Kyjiw rüstet sich für Winter: Vitali Klitschko muss sich gegen Vorwürfe wehren
Kyjiws Bürgermeister Klitschko kritisiert die ukrainische Regierung scharf. Nun steht er selbst unter Druck – wegen mangelnder Vorbereitungen auf den Winter.
Foto: Valentyn Ogirenko/reuters
Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko hat sich am Mittwoch vor dem ukrainischen Parlament gegen Vorwürfe verteidigt, die Hauptstadt sei unzureichend auf den Winter vorbereitet. Für die Wärme- und Wasserversorgung stünden knapp 700 Generatoren, 70 mobile Heizkessel und drei Dieselkraftwerke bereit. Zudem verfüge die Stadt über eine alternative Wasserentnahmestelle. Schulen und Krankenhäuser seien ebenfalls mit Notstromaggregaten ausgestattet, verteidigte sich Klitschko gegen die Vorwürfe. Er wiederum griff die Zentralregierung an, die einen Großteil zugesagter Gelder nicht an die Stadt Kyjiw überweise.
Klitschko zufolge sind neben Kyjiw auch andere ukrainische Kommunen von der Blockade staatlicher Zahlungen betroffen. Dies führe dazu, dass Projekte zur Verbesserung der Energieversorgung und zur Absicherung gegen Stromausfälle gestoppt oder verzögert würden. Zugleich beklagte er zunehmenden Druck. Über Strafverfahren würden Bürgermeister eingeschüchtert und die kommunale Selbstverwaltung geschwächt.
Am Dienstag war Klitschko vom Parlament zu einem Rechenschaftsbericht über den Stand der Vorbereitungen für den Winter aufgefordert worden. Klitschko, der seit 2014 als drei Mal gewählter Bürgermeister im Amt ist, sieht die Einladung im Rahmen einer Kampagne, ihn als Bürgermeister loszuwerden. Bereits rund 300 Bürgermeister seien, so Klitschko, aus vorgeschobenen Gründen aus dem Amt geflogen. Auszuschließen ist eine Entmachtung Klitschkos nicht. Sein Umgang mit den Problemen der Stadt stößt in der Bevölkerung auf Kritik.
Will man Klitschko loswerden?
Der 22-jährige Maxim arbeitet in einem kleinen Geschäft, in dem man Smartphones reparieren kann, auf der Uschynskoho-Straße, unweit des Tschokolivskyj-Boulevards weitab vom Zentrum der Hauptstadt. Sein Arbeitsplatz ist nicht an das U-Bahn-Netz angebunden. Er glaubt nicht, dass es bei den Vorwürfen gegen Bürgermeister Klitschko wirklich um eine schlechte Vorbereitung für den Winter geht. Vielmehr, so glaubt er, suche man einen Vorwand, einen potenziellen Konkurrenten des Präsidenten loszuwerden. „An den Vorwürfen ist was dran“, sagte er der taz. „Sehen Sie sich mal die Innenstadt an. Super, wie das alles glänzt. Und kommen Sie dann anschließend zu mir in die Uschynskoho-Straße.“ Da sei die Gegend verwahrlost.
Und dann sind da noch die zwei Sportplätze. „Zur Schule in der Uschynskoho-Straße gehört ein öffentlich zugänglicher Sportplatz.“ Nur selten trainieren dort Leute. „Und dann gehen Sie mal 200 Meter weiter, dahin, wo die Uschynskoho-Straße an die Donezk-Straße angegrenzt. Da wurde letztes Jahr ein neuer wunderbarer zweiter Sportplatz gebaut. Ich frage mich: Brauchen wir wirklich zwei Sportplätze in einer Straße? Möglicherweise hat sich da jemand noch ein Zubrot erworben.“ Und was ist aus den Versprechungen Klitschkos geworden, eine neue U-Bahn zu bauen, fragt er sich und antwortet selbst: „Nicht eine einzige neue U-Bahn-Station wurde unter Klitschko gebaut.“
Während in der ukrainischen Hauptstadt über die Vorbereitungen für die kommende Winterzeit gestritten wird, greift Russland weiter Kyjiw an. In der Nacht zu Mittwoch sind mindestens fünf Menschen getötet und 36 verletzt worden. Alle drei Heizkraftwerke der Stadt wurden getroffen. In Kyjiw kam es zu Notabschaltungen der Stromversorgung.
Auch die Ukraine zerstört die Energieinfrastruktur in den von Russland kontrollierten Gebieten. Gegenüber der taz berichtete eine Bewohnerin der Hauptstadt, die jede Woche mit ihrer Mutter im russisch besetzten Melitopol kommuniziert, dass es in Melitopol nach ukrainischen Angriffen immer wieder zu teilweise mehrtägigen Ausfällen der Stromversorgung komme.
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