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Leichnam von Mladić in SerbienNächster Schritt zum Staatsbegräbnis

Der Leichnam des „Schlächters vom Balkan“, Mladić, ist jetzt in Serbien. International gibt es scharfe Kritik an der Verherrlichung seiner Kriegsverbrechen.

Erich Rathfelder

Aus Sarajevo

Erich Rathfelder

Knapp eine Woche ist Ratko Mladićs tot. Jetzt wurde sein Leichnam mit einer Regierungsmaschine nach Serbien überführt. Die Pläne von Präsident Aleksandar Vučić und Justizminister Nenad Vujić, den wegen Völkermords verurteilten Ex-General offiziell zu ehren, werden jetzt wohl umgesetzt.

Der General soll ein „würdiges und angemessenes“ Begräbnis mit militärischen Ehren erhalten, heißt es. Trotz Protesten. Mladić soll neben seiner Tochter beerdigt werden, die während der Zeit der schweren Verbrechen Mladićs in Belgrad 1994 Selbstmord begangen haben soll.

Die Familie will ein positives Andenken bewahren. Ratko Mladić und die Familie haben die Selbstmordthese bis heute immer geleugnet. Aber die Gerüchte, die damals 23- jährige Ana Mladić habe sich wegen der Untaten ihres Vaters umgebracht, wollen nicht verstummen. Neben ihr begraben zu werden, hat so eine immense Bedeutung. Die Beisetzung soll voraussichtlich auf dem Belgrader Friedhof Topčider stattfinden.

Scharfe Kritik an Plänen für Staatsbegräbnis

Während in Serbien offizielle Medien und die herrschende Partei unter dem Präsidenten Vučić die Entscheidung für das Staatsbegräbnis vehement verteidigen, gibt es auch Stimmen, die ein solches Begräbnis ablehnen. Oppositionelle sehen in dem Vorhaben die Verteidigung der Kriegsverbrechen und eine Verschlechterung des Ansehens Serbiens in der Welt.

Serbien blockiere die Aufarbeitung der Vergangenheit, heißt es bei Menschenrechtsorganisationen. Bürgerrechtsgruppen wie die Europäische Bewegung in Serbien warnen vor einem massiven moralischen, rechtlichen und politischen Schaden für das Land. Sie fordern die Regierung auf, die Pläne für das Staatsbegräbnis sofort fallenzulassen.

In allen von Mladićs Verbrechen betroffenen Gebieten in Kroatien und Bosnien ist man bestürzt, aber nicht überrascht. In Bosnien kennt man die Drohungen der Rechtsradikalen gegen Bosniaken oder andere Nichtserben in Bosnien, wie etwa die Nichtreligiösen oder Minderheiten. Diese Menschen schütteln nur den Kopf über die serbische Politik.

Folgen für den EU-Beitrittsprozess Serbiens?

EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos warnte Belgrad eindringlich vor einer weiteren Verherrlichung von Kriegsverbrechern. Dies stehe im fundamentalen Widerspruch zu den Werten der Europäischen Union. Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković fand noch deutlichere Worte und erklärte, dass ein Staatsbegräbnis für Mladić „die Tür zur Europäischen Union schließen“ würde.

Dies hat erhebliche Auswirkungen auf den EU-Beitrittsprozess Serbiens, da von Kandidatenstaaten die Anerkennung von Gerichtsurteilen und Opferrespekt verlangt wird.

Die USA und internationale Organisationen verurteilten jegliche Versuche der historischen Revisionismuspolitik oder der Ehrung von Kriegsverbrechern des Balkankrieges „aufs Schärfste“ und forderten, die „Beschlüsse des UN-Tribunals zu respektieren“.

Ratko Mladić, der ehemalige Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska und als „Schlächter vom Balkan“ bekannt, starb am 27. August 2026 während seiner lebenslangen Haftstrafe.

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