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Krise im WeinbauSeelsorge für Winzer

Vielen Weinbaubetrieben geht es schlecht. In Rheinhessen, Deutschlands größtem Weinbaugebiet, startet die Kirche nun eine eigene Winzerseelsorge.

epd | Die evangelische Kirche bietet jetzt ein eigenes Seelsorge-Telefon für Win­ze­r:in­nen an. Damit reagiert sie auf die tiefe Krise in Deutschlands größtem Weinbaugebiet, in Rheinhessen. Zwei pensionierte Theo­lo­g:in­nen besetzen das Sorgentelefon der hessisch-nassauischen Landeskirche (EKHN).

In Rheinhessen, Weinbaugebiet südlich von Mainz, sei die schwierige Lage überall in den Orten zu spüren, sagt die Mainzer Pröpstin Henriette Crüwell. „In jedem Kirchenvorstand sitzt bei uns mindestens ein Winzer“, erklärt die Ideengeberin für das Projekt. „Da ist eine Not, die uns vor die Füße gefallen ist.“ Es gebe inzwischen gar Anzeichen für eine erhöhte Suizidrate im Weinbau.

20 bis 30 Prozent der Betriebe könnten als Folge der aktuellen Krise ganz aufgeben, lautete eine Prognose der Mainzer Landesregierung aus dem vergangenen Jahr. Die Nachfrage nach Wein ist in Deutschland und anderen europäischen Staaten zuletzt stark zurückgegangen. Zugleich hätten sich etwa Energie und Dünger drastisch verteuert, sagt Verbandssprecher Andreas Köhr. Vor allem Betriebe, die kaum oder keinen eigenen Flaschenwein herstellen, sondern ihre Trauben an Großproduzenten liefern, seien betroffen.

„Manche, die auf den Export nach Amerika gesetzt haben, gehen jetzt in die Knie“, sagt die ehemalige Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator, eine der beiden Winzer-Seelsorgerinnen. Sie arbeitet wie ihr Kollege ehrenamtlich, um das Beratungsangebot möglichst niedrigschwellig zu halten. Manche Winzer stehen ohne Altersvorsorge dar, weil die von Pachteinnahmen für ihre Weinberge abhängt. Auch ein auskömmlicher Ruhestand durch den Verkauf des Betriebs ist nicht mehr garantiert.

Bei der Frage, ob das eigene Weingut noch fortgeführt werden soll, gehe es um mehr als um Gewinn- und Verlustrechnungen. „Man kann so etwas nicht allein betriebswirtschaftlich entscheiden“, sagt die Pfarrerin. Viele Familienbetriebe bestehen seit Generationen. Niemand wolle derjenige sein, der alles abwickelt. Hier kommt die Kirche mit ihrer Seelsorge ins Spiel – um verzweifelten Winzern Mut zu machen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen, über familiäre Rollenbilder zu sprechen oder über die Frage, ob ein Winzersohn automatisch auch Winzer werden muss

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