Lambsdorff wird Botschafter in Russland: Ein FDP-Mann für Moskau

Alexander Graf Lambsdorff soll Botschafter in Russland werden. In Berlin wird der Liberale und überzeugte Europäer eine Lücke hinterlassen.

Lambsdorff

Klare Kante in der Ukrainepolitik, ohne das Kanzleramt übermäßig zu kritisieren: FDP-Mann Lambsdorff Foto: Kay Nietfeld/dpa

Alexander Graf Lambsdorff, 56, ist Vizechef einer Regierungsfraktion, profilierter FDP-Außenpolitiker und Mitglied im PKG, dem parlamentarischen Kontrollgremium, das die Geheimdienste überprüft. Nun soll er im Frühjahr Botschafter in Moskau werden. Auf den ersten Blick mag das ein Abstieg sein. Zu hören war zudem, dass Lambsdorff lieber Botschafter in den USA geworden wäre.

Aber für den FDP-Mann gibt es keinen Grund, Trübsal zu blasen. Der Job in Moskau kann angesichts des Krieges in der Ukraine, dessen Ende nicht absehbar ist, in den nächsten Jahren eine der spannendsten und schwierigsten diplomatischen Missionen werden. Lambsdorff wird den jetzigen Botschafter Géza von Geyr ablösen.

Lambsdorff ist ein kommunikativer, fröhlicher Charakter – Neoliberalismus mit menschlichem Antlitz gewissermaßen. Er verfügt über jene mannigfache internationale Erfahrungen, die die Aufgabe in Moskau erfordern wird. Er war Büroleiter des vorletzten FDP-Außenministers Klaus Kinkel, arbeitete in der Botschaft in Washington und später im Auswärtigen Amt als Länderreferent für Russland.

Als Politiker formte ihn die 13 Jahre währende Zeit als Abgeordneter im Europäischen Parlament. Seit 2017 ist er Vize-Chef der FDP-Fraktion. Wäre das Auswärtige Amt in der Ampel an die FDP gegangen und nicht an die Grünen – Lambsdorff wäre zweifellos ein geeigneter Kandidat gewesen.

Europa zwischen China und USA

Der Job als Botschafter in Moskau ist angesichts des diktatorischen Regimes und des vereisten Verhältnisses zwischen Berlin und der russischen Regierung eine diplomatische Herausforderung. Der Liberale bringt viel mit, um sie zu meistern.

2021 erschien sein Buch „Wenn Elefanten kämpfen“, eine Skizze der globalen Konkurrenzverhältnisse im 21. Jahrhundert. Der FDP-Mann verteidigt dort beherzt „unseren European way of life“ und warnt davor, dass Europa in der Systemkonkurrenz zwischen China und den USA zerrieben werden kann. „Mit den heraufziehenden kalten Kriegen stehen Menschenrechte, Freiheit und Demokratie ebenso auf dem Spiel wie Völkerrecht, Multilateralismus und Freihandel.“

Zum russischen Angriffskrieg hat der Liberale, der oft in Talkshows auftritt, eine klare Haltung: Deutschland müsse die Ukraine so lange militärisch unterstützen, bis faire Verhandlungen möglich seien. Das ist Konsens in der Ampel. Als lautstarker Kritiker am Kanzleramt und dessen eher vorsichtiger Praxis bei Waffenlieferungen an die Ukraine ist Lambsdorff indes nicht hervorgetreten.

Fehlen wird er der FDP in Berlin. Dort wimmelt es nicht gerade von Figuren, die wie er jenseits von Lindners langem Schatten ein eigenes Profil haben. Die FDP-Außenpolitik wird nun noch mehr von Marie-Agnes Strack-Zimmermann geprägt werden, die bisher nicht durch besondere Rücksicht auf die Koalitionsdisziplin auffiel. Für die Ampel ist die Berufung des verbindlichen, mittigen Liberalen nach Moskau insofern keine einfache Personalie.

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