Krieg in Nahost: „Metro“ unter Beschuss

Israel setzt seine Angriffe auf die Tunnelsysteme der Hamas fort. Die Terrororganisation schießt weiter mit Raketen. Mittlerweile sind mehr als 200 Menschen gestorben.

Rauchwolken über Gaza-Stadt

Bislang kein Ende in Sicht: Artilleriefeuer auf Gaza am Sonntag Foto: Bashar Taleb/apa

GAZA/TEL AVIV ap/dpa/taz | In einer dritten Angriffswelle hat das israelische Militär erneut das ausgedehnte Tunnelsystem der islamistischen Hamas im Gazastreifen beschossen. An dem Einsatz seien 54 Kampfflugzeuge beteiligt gewesen, attackiert worden seien 34 Ziele, teilte die Armee am Montagmorgen mit. Getroffen worden seien etwa 15 Kilometer des sogenannten Metro-Systems. Auch Häuser von neun hochrangigen Hamas-Kommandeuren wurden in der Nacht beschossen.

Nach Angaben der Armee hatte die Hamas das System über Jahre aufgebaut. Es dient unter anderem dem Schutz von Kämpfern und deren schneller Verlegung. Die „Metro“ liegt zu großen Teilen unter der Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens. Ein Sprecher bezeichnete sie als „Stadt unter der Stadt“.

Militante Palästinenser setzten derweil ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. Betroffen waren in der Nacht und am Montag vor allem an den Gazastreifen grenzende Gebiete sowie die Städte Aschkelon und Beerscheva.

Dabei wurden seit dem 10. Mai zehn Israelis getötet, weitere 280 wurden verletzt. Auf palästinensischer Seite starben mindestens 197 Menschen, darunter mindestens 58 Kinder. Mehr als 1.200 Menschen wurden dort verletzt. Augenzeugen berichteten am Wochenende von den bisher schwersten Angriffen auf den Gazastreifen.

UN-Warung vor unkontrollierbaren Folgen

Nach UNRWA-Angaben verließen bislang rund 42.000 Palästinenser wegen der massiven israelischen Luftangriffe ihre Häuser. Sie suchten Schutz in Schulen des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA). Mehr als 2.500 Menschen sind nach der Zerstörung ihrer Häuser obdachlos geworden.

Internationale Bemühungen um eine Deeskalation des jüngsten Konflikts waren bislang nicht erfolgreich. So telefonierten etwa die Sondergesandten des Nahost-Quartetts aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU miteinander.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag gesagt: „Unsere Kampagne gegen die Terrororganisationen wird mit voller Wucht fortgesetzt.“ UN-Generalsekretär António Guterres warnte zuletzt vor unkontrollierbaren Folgen des Konflikts für den gesamten Nahen Osten. Für Dienstag war eine Sonderberatung der EU-Außenminister geplant.

Der Konflikt hatte sich in den vergangenen Tagen ausgeweitet: Im Westjordanland gab es Zusammenstöße von Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen mit israelischen Sicherheitskräften mit mehreren Toten.

Zwischenfälle ereigneten sich auch an Israels Grenzen zum Libanon und zu Syrien. Aus beiden Ländern wurden Raketen auf Israel abgefeuert, die aber keine Schäden anrichteten. Der Konflikt griff auch auf arabisch geprägte Orte in Israel über. In mehreren Städten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Juden und arabischen Israelis.

Fast eine Woche nach Beginn des Beschusses haben militante Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen nach Angaben der israelischen Armee rund 3.150 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Etwa 460 der abgeschossenen Raketen seien noch in dem Küstengebiet selbst niedergegangen, teilte das Militär am Montag mit. Das Abwehrsystem Eisenkuppel („Iron Dome“) habe eine Abfangquote von etwa 90 Prozent.

Zum Vergleich: Während des 51-tägigen Gaza-Krieges im Jahr 2014 wurden insgesamt 4.481 Raketen auf Israel abgefeuert. Zur Zahl der Angriffe Israels im Gazastreifen gab es am Morgen zunächst keine aktuellen Zahlen.

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