Kosten von Bestattungen: Nicht mal im Tod sind wir gleich

Eine Bestattung kostet mehrere tausend Euro. Viele können sich das gar nicht leisten. Wieso wird auch noch beim Sterben mit zweierlei Maß gemessen?

Eine Urne wird von einem Bestatter am Grab beigesetzt

Die Bestattung wird vom Sozialamt bezahlt. Oft stehen, wie hier, keine Angehörige am Grab Foto: Rolf Zöllner/imago

Zeig mir dein Grab und ich sag dir, wer du bist. Es gibt ja diese Plattitüde, dass wir im Tod alle gleich seien. Das kann nur sagen, wer weder arm gelebt hat noch arm sterben wird. Denn auch Sterben muss man sich leisten können. Wenn nicht, wird es richtig unangenehm.

Bestattung ist Privatsache, zumindest seit 2004 das von den Krankenkassen gezahlte Sterbegeld abgeschafft wurde. Wer eine Bestattung nicht stemmen kann, hat die Möglichkeit, eine Sozialbestattung zu beantragen. Das Amt übernimmt dann Gebühren für Leichenschau, Kremation und Grabstätte. Doch wer glaubt, für den gerade verstorbenen Papa ein Plätzchen unter seinem Lieblingsbaum aussuchen zu können, irrt. Stattdessen muss es das nächste freie Reihengrab mit Holzkreuz oder der billigsten Grabplatte sein.

Berliner Bestatter*innen bekommen vom Amt eine Pauschale von 750 Euro – die für die Versorgung der Toten, das Einbetten, den Sarg und die Ausrichtung der Trauerfeier reichen muss. Trauerrede, Musik, Blumenschmuck? Das Gesetz sagt dazu: „Als angemessen gelten die Kosten und Gebühren für einfache, aber würdige Erd- oder Feuerbestattungen.“ Doch was heißt „würdig“? Ist dieser Begriff wirklich so dehnbar, dass für einen armen Menschen reichen muss, was ansonsten mehrere tausend Euro kostet?

Unbefriedigend und untauglich

Der Berliner Bestatter Julian Heigel ist vor einigen Jahren damit angetreten, jede Sozialbestattung zu übernehmen, die an ihn herangetragen wird – ein fast unmögliches Unterfangen, wenn man für Angehörige eine individuelle Trauerfeier ausrichten möchte und dabei nicht draufzahlen will. Im besten Fall, sagt Heigel, bleiben für ihn 50 bis 100€ brutto übrig, für rund 15 Stunden Arbeit. In den meisten Fällen leistet er das als Ehrenamt.

Zudem müssen Bestatter*innen in Vorleistung gehen, während das Sozialamt einen entsprechenden Antrag prüft. Das dauert oft Monate – und wenn der Antrag am Ende abgelehnt wird, kann es sein, dass man auf den Kosten sitzen bleibt.

„Die bisherige Praxis ist unbefriedigend und untauglich. Sie führt dazu, dass mit trauernden Angehörigen über die Finanzierung der Bestattung gesprochen werden muss anstatt über Inhalte und Trauerarbeit“, heißt es in einer Stellungsnahme des Verbands unabhängiger Bestatter. Es sind solche Umstände, die selbst hoch engagierte Bestatter*innen wie Julian Heigel zurückhaltender werden lässt.

Überhaupt: Sollte der Staat sich auf das Engagement einzelner Unternehmer*innen verlassen? Verdient nicht jeder Mensch eine würdevolle Bestattung, die nicht mit zweierlei Maß gemessen wird? Von den Folgen für die Angehörigen, denen ein selbstbestimmter Abschied verwehrt bleibt, ganz zu schweigen. Gleichheit im Tod würde voraussetzen, dass wir die soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft angehen. Davon sind wir noch einige Leben weit entfernt.

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Caroline Kraft schreibt als freie Autorin u.a. für Zeit Online und das Missy Magazine. Ihre Kolumne "Schluss jetzt" erscheint alle drei Wochen in der taz. Sie ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und chronische Bestatterpraktikantin. Zusammen mit Susann Brückner betreibt sie den Podcast "endlich. Wir reden über den Tod"

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