: Maschinen-Mixa trifft auf taube Ohren
Berlin AP ■ Spitzenpolitiker der großen Koalition und Kirchenvertreter haben mit teils derber Kritik auf die Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa zur Familienpolitik reagiert. SPD-Chef Kurt Beck verglich Mixa am Wochenende indirekt mit einem kastrierten Kater. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich demonstrativ hinter die Vorschläge von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Die Ministerin selbst riet „in der Debatte dringend zu mehr Sachlichkeit“.
Mixa hatte erklärt, von der Leyens Vorschläge zum Ausbau von Kindertagesstätten seien kinderfeindlich, ideologisch verblendet und degradierten die Frau zur Gebärmaschine. Am Wochenende bekräftigte der Katholik seine Äußerungen und lehnte eine Entschuldigung ab: „Meine Kritik richtet sich gegen eine Politik, die es einseitig fördert, dass junge Mütter ihre kleinen Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Fremdbetreuung geben sollen, statt sich ganz und gar ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren zu widmen.“ Unterstützung erhielt er vom Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder.
Beck erzählte während einer SPD-Regionalkonferenz einen Witz, mit dem er angeblich um Verständnis für Mixa werben wollte: Um Abends nicht mehr allein zu sein, kaufte sich eine einsame Frau einen Kater. Da das Tier jedoch jede Nacht unterwegs gewesen sei, habe sie den Kater auf den Rat einer Freundin hin kastrieren lassen. Der Kater allerdings sei weiter herumgestromert. „Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?“, habe die Freundin gefragt. Daraufhin die Besitzerin: „Das nicht, aber er berät jetzt.“
Gesetzter klangen die Äußerungen des parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Fraktion, Norbert Röttgen. Er bedauerte Mixas Äußerungen „als Katholik in Sprache, Stil und Inhalt“. Auf die Frage, ob sie Mixas Auffassung teile, sagte Kanzlerin Merkel: „Nein. Frau von der Leyen möchte das Programm der Union verwirklichen: Mütter und Väter sollen bei der Erziehung der Kinder Wahlfreiheit haben, soweit das staatliche Rahmenbedingungen ermöglichen können.“
Die Evangelische Kirche in Deutschland nahm von der Leyen ebenfalls in Schutz. „Ich bin über die Wortwahl wie über die Aussage sehr erstaunt“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans-Joachim Meyer. Das Fatale sei, dass in der Debatte nach allen Seiten ein schlechtes Gewissen erzeugt werde, kritisierte er.
Von der Leyen will die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder bis drei Jahre auf 750.000 verdreifachen. Die Kosten dafür bezifferte sie auf 3 Milliarden Euro jährlich, die auf Bund, Länder und Kommunen verteilt werden sollen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen