Hannes Koch über den G7-Gipfel: Lieber einsam als gemeinsam
Trotz freundlich klingender Nachrichten von US-Präsident Donald Trump markierte das Treffen der sieben westlichen Industrieländer (G7) in Biarritz einen weiteren Schritt zur Fragmentierung der Weltwirtschaft. Nennenswerte gemeinsame Initiativen für die globale Ökonomie suchte man vergebens. Stattdessen stand „Teile und herrsche“ im Vordergrund. Der US-Präsident beherrschte die Agenda, indem er einerseits höhere Strafzölle gegen China ankündigte, andererseits Japan und Großbritannien bilaterale Handelsabkommen in Aussicht stellte.
Bei diesen scheinbar konzilianten Ansätzen geht es tatsächlich vor allem um die einseitigen Interessen der US-Regierung, mehr amerikanische Produkte auf den Weltmärkten zu verkaufen und heimische Arbeitsplätze zu sichern. Das ist die Strategie auch gegenüber Großbritannien.
Trump arbeitet daran, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszubrechen, und bietet als Ersatz ein Handelsabkommen zwischen Washington und London an. Vorteil für die USA: Der amerikanische Finanzsektor bekommt besseren Zugang zum Finanzplatz London, was die Position der dortigen Unternehmen schwächen dürfte.
Für die Weltwirtschaft insgesamt und auch für die europäische Ökonomie bedeutet all das nichts Gutes. Die Wachstumsraten gehen nach unten, die Steuereinnahmen lassen nach. Auch in Deutschland ist das mittlerweile zu spüren. Ob es hier zu einer Rezession kommt, ist noch nicht klar – der Arbeitsmarkt und der private Konsum laufen nach wie vor gut. Aber zumindest die fetten Jahre dürften erst mal vorbei sein.
In dieser Lage wäre es gut, wenn sich wenigstens die EU zu einer gemeinsamen Reaktion durchringen könnte – einem Signal an die Bürger und Unternehmen. Ein abgestimmtes, grenzüberschreitendes Investitionsprogramm könnte die öffentliche Infrastruktur verbessern und Arbeitsplätze vor dem Abschwung schützen. Leider jedoch steckt die neue EU-Kommission noch in ihrer Findungsphase. Die trudelnde Regierungskoalition in Berlin ist unfähig, eine starke europäische Initiative zu entwickeln. So setzt auch Europa der Fragmentierung der Weltwirtschaft weniger entgegen, als nötig wäre.
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