Indigene stoppen Ausverkauf der Natur: Amazonas-Flüsse bleiben staatlich
Mit privatisierten Wasserstraßen wollte Brasiliens Regierung Unternehmen helfen – und den eigenen Finanzen. Wie Proteste von Indigenen gewirkt haben.
Indigene zelebrierten vor dem Sitz des Agrokonzerns Cargill im brasilianischen Santarém am Montag ein Ritual, als sie von einer Nachricht überrascht wurden: Präsident Lula da Silva hatte das Dekret mit der Nummer 12.600/2025 zurückgezogen, das mehrere Amazonas-Flüsse in das nationale Programm für „Entstaatlichung“ aufgenommen hätte.
Das Programm war bereits 1990 eingeführt worden und sollte die Regierungsverantwortung auf wesentliche Bereiche konzentrieren und die Staatsfinanzen durch Privatisierungen sanieren. Die Ausweitung auf Flüsse sollte den Transport von Produkten des Agrobusiness und des Bergbaus erleichtern.
Bis zu 1.200 Indigene hatten seit Wochen vor dem Cargill-Gebäude campiert, um gegen das Gesetz zu protestieren. Der Konflikt hatte sich zuletzt verschärft, als sie per Gerichtsbeschluss vertrieben werden sollten. Stattdessen besetzten sie das Büro von Cargill und blockierten mehrere Fähren, die auf dem Tapajos-Fluss Körner transportierten.
Vor allem prangerten die Indigenen an, dass sie nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – angehört worden waren und dass die sozialen und ökologischen Folgen des Gesetzes verheerend sein würden. Das Dekret sollte unter anderem die Vergabe von Konzessionen – also Nutzungsrechten – an Privatunternehmer zum Gebrauch der Flüsse für Frachttransport ermöglichen. Dazu wären umfangreiche Drainagearbeiten und Felssprengungen erfolgt, die ganze Flussläufe verändern könnten. Mit der Annullierung des Dekrets werden bereits beauftragte Baggerarbeiten in den Flüssen Tapajos, Madeira und Tocantins mit sofortiger Wirkung gestrichen.
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Proteste schon bei der Weltklimakonferenz
Das Projekt der Privatisierung von Wasserstraßen für eine bessere Logistik im Agrobusiness hatte bereits auf der Weltklimakonferenz COP30 im November für Protest gesorgt. Damals war den Indigenen eine Anhörung zugesichert worden. Doch dann beauftragte Präsident Lula Drainage-Firmen, ohne dass Anhörungen stattgefunden hätten oder eine Umweltgenehmigung erteilt worden wäre.
Indigenenrat von Tapajós und Arapiuns
Zuständige Behörden wie das Umweltsekretariat Semas warnten vor Folgen wie einer Versandung des Flussbettes, Veränderung der Wasserqualität sowie vor dem Risiko der Nahrungsmittelunsicherheit für Indigene und Flussanrainer aufgrund eines verminderten Fischbestandes.
Nachdem Lula nun den Protesten nachgegeben hatte, beeilte sich Guilherme Boulos, Leiter des Präsidialbüros, zu erklären: „Es gab eine legitime Mobilisierung der indigenen Völker in Bezug auf dieses Dekret, und die Regierung Lula hat die Fähigkeit zuzuhören und gegebenenfalls Entscheidungen zurückzunehmen, wenn das nötig ist.“
Der Indigenenrat von Tapajós und Arapiuns feierte den Erfolg in sozialen Medien. „Dieser Erfolg ist das Ergebnis der vereinten Kräfte der indigenen Völker, der Flussanrainer und der traditionellen Gemeinschaften“, heißt es dort. „Unsere Flüsse sind keine Ware, sie sind Leben Kultur und Zukunft.“
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