Kieler Marineschiffbauer: TKMS proftiert vom Rüstungsboom
Das Kieler Unternehmen TKMS wächst wegen der Nachfrage nach maritimer Rüstung. Zugleich wandelt sich der Schiffbauer zum Anbieter vernetzter Systeme.
Weltweit erhöhen Staaten ihre Verteidigungsausgaben, das schlägt sich auch in der Bilanz des Kieler Marineschiffbauers TKMS nieder. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Wachstum von zehn bis zwölf Prozent anzuheben.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 setzte TKMS 1,89 Milliarden Euro um – 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die gestiegene Nachfrage nach Fregatten sowie nach Sensoren und Technik zur Minenabwehr treibt das Geschäft an. Die hohe Bewertung von TKMS beim Börsengang im Oktober 2025 mit 5,15 Milliarden Euro galt bereits als Beleg für den Boom bei europäischen Rüstungswerten.
Das U-Boot-Geschäft bleibt nicht nur der größte Teil des Auftragsbuchs, sondern wird offenbar profitabler. Der Markt wandle sich „von einem Käufer- zum Verkäufermarkt“, sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard. Heißt: Die starke Nachfrage erlaubt es TKMS, bessere Konditionen durchzusetzen. Auch die Bundesregierung sorgt für Aufträge. Nach dem Ende des „F126“-Projekts soll TKMS vier kleinere Fregatten des Typs „MEKO A-200“ für die Deutsche Marine liefern, mit Option auf vier weitere. Die Schiffe eignen sich unter anderem für die U-Boot-Jagd.
Kurz vor dem Nato-Gipfel zeichnete sich für TKMS ein neuer Milliardenauftrag über bis zu zwölf U-Boote des Typs „212CD“ für Kanada ab. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lobte die Entscheidung Kanadas als wesentlichen Pfeiler in der Strategie der Nato zur Sicherung im hohen Norden. Pistorius hat sich ebenfalls für den Kauf von sechs konventionellen U-Booten durch Indien eingesetzt, der inzwischen auf über 8 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
U-Boote im Trend
Man befinde sich auf der Zielgeraden, so Burkhard. Er rechnet damit, dass bald bekannt wird, ab wann der Vertrag wirksam wird. Indische Sicherheitskreise betonen, der Angriff auf eine iranische Fregatte durch ein US-U-Boot vor Sri Lanka im März habe gezeigt, dass Unterseeboote keineswegs überholt sind. Der Vorfall gilt als Weckruf und als weitere Lehre aus dem Irankrieg, eigene Kapazitäten auszubauen.
Beim geplanten TKMS-U-Boot-Zentrum in Singapur gebe es ebenfalls Fortschritte: „In den nächsten Jahren werden wir ein Wartungszentrum haben und damit auch ein Angebot für die südostasiatische Welt.“ Das Unternehmen verweist auf die Auswirkungen des Irankriegs. Burkhard sehe dadurch eine verstärkte Nachfrage aus dem Nahen Osten, insbesondere in der Minenabwehr. Noch sei der Effekt allerdings nicht messbar. Seit 2017 gehört Atlas Elektronik zu TKMS. Die Bremer entwickeln unter anderem Sonare, Torpedos und Minenabwehrsysteme und stehen als Beispiel für den Wandel zum Anbieter vernetzter Systeme.
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