Kommentar Umweltpolitik : Her mit der neuen Erzählung!
Die Umfragewerte der SPD sind im Keller. Eigentlich eine gute Gelegenheit, in Sachen Umwelt auf postfossile Energien umzustellen.
1 6.100, 5.400, 14 – welche Zahl passt nicht in diese Reihe? Gemeine Frage, so richtig haben sie nichts miteinander zu tun, aber irgendwie doch. 16.100 Ladepunkte für Elektroautos gibt es nämlich in Deutschland, ein deutlicher Zuwachs. 5.400 Kilometer Schienenstrecke hat die Bahn in den vergangenen 25 Jahren stillgelegt. Und bei 14 Prozent ist die SPD inzwischen in Wahlumfragen angekommen.
14 Prozent, da könnten die Sozialdemokraten doch mal anfangen, kreativ zu brainstormen. Und dabei auf die Idee kommen: Wir, die stolze Partei der Arbeiter in der fossilen Industrie – in den Auto-, Kohle-, Chemiekonzernen –, brauchen nun, am Ende des fossilen Zeitalters, eine neue Erzählung. Eine postfossile quasi. Denn zwar werden angesichts der wachsenden Weltbevölkerung, des Zuges der Menschen in die Städte und des Klimawandels fossile Rohstoffe wie Öl und Kohle schneller verschwinden als gedacht. Autos mit Verbrennungsmotoren oder Kohlekraftwerke sind schneller Schnee von gestern, als die Bundesregierung „Ausstiegsdatum“ buchstabieren kann.
Aber die Fragen der postfossilen Wirtschaft sind haargenau die gleichen, die die Sozialdemokraten schon ihre ganze, lange Geschichte begleiten. Was bedeutet gute Arbeit? Wie kann die Teilhabe von Belegschaften an Unternehmensentscheidungen organisiert werden? Wie lässt sich Wohlstand gerecht verteilen? Wie können Menschen mit geringer Qualifizierung teilhaben an der hohen Wertschöpfung in High-Tech-Firmen? Allerdings, und hier kommt der Zahlensalat vom Anfang ins Spiel: Die beschriebenen Megatrends Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimawandel erfordern neue Technologien und Konzepte.
Erneuerbare Energien und Rohstoffe in der Industrie, weniger Tierhaltung und Tierfutterproduktion in der Landwirtschaft, ein nachhaltiger Konsum durch lange Nutzung und Mehrweg. Mehr Bahn, mehr Fahrrad, weniger Auto. Die SPD müsste sich nur das Verkehrs- und das Landwirtschaftsministerium schnappen und nachhaltige Politik für die Zukunft machen. Und schon könnte man wieder mit ihr rechnen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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