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Kommentar Razzia bei GaskonzernenÜberfällig, aber mit fraglichem Nutzen

Bernward Janzing

Kommentar von

Bernward Janzing

Wenn sich soviel Macht auf einen Akteur, nämlich Gazprom, konzentriert, ist es sinnvoll, dessen Akten genau zu prüfen. Doch der Nachweis eines Preisdiktats ist knifflig.

K eine Frage, die Razzia bei Gazprom und vielen seiner Vertragspartner, war überfällig. Denn der Gasmarkt ist in Europa der undurchschaubarste der Energiemärkte überhaupt, nicht zuletzt weil sich hier viel Macht bei einem Akteur, nämlich Russland, ballt.

Der Ölmarkt hingegen ist, auch weil er nicht an Leitungen und damit bilateralen Verträgen hängt, zumindest ein wenig übersichtlicher. Und der Strommarkt, der in Europa von vielen Akteuren geprägt wird, ist im Vergleich gar ein Ausbund an Transparenz.

Klare Sache also, dass die EU sich den Gassektor einmal vornehmen musste. Denn eine EU, deren Glaubensbekenntnis – ob man es nun gut findet oder nicht – vor allem auf der kompromisslosen Marktfreiheit fußt, kann Wettbewerbsverstöße nicht tolerieren. Und dass eine Gazprom, die aufgrund ihrer Rohstoffbasis vor Kraft strotzt, der Verlockung unterliegen könnte, ihre Position auszunutzen, ist nun kein allzu fern liegender Gedanke.

Bernward Janzing

ist Autor der taz. Er schreibt seit Jahren über den Energiemarkt, Umweltpolitik und die Erneuerbaren Energien.

Gleichwohl: Die Ermittlungen sind keine Vorverurteilung. Und es ist fraglich, ob man am Ende wirklich Verstöße wird nachweisen können. Denn in einem Markt, der mit begrenzten Rohstoffen agiert, ist es grundsätzlich schwer zu ermitteln, wer an hohen Preisen schuld ist.

Ist der Monopolist verantwortlich zu machen, indem er vorsätzlich an der Preisschraube dreht? Oder ist es schlicht die Verknappung, die ganz strikt nach den Regeln des Marktes den Preis treibt? Wenn an Tankstellen zur Ferienzeit Benzin teurer wird, kann man dies schließlich auch mit der Marktreaktion erklären, dazu braucht es keine Absprachen.

Was folgt daraus für den Gasmarkt? Vor allem eines: Das politisch prominent beworbene russische Gas braucht in Mitteleuropa mehr Konkurrenz: etwa durch verflüssigtes Erdgas, das per Schiff aus Übersee kommt, aber viel mehr noch durch Erdgas, das mit überschüssigem Ökostrom synthetisiert wird.

Und nebenbei bemerkt: Auch jeder Verbraucher, der mit Sonnenwärme statt Gas duscht und heizt, stutzt die Macht der Gazprom – vermutlich wirksamer als es jede EU-Razzia vermag.

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Bernward Janzing

Bernward Janzing

Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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1 Kommentar

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  • H
    Hanno

    "etwa durch verflüssigtes Erdgas, das per Schiff aus Übersee kommt"

     

    Was schwebt da genau vor? Schiefergas aus den USA oder Kohleflözgas aus Australien?

     

    Ich empfehle, sich den Gasboom in Übersee etwas genauer anzuschauen, bevor man so etwas sagt.

     

    (der Verweis auf Methansynthese ist richtig, allerdings gibt's die Technologie bislang leider nur in kleinem Labormaßstab)