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Kommentar Schalkes TrainerLob des Jensemanns

Kommentar von

Stefan Osterhaus

Trainer Jens Keller ist ein bewundernswerter Verstellungskünstler. Er mimt den Schwachen und schlägt dann erbarmungslos zu.

J ens Keller, das sei vorangestellt, bevor es gleich ausführlich um den Übungsleiter des FC Schalke 04 gehen soll, ist: super. Zwar bin ich mir im Klaren darüber, dass wahrscheinlich außer Frau Keller und K.-P. Boateng von Korschenbroich bis Wladiwostok nur eine verschwindend geringe Minderheit meine Auffassung ohne Androhung harter Zwangsmaßnahmen teilen wird. Aber das soll uns nicht kratzen.

Keller steht ja in dem Ruf, ein schwacher Trainer zu sein. Wir sollten uns mal ansehen, warum das so ist. Sicher, er sagt Sätze wie: „Das war heute ein gebrauchter Tag, den wir so nicht gebrauchen konnten.“ Und auch die Freiheiten, die er K.-P. Boateng lässt, sind ihm als Schwäche ausgelegt worden.

Keller gilt als Mann, der sich hinter der Mannschaft versteckt. Ich halte das für Quatsch. Gewiss ist seine Rhetorik manchmal nicht die eleganteste, auch formuliert er defensiv, wie ein Regierungssprecher unter dem massiven Einsatz von Tranquilizern. Und wenn er mal offensiv formuliert, dann geht es schnell daneben: Heute fährt Keller nach Dortmund, das ist nicht irgendein Spiel für den Jensemann. Das ist „die Mutter aller Derbys“.

Aber gehen wir mal in die Analyse. Dass er sich freut, robuste Kerls wie den Prinzen in der Mannschaft zu haben, spricht doch eher dafür, dass er als bockstarker Trainer in der Lage ist, Verantwortung an diejenigen zu delegieren, die in der Lage sind, diese zu tragen. Und was sein etwas eigenwilliges Auftreten betrifft, diesen Blick, der von Weitem wie von Nahem einem Hush Puppie ähnelt und der dem Gegner signalisiert: „Gegen mich geht immer was!“ Das ist nichts weiter als die Mimikry des erbarmungslosen Kriegers. Insgeheim ist Keller ein Macho, der seinen Gang an die Spitze minutiös plant. Er lauert, er kauert, er wartet. Er hat nur wenige Mitwisser, ja im Grunde ist er die One-Man-Gang der Bundesliga.

Wann immer ihn seine Kritiker sturmreif geschossen wähnen: Keller haut einen raus. So war das gegen Chelsea. So war das gegen die Bayern. Und so war das auch gegen den HSV. Jetzt geht es nach Dortmund. Wer die Logik der Ergebnisse betrachtet, der muss Keller als Favoriten ansehen, als Strategen, der den Augenblick auf seine Seite zu ziehen weiß.

„Dieser furchtbare Trainer“, sagt die Kollegin am Telefon. Was nach einem bösen Ressentiment einer Expertin klingt, ist nichts als die blanke Wahrheit. Keller ist tatsächlich für den Gegner ein furchtbarer Widersacher. Denn er hat die Täuschung perfektioniert. Wenn er scheinbar torkelt, ist höchste Vorsicht angezeigt. Denn dann lässt er die Maske fallen und schlägt unerbittlich zu. Um gleich wieder völlig kalt und gelassen in den alten Betriebsmodus zu verfallen.

Zweifel? Ach was! Die Zahlen sprechen klar und eindeutig für ihn. Zweimal hintereinander in der Champions League. Jetzt, da können wir uns sicher sein, hat er es auf die Bayern abgesehen. Aber erst mal steht ihm der Dortmunder noch im Weg. Jürgen Klopp sollte aufpassen, denn wer weiß, was der alte Revolverheld noch so in der Trommel hat. Und jetzt alle: Jeeens Kellleeeer!     

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2 Kommentare

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  • Wäre Jens Keller heute nach Dortmund gefahren, hätte er wohl allein im Stadion gestanden. Und Werder Bremen und der HSV sind zwar beide "Nordklubs" in Hansestädten, aber die zu verwechseln ist ähnlich übel wie Schalke mit dem BVB zu vertauschen.

     

    Auch wenn's ein "Kommentar" mit Augenzwinkern ist: ein prüfender Blick auf den Schalker Spielplan würde das Ganze weniger ahnungslos wirken lassen.

  • Dann ist Jens Keller wohl der wahre Buddhist in der Bundesliga!