Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist tot: Der Schlächter vom Balkan
Verurteilt wurde Mladić wegen der Belagerung Sarajevos und den Menschheitsverbrechen in Srebrenica. Bis zuletzt zeigte er keine Reue.
Foto: Chris Helgren/reuters
Ratko Mladić ist tot. Der Mann, dessen Name wie kaum ein anderer mit dem Bosnienkrieg verbunden ist, starb am 27. August 2026 in Den Haag. Er wurde 84 Jahre alt. Bis zuletzt saß er in der UN-Haftanstalt Scheveningen eine lebenslange Strafe ab. Der Schlächter des Balkan war verurteilt wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.
Bis zuletzt hat er seine Taten nicht bereut. Am Tag seiner endgültigen Verurteilung versuchte er das Gericht ins Lächerliche zu ziehen. Der in Kalinovik geborene Mladić – 60 km südlich von Sarajevo – war seit seiner Kindheit mit dem Militär verbunden. Er war kein politischer Außenseiter, als der Krieg in Bosnien und Herzegowina begann. Nach dem Zerfall Jugoslawiens stieg er zum Oberkommandierenden des Heeres der serbischen Armee in Kroatien und Bosnien auf. Von 1992 an war er der mächtigste militärische Akteur auf serbischer Seite. Und er steht für die Politik der sogenannten ethnischen Säuberungen.
Seine Armee führte einen Krieg, in dem Territorium nicht nur erobert, sondern Bevölkerung systematisch unterdrückt und letztlich vertrieben wurde. Städte wurden belagert, Dörfer zerstört und Menschen aufgrund ihrer nicht-serbischen Herkunft verfolgt. Über dem Krieg lag das politische Projekt einer möglichst ethnisch homogenen serbischen Herrschaft zuerst in den eroberten Gebieten in Kroatien und dann Bosniens.
An Grausamkeit kaum zu überbieten
Sein Vorgehen entsprach der sowjetischen Militärdoktrin: setze schwere Waffen ein, zerstöre die angegriffenen Städte, dann setze mit Infanterie und Freiwilligenverbänden nach. Sie sollen das Werk vollenden und Menschen töten, ausrauben, vergewaltigen. Perfide war sein Vorgehen gegen Städte und Landstriche, die sich ohne Gegenwehr den serbischen Truppen ergeben hatten. In den Konzentrationslagern von Prijedor wurden im Sommer 1992 allein 3.200 Menschen ermordet.
Verurteilt wurde Mladić vor allem wegen der Belagerung Sarajevos und den Menschheitsverbrechen in Srebrenica. Fast vier Jahre lang lag Sarajevo unter Beschuss. Scharfschützen und Artillerie machten das Leben der eingeschlossenen Zivilbevölkerung zum täglichen Kampf ums Überleben. Die Belagerung wurde zu einem der bekanntesten Symbole des Bosnienkrieges.
Srebrenica machte Mladić endgültig zum Synonym für das Grauen des Krieges. Im Juli 1995 nahmen seine Truppen die von den UN zur Schutzzone erklärte Stadt ein. Anschließend wurden mehr als 8.000 bosniakische Männer und Jungen ermordet. Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden vertrieben. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien stellte später fest, dass es sich um Völkermord handelte. Mladić wurde dafür verurteilt.
Mythos und Hassobjekt
Nach dem Krieg verschwand Mladić. Mehr als 15 Jahre lang entzog er sich der internationalen Justiz. Er wurde zum Mythos für einen Teil der serbischen Öffentlichkeit, während Angehörige der Opfer ihn als einen der Hauptverantwortlichen für ihre verlorenen Familien betrachteten. Erst am 26. Mai 2011 wurde er in Serbien festgenommen und anschließend nach Den Haag überstellt.
2017 sprach das Tribunal das Urteil: lebenslange Haft wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. 2021 bestätigte die Berufungskammer das Urteil und die lebenslange Freiheitsstrafe. Für die Verbrechen in mehreren Gemeinden Bosniens wie in Prijedor sah das Gericht die Voraussetzungen für einen Genozid nicht erfüllt. Das änderte nichts an der rechtskräftigen Verurteilung wegen des Völkermords von Srebrenica. Mladić selbst akzeptierte dieses Urteil nie. Er stellte das Tribunal als illegitim dar und beharrte bis zuletzt auf seiner Sicht des Krieges.
Damit endet nun das Leben eines Mannes, der für manche Serben bis heute als militärischer Held gilt, für die überwältigende Mehrheit der internationalen Öffentlichkeit jedoch als einer der schlimmsten europäischen Kriegsverbrecher seit dem Zweiten Weltkrieg. Mladić hinterlässt eine Region, in der der Krieg von 1992 bis 1995 zwar Geschichte ist, aber keineswegs Vergangenheit. Seine Opfer leben weiter mit den Folgen. Massengräber werden noch immer geöffnet, Tote identifiziert und Familien mit der Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen konfrontiert.
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