piwik no script img

Kommentar Aussage von James Comey Hoffen auf mehr Stoff

Barbara Junge

Kommentar von

Barbara Junge

Sitzungen wurden verschoben, Public Viewings angesetzt. Weite Teile Amerikas hängen an Comeys Lippen. Er erfüllt die Erwartungen.

W ie weit haben sich die politischen Parameter in den Vereinigten Staaten in diesem knappen halben Jahr der Ära Trump schon verschoben?

Da sitzt der gerade geschasste FBI-Direktor James Comey vor einem Kongressausschuss, er legt Zeugnis ab über seine Gespräche mit Präsident Donald Trump zu den Russland-Verstrickungen. Es ist jener geschasste FBI-Direktor, der die Niederlage von Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen durch Aussagen zu ihrem E-Mail-Account zumindest nicht verhindert hat, um das ganz vorsichtig zu sagen. Und jetzt? Da hängen weite Teile der Öffentlichkeit Amerikas und nicht zuletzt Europas an Comeys Lippen und saugen begierig jede Aussage über Trumps Lügen, Erpressungen und Drohungen auf, als ob es Sauerstoff sei.

Sitzungen wurden verschoben, Public Viewings angesetzt, jedes große Medium war am Donnerstag 10 Uhr Ortszeit mit Livestream oder Live-Blog am Start. Die Aussage Comeys war ein Muss auf der Agenda insbesondere derjenigen, die jeden Tag wünschen, hoffen und vielleicht auch dafür kämpfen, dass dieser Präsident früher als in vier Jahren einmal Vergangenheit sein könnte. Comey erfüllt die Erwartungen. Er bezichtigt den amtierenden Präsidenten der Lüge, Trump habe über die Gründe für Comeys Entlassung die Unwahrheit gesagt. „Es ist Lüge, reine Lüge.“ Wieder und wieder vermittelt der ehemalige FBI-Chef, wie man es aufzufassen habe, wenn der Präsident im Oval Office die Hoffnung ausdrückt, dass eine gewisse Ermittlung fallen gelassen werden solle.

Und während die republikanischen Senatoren Comey verbal in die Ecke zu treiben versuchen, gieren die Demokraten nach mehr Stoff aus dem Hause Trump. Es ist, als ob die Demokratischen Staaten von Amerika kurz vor dem Er­stickungstod stünden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Barbara Junge

Barbara Junge Chefredakteurin

taz-Chefredakteurin, Initiatorin der taz-Klima-Offensive und des taz Klimahubs. Ehemals US-Korrespondentin des Tagesspiegel in Washington.
Mehr zum Thema

4 Kommentare

 / 
  • Wer es so ausdrückt, muß auch erwähnen, das durch den psychisch wie diplomatisch unfähigen Trump die Demokratie, Verfassung und damit das ganze Staatsgefüge der USA akut gefährdet ist.

    Es kann daher nur eine Frage der Zeit sein, wann Trump abgesetzt werden muß.

  • wir deutschen habens hinter uns, die usa vo sich wi eschiesst man einen ungeliebten präsidenten ab

    • @Georg Schmidt:

      Erschiessen oder schiessen? In dem Fall macht sich vernünftige Orthografie schon bemerkbar.

  • "...hängen weite Teile der Öffentlichkeit Amerikas und nicht zuletzt Europas an Comeys Lippen und saugen begierig jede Aussage über Trumps Lügen, Erpressungen und Drohungen auf als ob es Sauerstoff sei."

     

    "...gieren die Demokraten nach mehr Stoff aus dem Hause Trump."

     

    Schöne Schnitzer.