Klimabewegung beim System Change Camp: Solidarität lernen in Zeiten der Klimakrise
Beim System Change Camp in Frankfurt diskutiert die Bewegung über ihre Geschichte und Zukunft. Gleichzeitig ist der Gaza-Konflikt präsent.
Am Ende ging es in vielen Medienberichten kaum noch ums Klima, sondern vor allem um den Gaza-Konflikt. Im Grünenburgpark in Frankfurt am Main haben sich seit dem 16. August über tausend Klimaaktivist*innen zum diesjährigen „System Change Camp“ getroffen. Auf dem Gelände verteilt stehen bunte Zelte, in denen Workshops und Vernetzungstreffen stattfinden und gemeinsam gekocht wird. Aber es gab auch Proteste gegen das Camp – wegen unterschiedlicher Positionen im Nahost-Konflikt.
Dabei wurden am Freitag jüdische Gegendemonstranten mit roten Farbbeuteln attackiert. Die Polizei bestätigte, dass es sich bei den Angegriffenen um Mitglieder der jüdischen Gemeinde handelt. Die FAZ schrieb vom „Camp der Schande“. Schon im Laufe der Woche hatte es Antisemitismus-Vorwürfe gegeben. Gegner des Camps hatten an den Zäunen Bilder der von der Hamas entführten israelischen Geiseln aufgehängt, die von den Camp-Teilnehmern wieder entfernt wurden.
Für die meisten Aktivist*innen ist das Camp jedoch ein Ort, an dem sie sich vernetzen, neue Impulse sammeln und voneinander lernen. „In meinem aktivistischen Alltag habe ich oft das Gefühl, wir stecken fest. Unsere Strategien sind überholt und die Welt zieht weiter,“ sagt Tim Mühlhaus, der sich bei Fridays for Future Münster engagiert.
Klimapolitik steht nicht mehr im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Im letzten Jahr hatte man für das Camp den thematischen Fokus deshalb bereits angepasst. Das Motto: Antifaschismus. In diesem Jahr wollte die Bewegung mit dem Slogan: „Geschichte ist machbar – System Change auch“ aus den Erfahrungen sozialer Bewegungen Strategien für die Zukunft ableiten.
300 Vorträge und Diskussionen
In 18 Zelten fanden über 300 Vorträge und Diskussionen statt – mit einem breiten Themenspektrum: von einer global gerechten Energiewende über lokale Kämpfe gegen Umweltzerstörung bis hin zu Umverteilung und Vergesellschaftung oder Strategien für einen achtsamen Aktivismus. Auch zentrale Herausforderungen der Klimabewegung wurden diskutiert, etwa, wie sie sich in einem kollabierenden System positionieren kann und wie es gelingt, wieder mehr Menschen zu erreichen.
„Das erneute Aufblühen einer Bewegung können wir nicht erzwingen. Durch Organizing, also das kontinuierliche Vernetzen und Unterstützen von Menschen in ihren alltäglichen Struggles, schaffen wir aber resiliente Strukturen und bereiten uns auf Krisen vor“, sagt Liliane Aschner nach einem Workshop zu historischen Arbeiter*innenbewegungen. Mit der Verbindung von sozialen- und klimapolitischen Themen, so ihre Hoffnung, könne man faschistischen Tendenzen vorbeugen.
Aber auch die Frage, wie man sich auf den Klimakollaps vorbereiten kann, wird eifrig diskutiert. Dabei will die Bewegung bereit sein, gesellschaftliche Umbrüche mitzugestalten und solidarische Strukturen aufzubauen. Aktionen zur Blockade von fossilen Projekten wird es weiter geben, heißt es aus Aktivist*innenkreisen.
Am Samstagabend schallen schließlich Bässe aus dem großen Zirkuszelt in der Mitte des Camps. Die Leichtigkeit beim Tanzen steht im scheinbaren Kontrast zu den harten Themen, die tagsüber diskutiert wurden. Doch das Camp soll auch ein Ort der Gemeinschaft darstellen, an dem das gute Leben für alle erprobt wird.
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