Kommentar Klimaschutz und Ernährung : Fleisch muss teurer werden
Die Erzeugung einer Kalorie aus Fleisch verursacht weit mehr Treibhausgasemission als eine pflanzliche Kalorie. Es braucht eine andere Steuerpolitik.
W enn die Bundesregierung das Klima schützen will, kommt sie an Einschnitten in der Land- und Lebensmittelwirtschaft nicht vorbei. Unsere Ernährung verursacht nun einmal ein Viertel aller Treibhausgase in Deutschland. Deswegen ist der Widerstand von CDU und CSU gegen effizienten Klimaschutz in dieser Branche vor allem eines: ignorant.
Das gilt auch für den Einwand von Agrarminister Christian Schmidt, die Landwirtschaft könne ihre Emissionen bis 2050 nicht halbieren, weil sie unser Essen produziere. Natürlich soll sie uns weiter ernähren. Aber wir müssen keineswegs so viel Fleisch essen wie derzeit üblich. Schließlich verzehren Männer in Deutschland im Schnitt fast doppelt so viel wie die von Ernährungswissenschaftlern empfohlenen maximal 600 Gramm pro Woche.
Dabei verursacht die Erzeugung einer Kalorie Fleisch weit mehr Treibhausgasemission als eine pflanzliche Kalorie. So viel Fleisch ist erwiesenermaßen gesundheitsschädlich und auch wegen des Futteranbaus auf ehemaligen Regenwaldflächen in Südamerika sehr umweltschädlich.
Deshalb sollte der Staat dazu beitragen, dass der Fleischkonsum auf ein vernünftiges Maß sinkt. Da Fleisch oft sogar billiger ist als pflanzliche Lebensmittel, muss es verteuert werden. Zum Beispiel, indem der Bund die Mehrwertsteuerermäßigung für tierische Lebensmittel streicht. 19 statt 7 Prozent sollten auch fürs Schnitzel fällig werden. Dann würden die Verbraucher – das legen Studien nahe – bis zu 10 Prozent weniger kaufen.
Das Argument, diese Steuererhöhung wäre sozial ungerecht, zieht nicht. Denn gleichzeitig könnten mit den höheren Einnahmen aus der Mehrwertsteuer die Hartz-IV-Regelsätze erhöht und Geringverdiener steuerlich entlastet werden.
Natürlich würden diese Entlastungen die Mehrkosten für die Haushalte nicht völlig kompensieren. Aber das muss ja auch so sein, wenn die Deutschen weniger Fleisch essen sollen. Wer jeden Abend im Sommer billiges Schweinefleisch auf den Grill wirft, vergisst zu leicht: Dafür ist ein Tier getötet worden, die Umwelt hat gelitten, und Bauern mussten lange hart arbeiten. Erst wenn Fleisch wieder den Preis hat, den es verdient, wird es angemessen wertgeschätzt.
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