Havarie bei PCK: Mindestens 200.000 Liter Rohöl aus Pipeline ausgetreten
Die PCK-Raffinerie in Schwedt wird wegen des Ukrainekrieges derzeit vom Bund verwaltet. Nun verschmutzt ein Leck in der Pipeline die Uckermark.
Es muss ausgesehen haben wie in den Filmen über den Ölrausch in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts: In Brandenburg sprudelte in der Nacht zum Donnerstag Erdöl 25 Meter hoch in den Himmel. Allerdings nicht, weil in der Uckermark Rohöl gefunden worden wäre: Vielmehr trat es aus einer Leitung aus, die den Ostseehafen Rostock mit der „Raffinerie PCK“ in Schwedt verbindet: Etwa 100 Kräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes und 25 PCK-Spezialisten der dortigen Betriebsfeuerwehr waren im Einsatz, um das Leck zu schließen. Nach Angaben der Feuerwehr traten wenigstens 200.000 Liter Erdöl aus, die sich auf einem Acker verteilten.
Fremdschuld wurde eiligst ausgeschlossen, „nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Vorfall durch geplante vorbereitende Arbeiten für einen geplanten Sicherheitstest an der Pipeline ausgelöst“, teilte die PCK mit. Und diese Eile ist verständlich, wenn man den Besitzer der Raffinerie kennt: PCK gehört mehrheitlich einer deutschen Tochter des russischen Staatskonzerns Rosneft, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine werden diese Anteile allerdings treuhänderisch vom Bund verwaltet. Deshalb war die Frage, ob es sich um einen Sabotageakt gehandelt haben könnte, relativ schnell relevant.
Ursprünglich stand die Abkürzung PCK für „Petrolchemisches Kombinat“, die Anlage war Hauptabnehmer der Erdgasröhre „Druschba“, die Anfang der 1960er Jahre aus dem Ural über die Ukraine in die DDR und im Südstrang bis in die Tschechoslowakei verlegt wurde.
Später stand PCK für „Petrolchemie und Kraftstoffe“, praktisch der gesamte Nordosten Deutschlands wird durch die Raffinerie mit Diesel, Benzin, Heizöl oder Kerosin versorgt, auch Teile Westpolens werden beliefert. Nur dass heute der Rohstoff dafür nicht mehr aus dem Osten des Urals kommt: Seit Januar 2023 boykottiert die EU russisches Öl, zuständig für die Verwaltung der Rosneft-Anteile ist die Bundesnetzagentur.
11,5 Millionen Tonnen Rohöl
Tatsächlich erreicht die PCK heute ein Großteil des Erdöls aus dem Hafen Rostock, die Leitung soll für 400 Millionen Euro ausgebaut werden beziehungsweise in Teilabschnitten instand gesetzt werden. Auch aus polnischen Ostseehäfen bezieht Schwedt Rohöl.
Nach eigenen Angaben besitzt PCK eine Verarbeitungskapazität von jährlich 11,5 Millionen Tonnen Rohöl. Das sind etwa 10 Prozent der bundesdeutschen Kapazitäten. Allerdings war diese Kapazität zuletzt nicht ausgelastet, weil in Schwedt nicht mehr genügend Rohöl ankam.
Die Raffinerie ist einer der größten Arbeitgeber im Norden Brandenburgs, je nach Zählweise arbeiten hier bis zu 4.000 Menschen direkt beziehungsweise indirekt im PCK-Werk. „Es gibt derzeit keine Auswirkungen auf den Raffineriebetrieb“, erklärte PCK, das Werk habe ausreichend Bestände zur Überbrückung von kurzzeitigen Lieferunterbrechungen. „Nach bisherigen Erkenntnissen liegt keine Beschädigung an der Pipeline vor, sodass parallel eine Wiederinbetriebnahme geplant und vorbereitet werden kann.“
Zwei Hektar Land verseucht
Verseucht sind nach Feuerwehrangaben etwa zwei Hektar. Spezielle Saugwagen haben noch am Donnerstagmorgen damit begonnen, das Rohöl aufzunehmen. Karina Dörr (CDU), die Landrätin der Uckermark, sagte dem RBB, es bestehe keine Gefahr für das Grundwasser. Mittlerweile sei damit begonnen worden, kontaminierten Boden abzutragen.
Unfälle an Ölpipelines sind in Deutschland relativ selten. 1993 platzte jene Pipeline, die von Schwedt weiter nach Zeitz in Sachsen-Anhalt führt – bei Weißenfels flossen mehrere Hunderttausend Liter Öl in die Natur. Gutachter ermittelten damals Korrosion als Ursache. Zuletzt flossen im Dezember 2022 wegen eines Pipeline-Lecks im Hafen von Brunsbüttel mindestens 12.000 Liter Rohöl in den Nord-Ostsee-Kanal. Für die Reinigung blieb der Kanal damals rund zwei Wochen gesperrt.
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