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Kinder fragen, die taz antwortetWarum macht uns Angst manchmal Spaß?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Ella, 9 Jahre alt.

Angst hat eine wichtige Aufgabe. Sie soll uns beschützen. Wenn wir Angst haben, wird unser Körper sofort wach. Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an. Unsere Wahrnehmung verschärft sich und wir passen auf. Manchmal fühlt sich Angst aber auch ganz anders an. Statt unangenehm ist sie spannend und kann sogar Spaß machen.

Der Angstforscher Borwin Bandelow erklärt es so: Wenn wir Achterbahn fahren, steigt die Angst in der Kurve, weil wir das Gefühl haben, gleich rauszufliegen. Unser Körper gibt Alarm. Gleichzeitig passiert aber noch etwas anderes: Im Belohnungssystem unseres Gehirns werden Endorphine freigesetzt.

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Endorphine sind Glückshormone. Sie werden auch dann ausgeschüttet, wenn wir lachen, Sport machen oder Schokolade essen. Dann haben wir vielleicht ein Kribbeln im Bauch, fühlen uns glücklich und beschwingt.

Das funktioniert aber nur, wenn das Gehirn weiß, dass wir in Sicherheit sind. Weil der Wagen der Achterbahn eben nicht aus der Kurve fliegt. Oder wir zwar einen gruseligen Film schauen, aber dabei gemütlich auf dem Sofa sitzen. Die Gefahr ist nur ausgedacht – und deshalb können Angst und Spaß zusammen auftreten. Manche nennen dieses Gefühl auch „Nervenkitzel“ oder „Angstlust“.

Angst und Sicherheit

Dieses Glücksgefühl begleitet uns dann eine ganze Weile. Daher unternehmen manche Menschen auch Aktivitäten, die potenziell gefährlich und mit noch mehr Angstlust verbunden sind, etwa Bungee-Jumping oder einen Fallschirmsprung aus dem Flugzeug. Sie jagen nach diesem Gefühl.

Angst ist überlebenswichtig. Sie ist uns angeboren und hat unseren Vorfahren das Leben gerettet. Wer früher beim leisesten Rascheln im Gebüsch Angst bekam und schnell reagierte, hatte bessere Chancen zu überleben. Professor Bandelow sagt sogar: Wir leben heute, weil wir die Nachkommen von „Angsthasen“ sind.

Wichtig ist aber: Die Angst sollte nie zu groß werden. Wenn sie sich nicht mehr gut anfühlt, ist es ratsam, eine Pause zu machen, den Film auszuschalten oder das Buch wegzulegen. Jeder Mensch hat da seine eigene Grenze. Auch in der Filmbranche ist das bekannt. Deshalb haben manche Filme eine Altersfreigabe, die mit „FSK“ gekennzeichnet ist.

Angst macht also nur dann Spaß, wenn wir sie aus der Sicherheit heraus erleben können. Und unter der Kuscheldecke ist man doch gerne mal ein Angsthase, oder?

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