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Alexander Graf LambsdorffDer Neffe vom Onkel Otto

Alexander Graf Lambsdorff ist zum Nachfolger von Silvana Koch-Mehrin im EU-Parlament ernannt worden. Er gilt als "überzeugter Europäer".

Die Verwandlung hat schon vor Wochen begonnen. Alexander Graf Lambsdorff wollte weg vom Image des fleißigen, aber langweiligen EU-Experten, der nur Außenpolitik kann. Der 44-jährige FDP-Politiker, einst Büroleiter von Außenminister Klaus Kinkel, wollte mehr: sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen, vielleicht auch für höhere Ämter empfehlen.

Und so ging er hinaus, in die Brüsseler Hintergrundkreise, in Journalistenrunden und Radiosender. Plötzlich sprach Lambsdorff nicht mehr nur über die transatlantischen Beziehungen oder die Krise in Nordafrika, was er übrigens perfekt beherrscht. Der "neue" Lambsdorff sprach auch über die Euro-Krise, das Schengen-Abkommen und liberale Grundwerte - fast so wie sein legendärer Onkel Otto, der ehemalige Wirtschaftsminister.

Die PR-Offensive hat sich gelohnt: Jetzt ist Lambsdorff zum Nachfolger der liberalen Vorzeigefrau Silvana Koch-Mehrin ernannt worden. Er übernimmt den Vorsitz der FDP-Delegation im Europaparlament und soll 2012 zum Vizepräsidenten der Straßburger Kammer aufsteigen. Die Metamorphose vom unscheinbaren Hinterbänkler zum liberalen Hoffnungsträger scheint perfekt - bis auf ein paar Hürden.

Da ist zum einen Alexander Alvaro, Lambsdorffs ehrgeiziger Brüsseler Rivale, mit dem er sich die frei gewordenen Spitzenämter teilen muss. Alvaro hat den prestigeträchtigen Posten im Präsidium der Bundes-FDP ergattert und Lambsdorff zumindest in Berlin auf Platz zwei verdammt. Und da ist zum anderen die europaskeptische Strömung in der FDP, die gegen EU-Hilfen an die "Pleite-Griechen" und gegen mehr Kompetenzen für Europa kämpft. Das sind zwei mächtige Gegner.

Doch für den gelernten Diplomaten, der auch schon mal für die Unternehmensberatung McKinsey und die EU-Kommission gearbeitet hat, sind das lösbare Aufgaben. Schließlich steht Lambsdorff nicht allein - er bringt ein ungewöhnlich dichtes Netzwerk an Kontakten im Berliner Außenamt, aber auch in Brüssel und Washington mit. Außerdem ist er ein überzeugter und überzeugender Europäer - einer der wenigen, die es in der FDP noch gibt.

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