Haseloff tritt in Sachsen-Anhalt ab : Ein kopfloses Wahlkampfmanöver
Reiner Haseloff wollte bis zum Ende Ministerpräsident bleiben. Weil seinen Nachfolger niemand kennt, geht er nun doch früher. Es ist ein kopfloses Manöver.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
E s scheint, als wolle die CDU in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl im September gar nicht gewinnen. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb sie kurz auf knapp noch plant, den Ministerpräsidenten zu tauschen. Reiner Haseloff, der dienstälteste Landeschef Deutschlands, will seinen Wunschnachfolger Sven Schulze nun doch Ende Januar ins Amt hieven. Schulzes Bekanntheit dürfte das Wahlkampfmanöver zwar fördern. Aber in der Gunst der Wähler:innen steigt er deshalb nicht.
Der ursprüngliche Fehler liegt schon ein paar Monate zurück: Als Schulze im August zum Spitzenkandidaten ernannt wurde, versicherte Haseloff noch, bis zum Ende im Amt bleiben zu wollen. Dass er Schulze damit den Amtsbonus bei der Landtagswahl verwehrte? Egal, er habe das beim Antritt als Ministerpräsident 2021 so versprochen. Dann kamen die neuen Umfragewerte.
Die CDU rutschte in Sachsen-Anhalt unter 30 Prozent, die AfD kletterte auf bis zu 40 Prozent empor. Sven Schulze? Den kannte fast die Hälfte der Befragten in Sachsen-Anhalt gar nicht. Darum soll Schulze doch noch den Amtsbonus bekommen. Zu mehr sind sieben Monate im Amt auch gar nicht gut.
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Woher der Sinneswandel kommt, ist eigentlich egal. Ob es die Bundes-CDU war, die aus Angst vor der AfD Druck gemacht hat. Ob Haseloff einfach nur abwarten wollte, bis Sven Schulze beim Landesparteitag breite Rückendeckung der Mitglieder erhält. Gut steht am Ende niemand da.
Zu allem Überfluss ist das Wahlkampfmanöver offensichtlich vor der finalen Abstimmung durchgesickert. Ob die Koalitionspartnerinnen SPD und FDP überhaupt mitmachen? Am Donnerstag beantworteten diese das selbstbewusst mit: „abwarten“.
Wahlen mit Popcorn-Potential
Die Wahl des Regierungschefs hatte in den vergangenen Jahren fast immer Popcorn-Potential. In Thüringen 2019 zum Beispiel, als Thomas Kemmerich (damals FDP) aus Versehen mit der Hilfe von AfD und CDU zum Ministerpräsidenten wurde. Ups! Oder zuletzt nach der Bundestagswahl, als Friedrich Merz (CDU) im ersten Anlauf für das Amt des Kanzlers die nötige Mehrheit verfehlte.
Eine ähnliche Geschichte kann übrigens Reiner Haseloff erzählen. Nachdem seine CDU die Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021 mit 37,1 Prozent der Stimmen unerwartet klar gewonnen hatte, fiel er trotzdem im ersten Wahlgang als Ministerpräsident durch. Es sind die gleichen Landtagsabgeordneten von CDU, SPD und FDP, die nach dem Plan der Union nun Sven Schulze wählen sollen. Die Vollkatastrophe wäre, wenn nicht mal das klappt.
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