Kieselsteine sind wie Ringe: Sie watscheln nebeneinander
Im Zoo bemerkt unsere Autorin Ähnlichkeiten zwischen menschlichem und tierischem Verhalten. Vor allem mit einer Karawane Pinguine kann sie sich identifizieren.
W eil meine Freundin P. dort jetzt einen ihrer diversen sommerlichen Nebenjobs angefangen hat, war ich vor einiger Zeit einmal wieder im Zoo. Immer abwechselnd rotiert sie als mobile Eisverkäuferin mit Bauchladen im Zwei-Stunden-Takt von den Nilpferden zu den Giraffen, dann zum Affengehege und endet bei den Pinguinen. Der Job ist bei den aktuellen Temperaturen natürlich regelrecht gefährlich. Schatten gibt es im Zoo, zumindest für die Menschen, wenig – der „zoologische Garten“ ist nun wirklich kein Garten.
Da ich jahrzehntelang den Zoo nur von der S-Bahn oder von der Monkey’s Bar (wo ich genau einmal gewesen bin) aus betrachtet habe, war ich einigermaßen begeistert von der Erfahrung. Auch das hospitalistische Im-Kreis-Laufen der meisten Tiere bestürzte mich weniger als früher. Das war vielleicht der Tatsache geschuldet, dass auch ich selbst mich zunehmend als einem hospitalistisch-narzisstischen Kreislauf aus noch bevorstehender und schon erledigter Arbeit ausgesetzt empfinde.
Außerdem kriegte ich, dank meiner „Beziehungen“, die Möglichkeit, noch vor den regulären Öffnungszeiten Zuschauerin eines unglaublich tröstenden Spektakels zu werden: Einmal am Tag werden die Pinguine von ihrem trockenen in ihr feuchtes Gehege geführt. In einer Karawane watscheln die gar nicht mal so kleinen halb vogelartigen, halb säugetierartigen Gestalten die Wege des Zoos entlang. Nicht selten watscheln sie nebeneinander, Hand in Hand sozusagen, und machen Geräusche, die an das Pfeifen eines Liedes erinnern. Vielleicht ist es tatsächlich die Nähe zur menschlichen Art, die uns im Verhalten der Pinguine so anrührt. Ich identifizierte mich jedenfalls sofort. Mit ihrer tapsigen Körperlichkeit, ihrer Kurzgliedrigkeit, ihrer Sturheit und ihrer Liebe zu einem anderen Pinguin, dem sie, wenn sie sich aneinander binden möchten, einen Kieselstein schenken, wie Menschen einander einen Ring. Manche besonders hübschen Pinguine haben deshalb einen ganzen Haufen Kieselsteine.
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