich mit der Geschichte des Karnevals. „Ich gehe in Pfarrarchive, Diözesanarchive, Zeitungsarchive, Bibliotheken und nutze alle verfügbaren Quellen.“ Er hat zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlicht.

„Der Karneval ist für mich ein Fest von außergewöhnlicher Einzigartigkeit“, erklärt er seine Begeisterung für das Thema. „Es ist etwas sehr Eigenes von Cádiz, mit einem offenen Charakter. In dieser Stadt treffen Kulturen aufeinander – musikalisch, rhythmisch, sprachlich. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder.“ In Cádiz gebe es sehr viel Lateinamerika, und Cádiz sei auch wiederum in Lateinamerika präsent: im Rhythmus, in der Art zu sprechen, im Ausdruck.

Heute kommen Menschen aus ganz Spanien mit Bussen. Nachts bleiben Tonnen von Müll. Wir waren immer eine offene Stadt, aber das macht keine Freude mehr

Javier Osuna, Radiomoderator und Historiker

Seit dem 16. Jahrhundert wird der Karneval in der Stadt gefeiert, dafür gibt es Belege. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert sei er aber völlig anders gewesen. Einfacher, mit Kostümierung, Satire und Musik, aber keine entwickelten Gesangskategorien und Wettbewerbe. „Es gibt sogar Randnotizen in Taufregistern: Der Priester verschiebt die Taufe wegen der Karnevalszeit,“ sagt Javier.

Cádiz hat eine besondere geografische Lage: Es ist ein Seehafen, ein Tor zum Mittelmeer. Der afrikanische Kontinent ist nur einen Steinwurf entfernt, und vor allem im 18. Jahrhundert gab es enormen Austausch durch den Handel mit Südamerika, von dem ganz Andalusien, aber vor allem Sevilla und Cádiz, profitierten.

Das „Fremde“ als Bereicherung

„Cádiz war im 18. Jahrhundert eine Stadt von enormem Glanz: die drittgrößte Spaniens, mit 75.000 Einwohnern“, erzählt Osuna. „Als 1717 das Handelshaus nach Cádiz verlegt wurde, kam der Reichtum der Neuen Welt hier an. Es gab Theater, Aufführungen auf Französisch, Englisch. Die erste republikanische Verfassung Spaniens wurde 1812 hier geschrieben.“ Aber als der transatlantische Handel abbrach, sei Cádiz „zur abgehängten, verarmten Provinzstadt geworden“.

Es sei kein Zufall, dass die wichtigsten Karnevale der Welt allesamt maritime Karnevale seien, sagt Osuna, und er zählt auf: „Nizza, Uruguay, Argentinien, der Karneval von Genua, Venedig, Cádiz, Rio de Janeiro, Santa Cruz.“ Denn in Hafenstädten gebe es einen Austausch von Lebensweisen, die Feste könnten so eine Universalität entwickeln. „Viele Lieder und Melodien aus Amerika haben sich später im Flamenco niedergeschlagen. Sowohl der Flamenco als auch die Coplas des Karnevals von Cádiz besitzen eine enorme Fähigkeit, Fremdes aufzunehmen und zu eigen zu machen“, sagt der Historiker.

Eine lokale Berühmtheit: Selu, hier 2012 im Gran Teatro Falla, beendet nach langer Zeit seine Karriere Foto: Daniel Vazquez

Cádiz war immer starken kulturellen Einflüssen unterworfen: einerseits aus Genua, andererseits aus Kuba. Die italienische Tradition brachte Maskenbälle, die kubanische die Musik. Der Tango kam von Kuba nach Cádiz, wurde dort verarbeitet und beeinflusste später den argentinischen Tango. „Eine Stadt wird umso reicher, je mehr sie sich mit dem Fremden vermischt“, sagt Osuna.

