Krieg im Libanon: Tunnel, Drohnen, Zerstörung
Das israelische Militär sprengt nach eigenen Angaben einen von der Hisbollah genutzten Tunnel im Südlibanon. 700 Tonnen Sprengstoff sollen dafür genutzt worden sein.
Foto: reuters
dpa/taz | Nach einem Angriff der libanesischen Hisbollah hat Israel eigenen Angaben zufolge Tunnel der Miliz-cum-Partei im Gebiet der Burg Beaufort im Südlibanon zerstört. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz behaupteten in einer Erklärung, die Hisbollah habe die unterirdische Struktur nutzen wollen, um nach Israel einzudringen. Die Sprengung sei nach dem „eklatanten Verstoß“ der Hisbollah gegen die Waffenruhe erfolgt, so Netanjahu und Katz weiter.
Die Armee habe rund 700 Tonnen Sprengstoff für die Zerstörung der Tunnel gebraucht, teilten beide weiter mit. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Explosionen seien im gesamten Südlibanon zu hören gewesen. Ein Einwohner der südlibanesischen Stadt Nabatieh sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass in dem Ort einige Fenster zersplittert seien. Das israelische Militär hatte die Einwohner der nördlichen Galilee am Donnerstagabend gewarnt, dass eine „große Explosion“ zu hören sein werde.
Es war zunächst unklar, ob auch die Burg beschädigt wurde. Die Einnahme der historisch und strategisch wichtigen Burg Beaufort durch das israelische Militär Ende Mai hatte für Aufsehen gesorgt. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde einst als Kreuzritterfestung gebaut und bietet einen Blick über weite Gebiete des Libanon. Israelische Beobachter bezeichneten den Verlust dieses strategisch wichtigen Punktes für die Hisbollah als schmerzhaft.
Die libanesische Hisbollah hatte laut israelischen Angaben am Mittwoch erstmals seit mehr als einem Monat wieder eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf ein Fahrzeug der israelischen Armee im Südlibanon gelenkt. Zuletzt hatte die vom Iran unterstützte Miliz solche Drohnen vor Inkrafttreten der neuen Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon im Juni eingesetzt.
Das israelische Militär zerstört seit einigen Jahren immer wieder Tunnel der Hisbollah im Libanon – darunter auch einige, die bis nach Israel reichten. Das israelische Militär beobachtet nach eigenen Angaben außerdem ein Tunnelsystem der Hisbollah nahe der südlichen Stadt Nabatiyeh. Darin sollen sich angeblich noch Dutzende Hisbollah-Mitglieder aufhalten. Wegen der derzeit geltenden, wenn auch brüchigen Waffenruhe sei es dem israelischen Militär derzeit nicht möglich, die unterirdischen Gänge einzunehmen, schreibt die Times of Israel.
Im Libanon aktiv ist es aber andernorts: Die Zerstörung südlibanesischer Dörfer durch das israelische Militär hält an. Seit dem Wiederaufflammen des Krieges im Libanon, nach dem Einstieg der Hisbollah in den Iran-USA-Israel-Krieg Ende Februar 2026, wurden im Libanon über 4.000 Menschen getötet, Zivilistinnen und Zivilisten wie auch Hisbollah-Mitglieder. Mindestens 38 Israelis kamen um, darunter 4 Zivilisten.
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