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Kommentar Skandal Chinas KP Prinzlinge fressen die Partei

Sven Hansen

Kommentar von

Sven Hansen

Chinas Zensoren versuchen die Skandale ihrer Kadersprösslinge zu vertuschen. Nicht einfach in Zeiten von Machtkämpfen. Ein Hoch auf den Parteitag.

D ie in China „Prinzlinge“ genannten Kinder hoher KP-Kader haben einen sehr schlechten Ruf. Oft verhalten sie sich wie Playboys, werfen mit Geld um sich und stellen sich siegesgewiss über das Gesetz.

Notfalls werden ihre mächtigen Eltern sie schon decken. Das Einparteiensystem macht die Kadereltern nur ihresgleichen gegenüber rechenschaftspflichtig. Und weil die Kader das Interesse eint, dem Ansehen der Partei und damit der eigenen Macht nicht zu schaden, werden möglichst viel Skandale unter den Teppich gekehrt.

Doch das ist zurzeit nicht mehr so leicht. Zum einen ist das bisherige Informationsmonopol der KP löchrig geworden. Zwar gibt sich die Zensur redlich Mühe und indiziert momentan selbst das Wort „Ferrari“. Aber mit der chinesischen Twitter-Variante Weibo können Infos manchmal so schnell verbreitet werden, dass die Zensoren nicht hinterherkommen.

Sven Hansen

ist Auslandsredakteur der taz.

Zum anderen sorgt der Machtkampf kurz vor dem 18. Parteitag, auf dem es zum Generationswechsel kommen soll, gelegentlich für Transparenz. So wird selektiv schmutzige Wäsche gewaschen, wenn damit im Machtkampf einem Konkurrenten geschadet werden kann. Dann werden die Prinzlinge, wie jetzt der im Ferrari verunglückte Sohn vom Politbürokandidaten Ling Jihua, plötzlich zum Elternrisiko.

Die Playboys höhlen also das Machtmonopol der KP aus. Es wäre schön, wenn immer Parteitag wäre. Doch die meisten Menschen in China dürften auch so mit jedem weiteren Skandal verstehen, dass die KP kontrolliert und ihr Monopol aufgehoben gehört. Denn das ist genau der Unterschied zu demokratischen Staaten. Machtmissbrauch von Politikern kennen natürlich auch sie. Aber dort können die Bürger die Politiker selbst abstrafen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sven Hansen

Sven Hansen Auslandsredakteur (Asien)

Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
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5 Kommentare

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  • I
    ifabitch

    "...Aber dort (*in unseren demokratischen Staaten) können die Bürger die Politiker selbst abstrafen."

    Naja, in Amerika ist, aufgrund der Anti Terror maßnahmen und im Namen der Staatssicherheit, ALLES unter Verschluss. Bei uns bekommen unsaubere Politiker eine extravagante Rente inkl. einer Abfindung mit Dienstwagen & dazugehörigem Fahrer oder kriegen einen lukrativen Diplomatenposten in Afrika! Gebrochene Wahlversprechungen sind mittlerweile so sehr die Norm, daß Politiker sich mit dieser Norm rechtfertigen & zum Verhängnis wird höchstens die spontan geäußerte Meinung oder der Rücktritt aufgrund relativer Kleinigkeiten!

  • JZ
    jan z.

    ...fast so wie bei den "Prinzlingen" der Windsor-Sachsen-Gotha-Koburg-Hanover in "Great Britain"...

  • W
    wauz

    Sven Hansen lebt wohl schon lange in China. Nur so ist zu erklären, dass er tatsächlich glaubt, außerhalb Cinas könnten "Bürger" den Machtmissbrauch von staatlichen Eliten stoppen oder bestrafen.

  • MD
    Marktkonformer Demokrat

    @Kein Kunde:

    Hervorragend, so ist es!

     

    Anderseits gehört dem Kapitalismus nach dem "Singapurer Modell" ja sowieso die Zunkunft, da reicht dann auch wieder eine Partei. Ist ja auch effizienter und so. Und in einer so musterhaft marktkonformen Demokratie kann sich unsere herrschende Klasse dann noch viel besser am Volk bereichern.

    Da kann man den kleinen Prinzen dann auch ruhigen ihren Auslauf gönnen, sollen sich ja die Hörner abstoßen, bevor sie Leistungsträger werden.

  • KK
    Kein Kunde

    Da hätte ich einen Tipp für die KP.

     

    Aufsplitten und mit 5 neuen Namen neu beginnen.