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Hitze in DeutschlandGute Wirtschaftspolitik geht nur mit guter Klimapolitik

Nick Reimer

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Nick Reimer

Der Wirtschaftsflügel der Union will weniger Klimaschutz. Das zeigt, wie wenig Ahnung die Union von der Wirtschaft der Zukunft hat.

W er hätte das gedacht: Der Wirtschaftsflügel der Union will weniger Klimaschutz. Die Klimapolitik habe sich in Zukunft stärker der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie unterzuordnen, erklärten Vertreter wie Tilman Kuban oder Gitta Connemann am Mittwochabend beim Werkstattgespräch der Union. Ihr Hauptargument: Die aktuellen Klimaziele riskierten eine Deindustrialisierung Deutschlands.

Das zeigt, dass ausgerechnet der Wirtschaftsflügel der Union keine Ahnung von Wirtschaftspolitik der Zukunft hat. Hitze ist ein Wachstumsproblem, ab 30 Grad Außentemperatur im Schatten sinkt die Produktivität drastisch. In der Wirtschaftswissenschaft wird von 3 Prozent Einbußen je zusätzlichem Grad ausgegangen. Das bedeutet, dass an Tagen mit 40 Grad fast ein Drittel weniger erwirtschaftet werden kann.

Längst fordern Gewerkschafter, das Schlechtwettergeld, das ursprünglich für frostige Winter ausgedacht wurde, auf den Sommer auszudehnen: Bestimmte Jobs, etwa auf dem Bau, können bei 40 Grad nicht mehr ausgeführt werden. Besonders dramatisch leiden die Landwirte: Sie können schlecht darauf verzichten, jetzt ihre Tiere zu kühlen oder aufs Feld zu fahren, trotz Temperaturen von mehr als 40 Grad im Stall oder auf dem Traktor.

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Hamburg so heiß wie Köln vor über 30 Jahren

Dass eine wärmere Atmosphäre heißere Sommer mit sich bringt, ist eine Binse – und mittlerweile wissenschaftlich lückenlos belegt. Es ist heute im Schnitt 2 Grad wärmer in Deutschland als vor dem Klimawandel: Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes hat Hamburg bereits heute ein Klima, wie es früher in Köln herrschte – in den Jahren 1961 bis 1990.

Köln wiederum hat heute ein Klima wie die französische Stadt Tours, die circa 250 Kilometer südwestlich von Paris liegt. Ohne wirksamen Klimaschutz wird Berlin in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein Klima bekommen, wie wir es heute im südfranzösischen Toulouse kennen, Köln dann wie heute in San Marino. Anders als dort wird hierzulande aber nicht mit Hitzeerfahrungen gebaut.

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Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission kam 2018 zu dem Ergebnis, dass bei ungebremsten Emissionen die wirtschaftlichen Einbußen für die EU bis Ende des Jahrhunderts auf 240 Milliarden Euro jährlich steigen könnten, rund 2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Klimaschutz ist deshalb Wachstumspolitik. Und konsequenter Klimaschutz würde dafür sorgen, dass Deutschland auf den Zukunftsmärkten wieder mitspielen könnte. Solange die Union mit ihrer Wirtschaftspolitik nur das fossile Gestern verlängern will, so lange betreibt sie Klientelpolitik für eine untergehende Branche, die das Klimaproblem erst verursacht hat.

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Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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