Kongo-Kultfan darf nicht in die USA: Kein Visum für afrikanische Freiheitsstatue
Der Lumumba-Imitator, der in den WM-Stadien an den kongolesischen Freiheitskämpfer erinnern will, ist in den USA unerwünscht. Warum nur?
Foto: Eloisa Sanchez/reuters
In die USA kommt man bekanntlich immer schwieriger. Tote Geister, die unselige Erinnerungen wecken, wollen die US-Behörden offenkundig erst recht nicht mit Einreisepapieren versorgen. Schließlich verkörpert dieser Kultfan Michel Nkuka Mboladinga just jenen kongolesischen Freiheitskämpfer und ersten demokratisch gewählten Präsidenten, der mit Unterstützung des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA ermordet wurde. Die Angst war damals groß, dieses rohstoffreiche Land könnte kommunistisch werden und so starb Patrice Lumumba 1961 schon im Alter von 35 Jahren.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Mboladinga, der sich selbst als Künstler und Entertainer bezeichnet, verkörpert Lumumba nun schon seit 2013 in Fußballstadien überall auf der Welt und ist zum Maskottchen und Glücksbringer dieses Teams geworden, das sich erstmals seit 1974 wieder für eine WM qualifizieren konnte. Die Verantwortlichen des Nationalteams und angeblich auch die Regierung der Demokratischen Republik Kongo unterstützen Mboladinga, damit er bei dieser WM überall dabei sein kann.
Zum historischen 3:1-Erfolg gegen Usbekistan am Sonntag wurde ihm die Einreise nach Atlanta trotzdem verwehrt. Beim ersten WM-Auftritt der DR Kongo scheiterte der Lumumba-Imitator noch an den kurzfristig strengeren Ebola-Einreisebestimmungen in den USA. Das zweite Spiel fand zu seinem Glück im mexikanischen Guadalajara statt. Weshalb er bei diesem dritten Spiel in den USA nicht dabei sein durfte, ist bislang unklar. Offizielle Erklärungen gibt es nicht. Vielleicht hat man dieses Mal schnell die Lex Lumumba erfunden. Eine lebendige afrikanische Freiheitsstatue, die an düstere US-Geschichte erinnert, holt man sich vermutlich nach Möglichkeiten lieber nicht ins eigene Land.
Die kongolesische Botschafterin in Washington, Kapinga Yvette Ngandu, gibt die Hoffnung nicht auf. Sie erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, sie hoffe, dass er dann für die K.o-Runde doch noch ein Visum erhalten werde. Dieses Spiel ist erneut in Atlanta am Mittwoch angesetzt.
Sollte das so sein, würde Lumumba in einem farbenfrohen Anzug das ganze Spiel über statuengleich seinen rechten Arm im rechten Winkel nach oben recken. So wie die steinerne Version von Lumumba in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo. Für seine Ausdauer wird er überall bewundert. Sollte es Verlängerung geben, würde er gewiss 120 Minuten eisern an Lumumba erinnern. Kaum denkbar, dass die US-Einreisebehörden das wirklich wollen. Zumal Mboladinga diesem Lumumba auch noch verdammt ähnlich sieht.
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