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Hohe VW-AbschreibungPorsche SE schreibt hohe Verluste

Währenddessen wettert die deutsche Autolobby weiter gegen EU-Klimaziele, um Jobs zu sichern. Warum das nicht ganz sauber ist, erklärt ein Experte.

Die Kunst des Absturzes – Installation in Zuffenhausen in Zeiten hoher Verluste Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/imago

dpa/taz | Eine milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung am Volkswagen-Konzern hat die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE auch im ersten Quartal 2026 in die roten Zahlen gezogen. Unter dem Strich machte Porsche SE einen Verlust von 923 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen in Stuttgart mitteilte. Ein Jahr zuvor war ein etwas größeres Minus von 1,08 Milliarden Euro angefallen.

Sowohl Europas größter Autobauer Volkswagen als auch der Sportwagenhersteller Porsche – die zwei Kernbeteiligungen der Eigentümerholding Porsche SE – haben derzeit mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen. Und: Sie tun sich noch immer schwer mit dem Umbruch in der Autoindustrie. Die ehemaligen Vorzeigeunternehmen haben den Wandel hin zur Elektromobilität zu spät begonnen.

Porsche-SE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch sagte, sein Unternehmen habe bei dem um Abschreibungen bereinigten Konzernergebnis einen Gewinn erzielen können. „Allerdings müssen die lange Zeit gut funktionierenden Geschäftsmodelle unserer Kernbeteiligungen grundsätzlich auf neue Marktbedingungen ausgerichtet werden.“ Heißt: VW und Porsche waren lange Erfolgsgaranten, jetzt müssen sie sich vor allem angesichts starker E-Auto-Konkurrenz aus China und geopolitischer Spannungen mit der Volksrepublik und den USA transformieren – ein Kraftakt.

Pötsch verwies auf die laufenden Sparprogramme bei den Kernbeteiligungen. Der Volkswagenkonzern will seine Kosten bis Ende 2028 um ein Fünftel drücken und zwischen 2025 und 2030 rund 35.000 Jobs streichen. Porsche kündigte an, bis 2029 mindestens 4.000 Stellen abzubauen. Der Luxusautobauer wollte zwischenzeitlich komplett auf elektrische Fahrzeuge setzen, seit 2024 sollen wieder mehr Verbrenner gefertigt werden – dieser Strategieschwenk kostete Porsche viel Geld.

Autolobby droht mit Jobabbau

Derweil rechnet der Lobbyverband der Automobilindustrie VDA mit einem zusätzlichen deutlichen Stellenabbau in der Branche. „Wir müssen leider nach aktuellen Berechnungen von einem Beschäftigungsverlust von 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035 ausgehen, also etwa 35.000 Arbeitsplätze mehr als bisher angenommen“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Von 2019 bis 2025 seien schon 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, sagte Müller weiter. Ursprünglich war laut VDA der Abbau von 190.000 Arbeitsplätzen im Zeitkorridor von 2019 bis 2035 vorhergesagt worden. „Betroffen sind insbesondere die Zulieferbetriebe, weil auf dem Weg vom Verbrennermotor zur Elektromobilität gerade in der Zulieferindustrie viele Arbeitsplätze verloren gehen werden“, erklärte die VDA-Chefin.

Berechnungen zeigen laut VDA aber, dass die weitere Job-Entwicklung wesentlich auch vom Antriebsmix abhänge. „Technologieoffenheit“, sprich eine verlängerte Herstellung klimaschädlicher Verbrenner, könnte 50.000 Arbeitsplätze am Standort Deutschland erhalten, hieß es.

So macht sich der VDA für eine weitere Abschwächung der europäischen CO2-Regeln für Pkw und Vans stark, nach der ab dem Jahr 2035 ausschließlich batterieelektrische und Brennstoffzellen-Fahrzeuge neu zugelassen werden können. Die EU-Kommission hatte erst im Dezember vorgeschlagen, die Flottengrenzwerte aufzuweichen und auch nach 2035 in der EU Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Im Vergleich zum Basisjahr 2021 müsste die Flotte eines Autoherstellers 2035 dann nur noch bis zu 90 Prozent CO2 einsparen. Der EU-Rat soll im Juni über die Vorschläge abstimmen.

BUND fordert kleine, bezahlbare E-Autos

Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Umweltverband BUND, ärgert die Forderung des VDA. „Mit plakativen Zahlen versucht die Autolobby erneut Stimmung gegen die CO2-Mindeststandards für neue Pkw in der EU im Jahr 2035 zu machen“, sagte er der taz. Der VDA verschweige: Nicht zuletzt der Verzicht deutscher Autobauer wie Mercedes, BMW und Audi auf kleine, bezahlbare und elektrische Volumenmodelle führe dazu, dass die Zahl der in Europa produzierten Autos sinkt.

Hilgenberg ist überzeugt, dass deutsche Marken zu viele Autos gebaut hätten, die für den wichtigen chinesischen Markt nicht attraktiv seien. So seien Überkapazitäten in der Produktion entstanden, die jetzt abgebaut werden sollen. „Hinzu kommt noch eine verstärkte Automatisierung und Verlagerung von Produktion in Länder mit niedrigerem Lohnniveau“, das koste hierzulande gut bezahlte Arbeitsplätze.

„Das alles hat jedoch nichts damit zu tun, ob 2035 noch neue Pkw mit Verbrennungsmotor in der EU verkauft werden dürfen“, meint Hilgenberg. Darüber hinaus schreibe der VDA selbst: Mit einer Aufweichung der EU-Regeln würden „die negativen Effekte der Transformation auf die Beschäftigung spürbar abgemildert“. Laut dem BUND-Experten würde der Jobabbau also höchstens verzögert.

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