piwik no script img

Kommentar Wildtierverbot im Zirkus Der Druck steigt

Andrea Maestro

Kommentar von

Andrea Maestro

Die Forderung nach einem Wildtierverbot in der Manege ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Das wird nun auch die CDU auf Bundesebene merken.

N och vor hundert Jahren war es für die ganze Familie ein aufregender Zeitvertreib, sich am Sonntagnachmittag im Zoo „Menschenrassen am Nil“ anzuschauen. In den USA stellten Freakshows Menschen mit Behinderung aus, um den Betrachter*innen einen Schauder über den Rücken laufen zu lassen. Es hat gedauert, bis dieses Unterhaltungsprogramm, das die Menschen und ihre Würde verachtete, gesellschaftlich geächtet wurde.

Ich möchte die Situation dieser Menschen und ihr großes Leid nicht mit dem von Tieren vergleichen. Was sich aber vergleichen lässt, ist die veränderte Stimmung in der Gesellschaft. Elefanten, die auf einem kleinen Podest balancieren, Robben, die einen Ball auf der Nase drehen lassen: Das gehört zum Erlebnis Zirkus dazu – oder etwa nicht mehr?

Die Forderung nach einem Wildtierverbot in der Manege wird nicht mehr nur von radikalen Tierschützer*innen gestellt. Sie ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Dass nun mit Schleswig-Holstein auch ein CDU-geführtes Bundesland weiße Tiger, jonglierende Affen und fahrradfahrende Braunbären im Zirkus verbieten will, ist bemerkenswert, denn im Bund blockiert die CDU das Wildtierverbot. Der Druck steigt.

Es kann aber nur ein erster Schritt sein. Auch Hunde oder Pferde haben im Zirkus nichts zu suchen. Die laute Musik, das grelle Licht, die langen Transporte stressen jedes Tier. Dass die Umstellung gelingen kann, hat der Circus Roncalli bewiesen. Seit diesem Jahr treten dort nur noch Menschen auf. Unterhaltung verändert sich, genau wie Gesellschaften. Im Jahr 2018 sollten wir uns nicht mehr auf Kosten anderer amüsieren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andrea Maestro

Andrea Maestro Redaktionsleiterin taz.nord

War bis Dezember 2022 Redaktionsleiterin der taz nord. Davor Niedersachsen Korrespondentin der taz. Schwerpunkte sind Themen wie Asyl und Integration, Landwirtschaft und Tierschutz.
Mehr zum Thema

0 Kommentare