Das gelte allerdings nicht für den heutigen Massentourismus. Er habe die Stadt stark verändert. „Die Stadt verliert Identität, kleine Läden verschwinden, Ferienwohnungen nehmen zu. Der Karneval ist teilweise zu einem riesigen Trinkgelage geworden. Heute kommen Menschen aus ganz Spanien mit Bussen. Nachts bleiben Tonnen von Müll zurück. Wir sind und waren immer eine offene Stadt, aber das macht keine Freude mehr“, bedauert er.

Bei Abtreibung hört der Spaß auf

Der Karneval von Cádiz sei auch ein Garant für Gemeinsinn und Gemeinsamkeit. „Zum Karneval schließen sich Menschen aus allen Bildungsschichten, aus allen Berufen zusammen – im wahrsten Sinne des Wortes aus Liebe zur Kunst. Ich habe zum Beispiel Kolleginnen, die in ihrer Freizeit gemeinsam eine Straßen-Chirigota gründen. Das schafft eine enorme Identität. Du hast eine Stadt mit über 100 solcher Gruppen. Es sind viele Menschen, die ein gemeinsames musikalisches und literarisches Repertoire erarbeiten – das ist enorm.“

Verschiedene gesellschaftliche Gruppen fänden in den Karnevalsgruppen ein Instrument zum Ausdruck ihrer Identität und ihrer Kritik an gesellschaftspolitischen Zuständen. „Beim Feminismus sieht man das sehr deutlich – es gibt feministische Chirigotas, die spektakulär sind“, sagt Javier Osuno. „Der Karneval war immer Vehikel für Kritik von unten, aber auch ein Produkt seiner Zeit. Er war wie unsere ganze Gesellschaft sehr machistisch, inzwischen gibt es aber immer mehr Frauengruppen. Sie erobern Terrain.“

Der Erfolg hat uns einen großen shitstorm auf social media vor allem von Männern eingebracht

Marta Ortiz von der Karnevalsgruppe La Camorra

In Barrida de la Paz, ein Viertel im modernen Teil von Cádiz mit seinen schnell gebauten Hochhäusern und breiten Straßen, probt in einer Schule die 16-köpfige Gruppe von Marta Ortiz la Camorra. Seit September proben sie jeden Abend. Sie sind Lehrerinnen, Physiotherapeutinnen, Kosmetikerinnen.

Sie verstehen sich als Feministinnen und setzen sich für gesellschaftlichen Themen ein, die Frauen berühren. Ihre Texte schreibt Marta Ortiz. Dieses Jahr sind sie im Vorfinale ausgeschieden, davor hatten sie es ins Finale geschafft. Der Kritiker des Diario de Cádiz bescheinigt ihnen großes Potential, ihre klaren Wort zu Kirche und Abtreibung hätten sie allerdings Punkte im Wettbewerb gekostet.

Frauen? Ja, aber bitte nicht erfolgreich

„Der Erfolg hat uns einen großen Shitstorm auf Social Media vor allem von Männern eingebracht. Nachdem sie uns nicht mehr ignorieren konnten, haben sie uns böse angegriffen“, erzählt Marta, die für Organisation und Verwaltung der Gruppe zuständig ist. „Es gibt nur sehr wenige Frauen in der Geschichte des Karnevals, die sich getraut haben wie wir, sowohl Texte als auch Musik zu komponieren für den Sängerstreit im Theater.“

Im Gegensatz zum wilden Straßenkarneval, das Revier der Matacharis, sind im offiziellen Wettbewerb Frauen erst seit den 1980er Jahren sichtbar. Und das immer mehr. „Das scheint bei einigen Männern Neid und Aggression auszulösen. Ihre Reaktionen sind verbale Hässlichkeiten, denn im offiziellen Wettbewerb geht es um Prestige in ganz Spanien, um Auftritte und Geldpreise.“

Jeder in der Gruppe hat seine Aufgabe: Maria macht die Organisation, eine andere kümmert sich um die Kostüme, wiederum eine um die sozialen Medien und Verträge für Auftritte in ganz Spanien. „Damit halten wir uns über Wasser, um nächstes Jahr unsere Kostüme und Aufwendungen zahlen zu können“, sagt Maria.

