piwik no script img

Libanons Präsident in den USATrumps Druck soll Israel zum Abzug bewegen

Libanons Präsident Joseph Aoun will Donald Trump in Washington um Unterstützung bitten. Israel und Libanon proben erste Schritte in zwei „Pilotzonen“.

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Libanons geteilte Meinung über direkte Gespräche mit Israel ist schon an der großen Straße zum Flughafen in Beirut zu sehen. Als die Regierung bilaterale Friedensgespräche ankündigte, stand auf den Werbeflächen „Danke, loyaler Iran“ – bezahlt von der mit Iran verbündeten Hisbollah-Miliz. Das Innenministerium ließ die Plakate ersetzten mit: „Libanon First“. Hisbollah-Anhänger wiederum setzten die neuen Aushänge in Brand. Die Hisbollah lehnt direkte Gespräche mit Israel ab – und auch die Bemühungen der libanesischen Regierung, die Miliz zu entwaffnen.

Während dieser aufgeheizten politischen Stimmung hat sich Libanons Präsident Joseph Aoun auf den Weg Richtung USA gemacht. Er flog am Samstag nach Washington, um dort mit verschiedenen US-Vertretern zu sprechen. Am Dienstag trifft er US-Präsident Donald Trump. Es ist der erste Besuch eines libanesischen Staatschefs im Weißen Haus seit 2009.

Im Gepäck hat Aoun eine politische Forderung, die sein Land vereinen soll: den kompletten Abzug israelischer Soldaten aus Libanon. Druck von Trump höchstpersönlich soll dabei helfen. In einer von seinem Büro veröffentlichten Erklärung hieß es, er werde Trump bitten, „den nötigen Druck auf Israel auszuüben“.

Israelische Soldaten besetzen weiter völkerrechtswidrig 60 Dörfer und Städte in Südlibanon. Wohngebäude, Energieversorgung und öffentliche Infrastruktur liegen in Schutt und Asche. 700.000 Menschen wurden vertrieben. Wer zurück möchte, läuft Gefahr, von israelischen Soldaten getötet zu werden. Die Armee reißt weiterhin Häuser ab. Am Dienstagmorgen sprengte sie Gebäude in Mais al-Dschabal und Kfar Tibnitin der Region Nabatäa.

Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

➝ Mehr zum Thema Nahost-Konflikt

Israel beginnt Rückzug aus Sawtar al-Gharbia

Ebenfalls am Dienstag sollen sich israelische Soldaten aus Sawtar al-Gharbia zurückgezogen haben. Einheiten der libanesischen Armee rückten stattdessen ein. Die Stadt liegt in einer der sogenannten Pilotzonen, in denen der schrittweise Rückzug getestet werden soll. Libanons Streitkräfte riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit die Stadt noch nicht zu betreten. Sie müssten zuerst die Sicherheitslage stabilisieren.

An­woh­ne­r*in­nen berichten gegenüber der dpa jedoch, die als Pilotzonen geltenden Gebiete seien gar nicht von Israel besetzt, sondern lediglich Beschuss ausgesetzt gewesen. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge hatte die israelische Armee in Sawtar al-Gharbia keine festen Stützpunkte errichtet, das Gebiet zwar mehrfach betreten aber später wieder verlassen.

Der Rückzug aus zwei „Pilotzonen“ war am 26. Juni in einem bilateralen Abkommen beschlossen worden. Libanons Armee soll dort sicherzustellen, dass der Staat das Gebiet unter Kontrolle hat – und nicht die Hisbollah. Der von den USA vermittelte Plan sieht vor, dass Libanons Armee die Miliz entwaffnet. Ist das geschehen, möchte Israel den Einmarsch in Südlibanon beenden. Die Übergabe der zwei „Pilotzonen“ gilt als erste Bewährungsprobe.

Libanons Präsident Aoun strebt den kompletten Abzug an. Er wolle Trump schriftlich einen Vorschlag vorlegen, wie seine Armee das Waffenarsenal der Hisbollah sicherstellen könne, sagte ein libanesischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Dem Vertreter zufolge ist Aoun der Ansicht, dass nur Trump über den nötigen Einfluss verfüge, um Israel zum Abzug zu bewegen und Libanon dabei zu helfen, seine Souveränität – sowohl gegenüber Iran als auch Israel – wiederherzustellen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare