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Jugendproteste in IndienAktivistin Neha Bora gibt trotz Festnahmen nicht auf

Neha Bora ist die Vorsitzende der linken Studierendenorganisation AISA. Sie ist eine der bekanntesten Stimmen der indischen Jugendproteste.

Neha Bora lässt sich nicht aufhalten. Am Sonntag ruft die 29-Jährige erneut zum friedlichen Protest in Indiens Hauptstadt auf. Um halb drei treffe man sich an der Metrostation RK Ashram, schreibt die Doktorandin auf X: „Wir sehen uns dort. Kommt nicht zu spät.“ Bora läuft mit einer Gruppe Richtung Zentrum. „Wir haben die Barrikaden überwunden und Connaught Place erreicht“, meldet sie.

Wenig später veröffentlicht sie ein Video aus einem Bus mit vergitterten Fenstern. Sie wurde erneut gestoppt. Am Samstag hatte die Polizei Delhi mit einem massiven Aufgebot abgeriegelt. Zeitweise wurden der Internetzugang eingeschränkt und Metrostationen geschlossen. 7.000 Personen wurden festgenommen. Die Gen-Z-Bewegung rund um die Cockroach Janata Party (CJP) hatte zum Protestmarsch zum Jantar Mantar aufgerufen. Ihre Führung wurde bereits bei der Ankunft am Flughafen festgesetzt, ebenso der bekannte YouTuber Dhruv Rathee.

Neha Bora, die Vorsitzende der linken Studierendenorganisation AISA, die sich mit der CJP solidarisiert, schaffte es auf die Straße. Auch am Samstag marschierte sie, bis sie von Beamten eingekreist und in Verwahrung genommen wurde. „Ich bin in Gewahrsam. Die Bewegung ist es nicht“, meldete sie später. Sie trug ein Shirt mit einem Aufdruck des Anime „One Piece“. Der Manga tauchte bei Jugendprotesten von Nepal bis Indonesien auf.

Immer neue Verhaftungen

Die Proteste setzen Premierminister Narendra Modi und seine hindunationalistische BJP-Regierung unter Druck. Im Zentrum steht die Überprüfung von Wählerlisten, kurz SIR. In den Entwurfslisten fehlten zunächst rund 130 Millionen Einträge. Oppositionelle und Ak­ti­vis­t:in­nen befürchten, dass dadurch Wahlberechtigte, insbesondere Angehörige von Minderheiten, von Wahlrecht ausgeschlossen werden könnten. Sie werfen der Wahlkommission vor, die BJP zu begünstigen. Die Kommission weist Manipulationsvorwürfe zurück. Die Forderung nach dem Rücktritt des obersten Wahlkommissars Gyanesh Kumar ist ungebrochen.

Bora protestiert gegen das Vorgehen: „Warum so viel Polizei, so viel Gewalt?“, fragt sie in einem Video. Die Regierung schütze damit einen Wahlkommissionschef, der seine Aufgabe nicht erfülle. Sie will dennoch weitermachen. Bereits Anfang des Monats wurde sie im Polizeiwagen abgeführt. Auch die Vereinten Nationen äußerten Besorgnis über das Vorgehen der Polizei. Indiens Außenministerium wies die Kritik als Einmischung zurück.

Bora ist Theaterwissenschaftlerin. An der Jawaharlal Nehru Universität promoviert sie. Über Theaterprojekte zu sozialen und politischen Themen fand sie zum Aktivismus. Überregional bekannt wurde sie diesen Sommer. Gemeinsam mit anderen Studierenden beteiligte sie sich 23 Tage lang an einem Hungerstreik des Klimaaktivisten Sonam Wangchuk.

Die ebenfalls von der CJP angeleiteten Proteste richteten sich gegen die Bildungspolitik, Prüfungslecks und die fehlenden Perspektiven vieler junger Menschen. Mit kämpferischen Reden und Aufrufen in den sozialen Medien rückte Bora selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Auf Instagram folgen ihr inzwischen rund 1,5 Millionen Menschen.

„Der Kampf um die Demokratie geht weiter, und wir werden nicht wegschauen“, so Bora. Sie und andere Protestierende bezeichnen Modi als „Feigling“ und werfen seiner Regierung vor, demokratische Rechte zu untergraben. Die CJP-Gründer:innen und weitere Festgenommene sind inzwischen wieder freigelassen worden. Der Protest geht weiter.

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