„Wir proben viel, aber das ist wie Therapie. Wir sind eine Familie und kümmern uns sehr gut umeinander. Wir respektieren uns, helfen uns. Das hat einen unglaublichen verbindenden Effekt, um sich nicht allein, verloren zu fühlen. Und es macht Spaß“, sagt Maria. Das merkt man ihrer Gesangprobe an: Sie singen expressiv, konzentriert und aufeinander bezogen.

Kein Komasaufen, kein öffentliches Klo

Aber sie wollen auch, dass ihre Kunst, ihre Mühe respektiert und gesehen wird. „Unser Karneval ist kein Komasaufen, Cádiz ist keine öffentliche Toilette, auf der jeder mitten auf der Straße seine Bedürfnisse erledigen kann. Dieser Tourismus, der in den letzten Jahren zugenommen hat, zerstört unsere Stadt. Aber das wird in einigen Teilen Spaniens durchaus gefördert.“

„Ja, der Tourismus bringt in vielen Bereichen eine negative Entwicklung, aber ich sehe keine Lösung, denn es lockt das schnelle Geld in dieser ökonomisch schwachen Stadt“, sagt El Selu de Cádiz, der Mick Jagger der Chirigota-Szene und wohl bekannteste Chirgota-Sänger des Landes, in seiner Stammbar in der Calle San José, wo immer ein Tisch für ihn reserviert ist. Eine lebende Legende, sympathisch und zugewandt. Nach 46 Jahren Wettstreit im Gran Teatro Falla scheidet der 63-Jährige nun aus dem offiziellen Wettbewerb aus. Zum großen Bedauern der Gaitanos, denn keiner verkörpert den Spirit der Stadt so wie er.

2025 war sein letzter Auftritt mit „Apartamentos Turísticos Juani Wainjou“. Mit Bienenkorb-Frisur, dickem Eyeliner und Tattoos ahmte seine Chirigota Gruppe die britische Sängerin Amy Winehouse nach als Symbol für Unangepasstheit, Ehrlichkeit und Widersprüchlichkeit. Seine „Juani Wainjou“ aus Cadiz – so lautet Amy Winehouse im hiesigen Dialekt – vermietet ihre Wohnung an Touristen und weiß selbst nicht mehr wohin.

Musik, Satire, Lokalkolorit, Humor und feine gesellschaftliche Beobachtungen hat Selu zu einem ganz persönlichen Stil verarbeitet. Ein sensibler Humorist mit purer Lust am Spiel, der Verkleidung und Satire, dabei völlig unprätentiös. So unprätentiös wie Cádiz, wo der Ausverkauf noch nicht alle Lebensbereiche und Schönheit erreicht hat.

„Ich bin Cádiz, Cádiz ist ich“

„Die Stadt nährt mich. Ich bin hier geboren und das kommt mir immer noch wie ein großes Geschenk vor“, sagt er. „Ich schätze die kommunikative Arglosigkeit und Selbstverständlichkeit der Menschen hier. Ihren Sinn für Ironie. Ich selbst mag es sehr zu ironisieren. Ich mag es, Kritik zu üben, und ich glaube, dass Ironie die Art ist, Dinge noch mehr schmerzen zu lassen.“

Er höre auf, weil ihn der jährliche Wettstreit im Theater nicht mehr herausfordere, sondern stresse. Das Publikum verändere sich, wie sich auch die Gruppen veränderten. „Das Negative ist, dass sich das Wesen des Karnevals ändert, dass Anspielungen auf unsere Eigenheiten, auf Alltagsschwierigkeiten immer schwieriger werden, weil das Publikum größtenteils von außen kommt, sogar das Theaterpublikum, und wenn man eine ganz besondere Anspielung einbaut, lachen nur vier Leute oben auf der Galerie. Das ist kein begeistertes, leidenschaftliches Publikum mehr.“

Aber was bleibe, sagt er, das sei die Musik. „Und die macht das Leben definitiv leichter.“

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