Impfempfehlung der Stiko: Der Politik hinterhergetrottet

Die Impfung Jugendlicher wird die Inzidenzkurve kaum beeinflussen. Die Erwachsenen brauchen den Pieks.

Ein Mann in einem roten Trikot (Aufschrift "Bornauw – 33") bekommt von einer Frau in rotem Kleid eine Impfung in den Oberarm. der hintergrund ist auch rot.

Hauptsache die Impfquote geht nach oben: Eine Dosis vor dem Spiel – Impfung eines FC Köln Fans Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Zwei Wochen nachdem die Länder mit ihrer Impfempfehlung für Jugendliche vorgeprescht sind, empfiehlt die Stiko nun ebenfalls die Immunisierung für 12- bis 17-Jährige. Nicht politischer Druck motiviert sie dazu, sondern eine neue Datenlage, die Sicherheit der Impfungen für diese Altersgruppe nahelegt. Doch wer wird das jetzt noch glauben. Selbst zügig durchgeimpfte Teenager werden an der betrüblichen Lage kaum noch etwas ändern. Rein rechnerisch stellen sie weniger als 6 Prozent der Bevölkerung.

Schlägt man das auf die jämmerliche deutsche Impfquote drauf, kommt man knapp beim Impf­erfolg von Israel an. Einem Land, das wegen dramatisch steigender Inzidenz vom Auswärtigen Amt gerade zum Hochrisikogebiet erklärt wurde. Der Grund dafür wird oft in einer nachlassenden Wirkung der Impfstoffe gesucht, aber das ist falsch. Studien haben hinreichend belegt, dass die in den Industrienationen verimpften Vakzine hochwirksam vor riskanten Verläufen schützen, unabhängig von der Virusvariante.

Allerdings verhindern die Impfungen keine Ansteckungen. Deshalb gilt es, möglichst alle zu impfen. Vor allem die Erwachsenen. Andernfalls trifft es die Ungeschützten, von denen es in diesem globalen Krankheitsgeschehen noch viel zu viele gibt, weil es keinen Impfstoff gibt. Und weil sich Teile der Bevölkerung in den Wohlstandsnationen den Luxus leisten, auf das Angebot der kostenlosen Impfung zu verzichten. Diese Erwachsenen tragen die Verantwortung für das, was noch kommt, nicht die Kinder.

Geimpfte Teenager werden nicht einmal Schulschließungen verhindern. Denn wenn das Virus im Hochrisikogebiet Deutschland wie in Israel grassiert, verteilen Teenager wie Erwachsene es weiter. An jüngere Kinder, die noch nicht geimpft werden können. An Alte, Immunsupprimierte, Vorerkrankte mit schlechterem Impfschutz. An die Impfverweigerer, bei denen man sagen könnte, sie hätten es nicht anders verdient.

Aber Covid wünscht man niemandem. Neue Maßnahmen auch nicht. Die einzige Lösung ist, die Erwachsenen zu impfen. Wenn nötig, muss man sie dazu verpflichten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de