Kommentar US-Strategie in Venezuela : Washingtons Regime in Caracas
Auch ohne Sympathien für Maduro: US-amerikanischer Interventionismus und Imperialismus erleben gerade eine unschöne Wiedergeburt.
W enn sich ein Oppositioneller umgeben von schwer bewaffneten Männern vor Kameras stellt und das Militär seines Landes auffordert, die Waffen gegen ihre Regierung zu richten und sie zu stürzen, ist das ein Putschversuch. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser von Erfolg gekrönt ist, oder ob er scheitert, wie der jüngste Anlauf von Juan Guaidó, die Macht in Venezuela zu ergreifen.
In Washington und New York aber heißt das anders. Dort hat eine ganz große Allianz dekretiert, dass es in Venezuela keinen Putschversuch gibt, sondern „demokratischen Protest“, einen „Aufstand“ gegen die Regierung. In dieser Position und in dieser Semantik sind sich in den USA all jene einig, die sich ansonsten untereinander bitter bekämpfen: von Präsident Donald Trump über die Republikanische Partei und die Demokratische Partei bis zu den großen Medien. Die US-Öffentlichkeit, die mit Ausnahme winziger Minderheiten weder eine Ahnung von noch eine Meinung zu dem hat, was im Rest der Welt geschieht, schaut schulterzuckend zu.
Im langen Vorspiel zu dem Drama, das sich jetzt auf den Straßen von Venezuela abspielt, hat Washington den Konflikt in dem südamerikanischen Land, das einige der größten Ölvorräte der Welt hat, immer weiter verschärft. Zuletzt verhängte die Trump-Regierung Sanktionen, die den Rest der Gesundheitsversorgung in Venezuela zum Zusammenbruch brachten, und gab Männern in Washington die Federführung in der Venezuela-Politik, die bekannt sind für ihren Bellizismus und ihren Interventionismus. Darunter Elliott Abrams, der schon bei der Iran-Contra-Affäre in den 80er Jahren in Nicaragua eine zentrale Rolle gespielt hat, und John Bolton, einer der Architekten des Irakkriegs von 2003.
Es ist keine Sympathie mit der Regierung in Caracas nötig, um zu verstehen, dass Washington gerade dabei ist, sich sein eigenes Regime in Venezuela aufzubauen. Trumps Wahlkampfgerede vom Ende des Regimewechsels ist vergessen. Jetzt sind die alten Mechanismen von Interventionismus und Imperialismus am Werk.
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