Ein neues U-Boot für Israel: Großes Geheimnis um die „INS Drakon“
Die Einkaufstour für Israels Marine beschäftigt dort die Justiz. Derweil erteilt die Bundesregierung eine Exportgenehmigung für ein weiteres U-Boot.
Während das milliardenschwere U-Boot-Geschäft mit Kanada für Jubel bei der Bundesregierung sorgt, findet die Abwicklung eines weiteren Marinedeals jenseits der großen Öffentlichkeit statt: Israel erhält demnächst wohl das sechste hochmoderne U-Boot aus Deutschland. Die Bundesregierung spricht in Dokumenten aus dem Bundestag von einem „Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich“, für das sie jüngst eine Ausfuhrgenehmigung erteilt habe. Der Wert von etwa 480 Millionen Euro deckt sich etwa mit dem Preis für das „INS-Drakon“ getaufte U-Boot, für das Israel und die Firma Thyssenkrupp Marine Systems bereits 2012 einen Kaufvertrag unterzeichnet hatten.
Das zuständige Wirtschaftsministerium möchte die Frage der Exportgenehmigung auf taz-Anfrage am Dienstag weder bestätigen noch dementieren und verweist auf bestehende „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse“. In dem Bundestagsdokument heißt es, bis zum 31. Mai seien Exportgenehmigungen nach Israel im Wert von etwa 795 Millionen Euro erteilt worden. Mehr als 60 Prozent des Betrags gingen auf einen einzelnen Posten im maritimen Bereich zurück – bei dem es sich, angesichts der seit mehr als einem Jahr beobachteten Erprobung des U-Boots für Israel in der Kieler Förde, nur um dieses handeln kann.
Die Exportgenehmigung wäre auch keine Überraschung: Schon vergangenes Jahr hatte TKMS – wie das Unternehmen inzwischen offiziell heißt – Anfang August bei einer außerordentlichen Hauptversammlung auf Nachfrage von kritischen Aktionär*innen ausgeplappert, dass die Ausfuhrerlaubnis für das U-Boot erteilt worden sei. Doch die Bundesregierung wies dies damals vehement zurück: In einer Antwort auf die schriftliche Anfrage der Linken-Abgeordneten Lea Reisner vom 19. August 2025 hieß es aus dem Wirtschaftsministerium, die Exporterlaubnis für das U-Boot sei nicht erteilt worden.
Laut Marineforum
Es liegt nahe, dass das damalige Hin und Her damit zusammenhängt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zwischen August und November 2025 wegen Israels brutalem Vorgehen in Gaza einen Teilstopp über Waffenlieferungen aus Deutschland verfügt hatte. Es ist unklar, inwieweit das neue U-Boot von TKMS auch für eine solche Kriegsführung genutzt werden könnte. Laut Berichten des Fachmagazins Marineforum wurde der Turm der „INS Drakon“ bei ihren Testfahrten mit Planen und Glasfaserplatten abgedeckt, damit möglichst wenig über die Konfiguration des U-Boots nach außen dringt.
Die Geheimniskrämerei ging so weit, dass der Facebook-Account eines Rügen-Urlaubers gesperrt wurde, der es vergangenes Jahr gewagt hatte, eine Fahrt des U-Boots zu filmen und online zu stellen.
So viel ist bekannt: Das U-Boot fährt mit einem dieselelektrischen Motor und wird der Dolphin-II-Klasse zugeordnet. Aufnahmen zeigen einen nach hinten und in die Breite verlängerten Turm, der Spekulationen von Fachmagazinen zufolge über Startvorrichtungen für vier ballistische Raketen verfügt – die im Zweifel auch atomar bestückt werden können. Denn die U-Boote aus deutscher Produktion stellen einen zentralen Pfeiler der israelischen Nukleardoktrin dar, weil sie die seegestützte Zweitschlagfähigfähigkeit des Landes garantieren.
Aus der Linksfraktion kommt scharfe Kritik an dem U-Boot-Geschäft. „Angesichts der jüngsten völkerrechtswidrigen Militäroffensiven Israels gegen den Libanon, Gaza und Iran kann von einer Unterstützung des legitimen Selbstverteidigungsrechts Israels keine Rede sein“, erklärte ihr verteidigungspolitischer Sprecher, Ulrich Thoden, gegenüber der taz.
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