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Kundgebung „Wir haben es satt“Agrardemo für Umweltschutz am 18. Januar in Berlin

Mit Traktoren, aber nicht gegen Umweltschutz: Die „Wir haben es satt“-Kundgebung kämpft für mehr Naturschutz – und faire Preise für die Bauern.

„Wir haben es satt“, Demonstration für die Agrarwende und den Tierschutz 2023 in Berlin Foto: serienlicht/imago

Berlin taz | Gut einen Monat vor der Bundestagswahl ruft das „Wir haben es satt!“-Bündnis zu seiner jährlichen Demonstration für eine bäuerliche und umweltfreundliche Landwirtschaft auf. Rund 60 Organisationen beispielsweise von Bauern, Umwelt- und Tierschützern wollen am 18. Januar unter der Leitfrage „Wer profitiert hier eigentlich?“ durch das Regierungsviertel in Berlin ziehen. Die Veranstalter haben bei der Polizei nach eigenen Angaben 10.000 Teilnehmer angemeldet. Manche sollen mit Traktoren kommen.

„Verbraucher*innen leiden unter hohen Lebensmittelpreisen und Bäue­r*in­nen kämpfen um ihre Existenz“, kritisierte das Bündnis am Donnerstag. Seit 2021 seien Nahrungsmittelpreise in Deutschland um rund 33 Prozent gestiegen – deutlich stärker als die Gesamtinflation von 20 Prozent. „Bei den Bäuer*innen, die unsere Lebensmittel erzeugen, kommt davon wenig an. Sie haben einen Anteil von durchschnittlich nicht einmal 15 Prozent der Bruttowertschöpfung.“ Allein in Deutschland mussten demnach mehr als 350.000 Höfe in den letzten 30 Jahren schließen. „Handel, Fleisch- und Milchindustrie machen derweil auch in Krisenzeiten gewohnt hohe Gewinne.“

Die neue Bundesregierung müsse stärker das Gemeinwohl und weniger Konzerninteressen berücksichtigen, verlangte das Bündnis. Um diese Forderung zu unterstreichen, führe der Protestmarsch unter anderem zum Sitz von Agrarverbänden, Handelskonzernen und global agierenden Agrarinvestoren. Das Bündnis fordert Gesetze für kostendeckende Erzeugerpreise und eine sichere Finanzierung von Tierschutz- und Umweltmaßnahmen.

„Die derzeitige Tierhaltung fördert zu wenig Tierwohl und gefährdet die menschliche Gesundheit durch übermäßigen Antibiotikaeinsatz. Zu viel Gülle auf den Feldern belastet Ressourcen wie Böden und Wasser“, sagte Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland. „Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss der Abbau der Tierzahlen jetzt konsequent vorangetrieben werden“, ergänzte Martin Kaiser, Chef von Greenpeace Deutschland. Lilli Haulle von der „jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ sprach sich gegen das Handelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten aus.

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